Coronavirus: Maskenproduktion ist doch wohl kein Problem - oder doch?

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Mund-Nase-Schutz steht bei Mitbürgern hoch im Kurs. Doch die Ware ist schwer zu kriegen. Der Dorstener Arno Aryus fragt sich, wie man die Herstellung hierzulande beschleunigen kann.

Dorsten

, 22.04.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Arno Aryus ist ausgebildeter Verfahrenstechnik-Ingenieur. Im Februar, als deutlich wurde, dass Corona sich auch in Deutschland ausbreiten wird, hat Aryus seinen ersten Mund-Nasen-Schutz bestellt. Und wartete. Und wartete. Damit ging es Aryus nicht anders als vielen anderen Bürgern, die sich und andere schützen wollen. Die Mund-Nasen-Schutze sind schwer zu kriegen und haben überdies lange Lieferzeiten, da sie zu 90 Prozent in China produziert werden.

Bekommen hat Arno Aryus nach achtwöchiger Wartezeit ein Zehnerpack einfacher Vliestücher fürs Gesicht, die vor allem andere Menschen vor eigenen Husten- oder Nieströpfchen schützen sollen. „Die Masken, ein Stück dreilagiger Vlies mit Gummibändern dran, sind so simpel. Warum können sie nicht in großen Stückzahlen hierzulande gefertigt werden?“, rätselt der Dorstener Ingenieur.

Ingenieur schildert Produktionsablauf

Aryus schildert, wie er sich die Fertigung solcher Masken in deutschen Anlagen vorstellt: „Bei einer vollautomatischen Fertigung kommen bestimmte Fügetechniken zum Einsatz. Hierdurch lassen sich in der Produktion auf einer Fertigungslinie mit wenigen Maschinen und geringem finanziellen Aufwand mindestens 50.000 bis 100.000 Masken pro Tag herstellen. Bei 500 Fertigungslinien, die in zwei bis drei größeren Werkshallen untergebracht werden können, ist eine Produktion von 50 Millionen Masken pro Tag möglich und auch beliebig erweiterbar“, sagt Arno Aryus.

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Doch von der Produktion und Lieferung des Vliesstoffes bis zur Verarbeitung zu Masken ist der Weg weit. Denn der Rohstoff für den Mund-Nasen-Schutz ist weltweit so enorm nachgefragt, dass er in hundertmillionen-facher Menge nicht ohne Weiteres produziert werden kann.

Innovatec liefert den Vliesstoff

In Deutschland gibt es nur wenige Unternehmen, die das können. Das Vlies liefert zum Beispiel die Firma Innovatec in Troisdorf bei Bonn. In einer aktuellen Pressemitteilung des Unternehmens heißt es: „Die Innovatec Microfibre Technology GmbH reagiert auf die deutschlandweite Knappheit an Schutzausrüstung und wird in der Coronakrise am Standort Troisdorf als erstes Unternehmen in Deutschland in neue Produktionsanlagen investieren.“

Innovatec produziert seit 1995 synthetische Vliesgewebe auf der Basis von Polypropylen für den Einsatz in Schutzmasken sowie Schutzanzügen. Die Herstellung der zur Produktion von FFP- und OP-Masken benötigten Vliesstoffe erfolgt laut Auskunft von Geschäftsführer Daniel Krumme „auf Basis eines langjährigen Produktions- und Prozess-Know-hows sowie genauer Materialkenntnis, welche Innovatec als Weltmarkt- und Qualitätsführer in diesem Bereich seit vielen Jahren besitzt“.

Ein Gramm Polypropylen liefert zwei Kilometer Faden

Aus einem Gramm Polypropylen werden bei Innovatec zwei Kilometer Faden für den Vliesstoff „gesponnen“, erklärt Inhaber Christian Klöber. Der Vliesstoff aus Troisdorf hält nach Angaben des Unternehmens höchsten Qualitätsstandards stand: „Käufer von Schutzmasken müssen in der aktuellen Situation genau aufpassen, welche Produkte sie erwerben. Denn nicht jede Maske bietet echten Schutz für seinen Träger und die Umgebung“, betont Daniel Krumme.

Unternehmer Christian Klöber ergänzt: „Durch die geplanten neuen Anlagen kann Innovatec bei maximaler Auslastung und Rückstellung anderer Fertigungsaufträge hochgerechnet Vliese für vier Milliarden OP-Masken oder 1,3 Milliarden FFP2-Masken im Jahr herstellen.“

Er dämpft aber die Hoffnung von Endverbrauchern, dass sie von jetzt auf gleich diese Masken bekommen können: „Die schiere Menge, die benötigt wird, ist selbst für einen großen Hersteller nicht aus dem Stand zu machen, zumal es bis zur Coronakrise in Deutschland keine Maskenhersteller gegeben hat.“

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