Demonstration in Dorsten: „Rassismus ist auch bei uns allgegenwärtig“

mlzBlack lives matter

Zwei junge Dorstenerinnen haben am Samstag eine Demonstration gegen Fremdenfeindlichkeit organisiert. Ihr Anliegen findet zwar Unterstützung, trotzdem sind sie ein wenig enttäuscht.

Dorsten

, 04.07.2020, 15:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir haben mehr erwartet.“ So die Aussage von Pia Göring. Ihre Freundin Julia Stevens nickt zustimmend. Die beiden jungen Damen organisierten am Samstag mit Unterstützung der Initiative „Wir in Dorsten – gegen Rechts“ eine Demo gegen Fremdenfeindlichkeit und für ein Miteinander aller Nationalitäten.

Junge Menschen zeigen wenig Interesse

Um 10 Uhr ging es am Samstagvormittag auf dem Marktplatz los. Viele Einkäufer waren auf dem Wochenmarkt unterwegs, aber nur wenige blieben am Infostand von Pia und Julia stehen. „Es ist schade“, so Julia. „Besonders junge Menschen zeigen wenig Interesse. Einige ältere Passanten reagieren positiv und beteiligen sich an unserer Spendenaktion zugunsten der Organisationen „Black Live Matter“ und „Amnesty International“.“

Pia Göring und Julia Stevens organisierten ihre erste Demo gegen Rechts.

Pia Göring und Julia Stevens organisierten ihre erste Demo gegen Rechts. © Ralf Pieper

Pia und Julia wollten ursprünglich im Juni zur Anti-Rassismus-Demo nach Köln fahren. „Aber das haben wir zeitlich nicht hinbekommen, und da dachten wir, dass wir eine solche Demo in unserer Heimatstadt auf die Beine stellen“, sagt Pia.

Sie und Julia haben schon verschiedene Erfahrung mit Fremdenfeindlichkeit gemacht und so war diese Demo eine Herzenssache. „Wir selbst waren zwar nie von Fremdenfeindlichkeit betroffen, aber viele Freunde und Bekannte haben uns von derartigen Erfahrungen berichtet,“ erklärt Julia.

Fremdenfeindlichkeit gibt es auch in Dorsten

Dass es Fremdenfeindlichkeit auch in Dorsten gibt, unterstrich Ruth Lange, Mitgründerin der Initiative „Wir in Dorsten gegen Rechts“, bei der anschließenden Kundgebung um 12 Uhr auf dem Platz der Deutschen Einheit: „Rassismus ist auch in Dorsten allgegenwärtig – bei der Bewerbung für eine Arbeitsstelle, bei der Suche nach einer Wohnung.“

Als Beispiel nannte sie eine Familie mit Migrationshintergrund, die in Dorsten eine Wohnung suchte und vom Vermieter mitgeteilt bekam, dass seine Wohnung schon vergeben sei. Als Ruth Lange davon erfuhr, den Vermieter anrief und sich als wohnungssuchend ausgab, sagte der Vermieter, dass diese Wohnung noch zu haben sei.

Bürgermeister Tobias Stockhoff lobte das Engagement der bei jungen Dorstenerinnen.

Bürgermeister Tobias Stockhoff lobte das Engagement der bei jungen Dorstenerinnen. © Ralf Pieper

Auch Bürgermeister Tobias Stockhoff sprach auf der Kundgebung und lobte das Engagement von Pia und Julia. Auf dem Platz der Deutschen Einheit versammelten sich rund 50 Personen, teils mit Plakaten. Die meisten von ihnen waren Unterstützer der Initiative „Wir in Dorsten – gegen Rechts“ - auch hier blieben wenige Passanten stehen.

Passanten schrieben ihre Gedanken auf

Im Laufe der Kundgebung wurden die Namen von Opfern rassistisch motivierter Gewalt verlesen. Es folgte eine Schweigeminute. Dann lasen Pia und Julia aus zuvor auf dem Marktplatz verteilten Notizen vor, in denen Dorstener begründeten, warum sie gegen Rassismus sind. „Ich bin gegen Rassismus, weil jeder Mensch, unabhängig von Hautfarbe und Religion, gleich ist.“ Oder: „Ich bin gegen Rassismus, weil alle Menschen den gleichen Respekt verdienen.“

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