Coronavirus: Maulende Gäste, Umsatzeinbrüche - Gastronomie leidet noch

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Gastronomen und Gäste in Dorsten haben sich nach der Wiedereröffnung der Lokale gesehnt. Seit der Wiedereröffnung ist das allgemeine Wohlbefinden aber beeinträchtigt. Es gibt Dämpfer.

Dorsten

, 20.05.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Isidore Stanley und Carsten Heinrich genossen am Mittwoch unter freiem Himmel ein ausgiebiges Frühstück in der Außengastronomie auf dem Altstadtmarkt. „Wir freuen uns, wieder draußen sein und ein leckeres Essen in einem Lokal genießen zu können“, sagten die beiden.

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So wie ihnen geht es vielen Menschen nach der langen häuslichen Isolation. Erkennbar war: Die Tische und Stühle der Außengastronomie in der Altstadt waren in dieser Woche stets gut besetzt - selbstredend im gebührenden Abstand. Und auch in den Lokalen nahmen Besucher Platz. Doch mancherorts wurden die wiedergewonnenen Freiheiten von Gezänk überschattet.


Wie Bürgermeister Tobias Stockhoff diese Woche in einem Pressegespräch sagte, würden manche Besucher Rededuelle wegen der Hygiene- und Abstandsregeln sowie der Anmeldelisten mit den Gastronomen ausfechten. „Die Gastwirte haben diese Verordnungen nicht gemacht“, sagte der Bürgermeister und warb für mehr Verständnis und Rücksichtnahme in der Bevölkerung. Er bat darum, „nicht alles zu hinterfragen und zu diskutieren: Die Gastronomen können nichts dafür.“

IHK: Gäste sind verhalten, Umsatzeinbußen groß

Gastwirte erleben, so eine aktuelle Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer, zurzeit ein Wechselbad der Gefühle: Die Freude über die Wiedereröffnung wird durch die angeordneten Hygienevorschriften und hohe Umsatzeinbußen im Vergleich zu Vor-Coronazeiten gedämpft.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: In nicht allzu ferner Zukunft muss es nach Ansicht vieler Betriebe wieder möglich sein, größere Personen- und Reisegruppen sowie auch Festgesellschaften unter Einhaltung der erforderlichen Hygienekonzepte bewirten zu können. Es sei fortdauernd zu prüfen, wie die Anforderungen des Infektionsschutzes auf verantwortungsvolle Weise mit den existenziellen Anforderungen der Betriebe in Einklang gebracht werden können.

„Viele potenzielle Gäste reagieren offenbar noch verhalten – auch wegen der Begleiterscheinungen, die die Einhaltung der Hygiene-Regeln mit sich bringt“, so die Industrie- und Handelskammer. Außerdem beklagten die Hälfte der Gaststätten, Cafés und Restaurants im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region, dass die erzielten Umsätze „unter 25 Prozent des normalen Umsatzes liegen“.

KOD hat Hinweise und Beschwerden erhalten

Zum Umsatz der Lokale äußerte sich Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff naturgemäß nicht. Er sagte aber, dass der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) seit der Wiedereröffnung der Lokale immer mehr Hinweise und Beschwerden zu angeblichen oder tatsächlichen Missständen bekomme: „Viele gastronomische Einrichtungen halten sich an die Verordnungen, haben Plexiglasscheiben zum Schutz der Mitarbeiter montieren lassen, beachten die Anmelderegeln für die Gäste und halten die Abstandsregeln ein“, so Stockhoff. Einige aber wohl nicht.

So haben sich Beschäftigte beim KOD gemeldet, die Angst um ihre eigene Gesundheit haben. Und Gäste, die die mutmaßlich zu laxe Handhabung kritisieren. Christoph Fortmann, Leiter Ordnungs- und Rechtsamt, sagt dazu: „Der KOD ist nicht der allgegenwärtige Aufpasser, sondern behält die Übersicht und greift dort regelnd ein, wo es nötig/geboten ist.“

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