Die Intensivstationen in Dorsten und Haltern sind sehr gut belegt, allerdings kaum mit Covid-19-Patienten. © KKRN GmbH
Coronavirus

„Das ist normal“: Intensivstation im Krankenhaus ist nahezu voll

Die Intensivstationen der Krankenhäuser in Dorsten und Haltern sind derzeit nahezu voll. Der Chefarzt der Lungenklinik findet das überhaupt nicht beunruhigend.

In den regelmäßigen Videokonferenzen der vier Krankenhäuser, die zur Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord GmbH (KKRN) gehören, geht es natürlich auch immer um die Belegung der Intensivstationen. Dass dort zurzeit fast alle Betten belegt sind, löst bei den Ärzten allerdings keine Unruhe aus.

Als „normal“ bezeichnet Dr. Norbert Holtbecker, Chefarzt der Lungenklinik Ruhrgebiet Nord sowie Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Fachbereich Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin am Dorstener St. Elisabeth-Krankenhaus, die aktuelle Situation. Auch wenn auf den Intensivstationen derzeit viel zu tun ist, „sind wir absolut handlungsfähig“, bestätigte er auf Anfrage.

Kaum Covid-19-Patienten auf Intensivstationen

Ende der vergangenen Woche wurden in den vier KKRN-Krankenhäusern in Dorsten, Haltern, Marl und Westerholt 40 Patienten intensivmedizinisch betreut.

Mit der Corona-Pandemie und der steigenden Zahl an Infektionen hat das allerdings kaum etwas zu tun. „Der Anteil der Covid-19-Patienten war sehr gering“, sagt der Chefarzt.

Zwei Beispiele: Am St. Elisabeth-Krankenhaus waren Ende der letzten Woche zehn Patienten auf der Intensivstation, nur einer wegen einer Corona-Infektion. Am St.-Sixtus-Hospital war nur einer von sechs Intensivpatienten positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Dr. Norbert Holtbecker beurteilt die Situation auf den KKRN-Intensivstationen trotz steigender Corona-Infektionszahlen als „normal“. © Günter Schmidt © Günter Schmidt

Prof. Dr. Wolfgang Raab, Sprecher der Ärztlichen Direktoren der Kliniken im Kreis Recklinghausen, sagte Ende der letzten Woche: „Es gibt zwei bis drei Krankenhäuser, in denen nur noch ein bis zwei Betten frei sind.“ Die Entwicklung der Infektionszahlen betrachtet er mit Sorge. Am Montag meldeten die Kliniken im Kreis 154 Covid-19-Patienten, 32 wurden intensivmedizinisch behandelt.

Dr. Norbert Holtbecker will den Ernst der Lage keineswegs herunterspielen, sagt aber auch: „Ich sehe aktuell keine Bedrohung für unsere Arbeit auf den Intensivstationen. Wir haben das im Griff, und sollten es mehr Covid-19-Patienten werden, werden wir auch das lösen, so wie im vergangenen Jahr.“

Impfbereitschaft ist deutlich größer geworden

Im Griff hat das KKRN offenbar auch die Impfbereitschaft seiner Mitarbeiter im Medizin- und Pflegebereich. Ohne konkrete Zahlen nennen zu kennen, schätzt Dr. Norbert Holtbecker die Impfbereitschaft als „sehr hoch“ ein. „Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass 90 Prozent der Kolleginnen und Kollegen, die am Patienten arbeiten, sich impfen lassen wollen oder schon geimpft sind, wenn sie zu den Priorisierungsgruppen eins und zwei gehören.“

Zu Beginn war die Impfbereitschaft der Mitarbeiter Anfang Februar beispielsweise im Dorstener St. Elisabeth-Krankenhaus aufgrund des stark beschleunigten Zulassungsprozesses verhalten und es gab Vorbehalte, sodass sich nur etwa die Hälfte impfen lassen wollte. Der Chefarzt der Lungenklinik führt nun die deutlich gestiegene Akzeptanz zum einen auf interne Aufklärungskampagnen in den vier Krankenhäusern zurück, zum anderen aber auch auf eine Art „Sogwirkung“. Wenn man sehe, dass die Impfung bei anderen Mitarbeitern unproblematisch verlaufen sei, lasse man sich auch impfen.

Und letztlich hat eine hohe Impfbereitschaft zur Folge, dass es auch mehr Sicherheit für die Patienten gibt.

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Stefan Diebäcker

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