Coronkrise: Prüflinge am Petrinum fordern „Durchschnittsabitur“

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Die angehenden Abiturienten am Petrinum fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Sie sorgen sich um die Gesundheit und wollen keine Abiturprüfungen schreiben.

Dorsten

, 30.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Überall im Land formiert sich Widerstand gegen die Entscheidung der Kultusminister, die Abiturprüfungen trotz Coronakrise durchzuziehen. Auch die Prüflinge am Petrinum fühlen sich im Stich gelassen. Sie haben als Privatpersonen ein Schreiben verfasst und an die Redaktion geschickt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

„Wir haben das Gefühl, von den führenden Politikern im Stich gelassen zu werden und Teil ihrer Prinzipienreiterei der verfrühten Öffnung öffentlicher Institutionen geworden zu sein, bei welcher es nur aus Angst vor politischem Gesichtsverlust unter keinen Umständen zur nachträglichen Revision falscher Entscheidungen kommt“, schreiben die angehenden Petrinum-Abiturienten.

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Beim Unterrichtsstart nach Ende der Corona-Zwangspause wurde auch am Petrinum versucht, Hygienevorschriften und Abstandsregeln so gut es eben geht einzuhalten. Auf dem Schulhof waren Abstandsmarkierungen wie an Supermarkt-Kassen aufgemalt, die Schüler der jeweiligen Kurse betraten das Schulgebäude durch unterschiedliche Eingänge und nutzten unterschiedliche Treppenhäuser.

Viertelstunde vergeht, bis alle im Raum sind

„Wir wurden dann aufgeteilt, sodass immer maximal zehn Leute in einem Raum waren“, berichtet der angehende Petrinum-Abiturient Jakob Günther. Nach und nach wurden die Schüler in den Klassenraum gelassen. Sie mussten sich zuerst die Hände waschen und dann von hinten nach vorne die Plätze an den weit auseinander stehenden Tischen besetzen. „Es hat bestimmt 10 bis 15 Minuten gedauert, bis überhaupt erst mal alle im Raum waren.“

Auch die Abiturienten am St. Ursula-Gymnasium gingen am Donnerstag wieder zur Schule. Auch sie trugen Masken und bereiteten sich in Kleingruppen auf die Prüfungen vor, die am 12. Mai beginnen.

Auch die Abiturienten am St. Ursula-Gymnasium gingen am Donnerstag wieder zur Schule. Auch sie trugen Masken und bereiteten sich in Kleingruppen auf die Prüfungen vor, die am 12. Mai beginnen. © privat

An richtigen Unterricht war nicht zu denken. „Wir haben uns eher über die momentane Situation unterhalten“, sagt Jakob Günther. Nach einer halben Stunde verständigten sich Schüler und Lehrerin auf eine Pause, weil viele es unangenehm fanden, die ganze Zeit eine Maske zu tragen. Also ging‘s in umgedrehter Reihenfolge und nach Händewaschen wieder raus aus dem Klassenraum. Bei der Rückkehr ging das ganze Prozedere dann wieder von vorne los.

Während der mehrstündigen Prüfungen müssen die Schüler am Petrinum keine Maske tragen. Geschrieben wird in der Aula mit ausreichend Abstand, auch essen und trinken können die Schüler an ihrem Platz, wie die Schulleitung mitteilte. Es werden Gänge gebildet, beispielsweise um auf Toilette zu gehen, damit die Schüler nicht in Kontakt mit anderen Personen kommen. Beim Verlassen und Betreten der Aula muss eine Maske getragen werden, aber nicht während des Schreibens.

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Die Prüflinge plagen aber nicht nur Sorgen um die Gesundheit. Sie kritisieren in ihrem Schreiben, dass „eine ausreichende und vor allem im Vergleich zu den Abiturjahrgängen der Jahre davor faire Vorbereitung auf die Abiturprüfungen nicht möglich ist“.

Die Petrinum-Schüler stellen die Argumentation von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) infrage, wonach man sich auf der letzten Kultusministerkonferenz verbindlich mit allen Bundesländern darauf verständigt habe, die Prüfungen stattfinden zu lassen.

Konferenz der Kultusminister rechtlich nicht bindend

Diese Konferenz sei aufgrund des Föderalismus in Deutschland (Bildung ist Ländersache) aber rechtlich nicht bindend gewesen, schreiben die Petrinum-Prüflinge: „Das einzige, was rechtlich bindend ist, ist das Hamburger Abkommen vom Oktober 1964, bei dem man sich unter anderem darauf einigte, die Abiturprüfungen der Bundesländer untereinander anzuerkennen.“

Entgegen Laschets Behauptungen bestehe also keine Gefahr, dass ein sogenanntes „Durchschnittsabitur“ - das auf Grundlage der vorherigen Noten ausgestellt wird und das sich auch die Petrinum-Prüflinge wünschen - von anderen Bundesländern nicht anerkannt werde. Auch das Argument, ein Corona-Abitur ohne Prüfungen sei mit den Abituren der Vorjahre nicht vergleichbar, nehmen sie sich vor: „Wir denken, dass jedem klar ist, dass ein Stattfinden der Prüfungen unter diesen Umständen [...] die Vergleichbarkeit nur weiter herabsetzt.“

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