Damenmoden Wehling in Dorsten schließt - einen Nachfolger gibt es noch nicht

mlzInnenstadt

Nach 13 Jahren schließt Elke Ulrich zum 31. Januar 2020 ihr Geschäft an der Klosterstraße. Einen Nachfolger zu finden, gestaltet sich schwierig.

Dorsten

, 27.07.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

13 Jahre lang war das Damenmoden-Geschäft Wehling an der Klosterstraße Elke Ulrichs „Wohnzimmer“. Hier hat sie nicht nur T-Shirts, Blusen und Hosen verkauft, sondern auch viel Privates von ihren Kundinnen erfahren und versucht, ihre eigene Linie zwischen Trends und Tradition zu finden.

„Ich gehe in den wohlverdienten Ruhestand - etwas eher als ursprünglich geplant, aber es passt gerade und ich gönne mir ein bisschen Egoismus“, sagt die 63-Jährige. Ein Leben lang habe sie, bis auf eine kurze Pause nach der Geburt ihrer Tochter, gearbeitet - jetzt wolle sie mal nur privat sein, ihre Enkelkinder öfter sehen, mehr Sport treiben, Urlaube machen, Freunde auch mal vormittags auf einen Kaffee treffen.

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Ihr Mietvertrag läuft Ende Januar 2020 aus. Dann wird sie die Türen ihres kleinen Ladens schließen - das Wintergeschäft wird sie also noch mitnehmen. Einen Nachfolger hat Ulrich noch nicht. „Das scheint nicht so einfach zu sein. Vor allem, weil ich keinen Personalstamm mit übergeben kann“, sagt die in Gahlen lebende Inhaberin. Ihre Mitarbeiterin und Freundin wird sich mit der Schließung des Ladens ebenfalls in den Ruhestand verabschieden.

Geschäft gibt es seit über 50 Jahren in Dorsten

Sollte Ulrich keinen Nachfolger finden, wird eine lange Ära zu Ende gehen. Denn das Modegeschäft Wehling gibt es schon seit über 50 Jahren in Dorsten. „Eine Kundin hat mir mal erzählt, dass die ursprüngliche Inhaberin damals mit dem Verkauf von Stoffen auf dem Markt angefangen hat“, erzählt Elke Ulrich.

Sie selbst kam eher zufällig in die Textilbranche. Als junges Mädchen hatte sie ein Praktikum im Textilhaus Schürholz am Markt gemacht und eine Ausbildung als Textilfachverkäuferin angeboten bekommen. Gegen den Protest ihres Vaters, der lieber gehabt hätte, dass sie noch weiter zur Schule gegangen wäre, nahm sie das Angebot an.

18 Jahre hat Ulrich bei Mensing gearbeitet

„Ich habe es nie bereut“, sagt die 63-Jährige. Ihr ganzes Berufsleben lang hat sie in Dorsten gearbeitet. 18 Jahre war sie bei Mensing tätig, bevor sie im September 2006 dann das Geschäft an der Klosterstraße übernahm. Eine gute Freundin war für die damalige Inhaberin tätig und erzählte Ulrich, dass diese den Laden aus Altersgründen schließen wolle.

„Mein Mann hat dann so lange nicht locker gelassen, bis ich mich getraut habe, den Laden zu übernehmen“, erzählt Ulrich. Damals fing sie mit einigen T-Shirts und Hosen in den Regalen an - sie wollte kein zu hohes finanzielles Risiko eingehen und die Kunden und ihre Vorlieben erst einmal kennenlernen.

Ulrich setzt auf Qualität und Passform in ihrem Geschäft

Zielgruppe waren 2006 Frauen über 50. Das ist heute noch ähnlich, dennoch sei die Mode jünger geworden. So höre sie von älteren Damen immer wieder: „Aber bitte keinen Oma-Pullover.“ Ulrichs ganz persönlicher Schwerpunkt lag immer auf Qualität und Passform. Daher hatte sie auch immer andere Marken auf den Bügeln hängen als die großen Modehäuser - und auch nicht jede Trendfarbe im Regal.

„In so einem kleinen Geschäft lebt man von den Stammkunden. Die habe ich auch schon mal angerufen, wenn ich ein Kleidungsstück reinbekommen habe, von dem ich wusste, dass genau so etwas gesucht wird“, erzählt die Inhaberin. Die wenigen „Schlenderkunden“, die sich sonst in ihren Laden verirren, gibt es aktuell kaum noch. Schuld ist die Baustelle für die Umgestaltung der Fußgängerzone direkt vor der Tür.

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Ulrich hofft, dass sich in den nächsten Monaten noch ein Nachfolger für das Geschäft findet. Euphorischen Interessenten gibt sie jedoch auch mit auf den Weg: „So ein kleines Geschäft ist schwierig zu führen. Die Unkosten sind hoch, man muss viel Wissen haben und sehr viel selber vor Ort sein.“

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