Der Bürgermeister und sein verschwiegener Chauffeur

Bald fahren sie getrennte Wege

Am Freitag endet die Dienstzeit von Bürgermeister Lambert Lütkenhorst. Von ganz vielen Menschen muss er sich verabschieden, auch von seinem langjährigen Fahrer. Ein Gespräch mit einem Mann, der ganz schön verschwiegen ist.

Dorsten

, 18.06.2014, 16:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Altbürgermeister und sein ehemaliger Chauffeur: Lambert Lütkenhorst und Michael Hein haben 15 Jahre lang viel Zeit gemeinsam im Dienstwagen verbracht.

Der Altbürgermeister und sein ehemaliger Chauffeur: Lambert Lütkenhorst und Michael Hein haben 15 Jahre lang viel Zeit gemeinsam im Dienstwagen verbracht.

Er hat mehr Zeit mit dem Bürgermeister verbracht als all die anderen Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Er hat Dinge gehört, die nicht immer für seine Ohren bestimmt waren. Er bezeichnet seinen Chef als "sehr zuvorkommend" und bekommt das Kompliment prompt zurück: "Sehr loyal, absolut vertrauenswürdig", so nennt Lambert Lütkenhorst ihn - Michael Hein (56), seinen Chauffeur. Jetzt fahren sie bald getrennte Wege.

15 Jahre waren sie beinahe unzertrennlich. Wenn Lütkenhorst rief, war Hein zur Stelle mit dem Dienstwagen des Bürgermeisters. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Er hat seinen Chef in allen Stimmungslagen erlebt, hat geheime Telefonate mitbekommen, auch wenn er sich - natürlich - auf den Verkehr konzentrieren musste. "Fragen Sie ruhig, ich verrate nichts", sagt der Chauffeur kurz und knapp.

Früher waren die Fahrtwege weiter

1989 begann Michael Hein seinen Dienst bei der Stadtverwaltung - zunächst als LKW-Fahrer beim Entsorgungsbetrieb, dann kutschierte er die Bürgermeister durch die Lande: Heinz Ritter, Friedhelm Fragemann, Karl-Christian Zahn. Für Lütkenhorst, den dienstältesten Bürgermeister der Stadt, saß er 15 Jahre am Steuer. "Früher waren die Wege weiter", gibt Michael Hein zu. Da gab er auch mal Gas in Richtung Berlin. Heutzutage geht das schneller und preiswerter mit einem Billigflieger.

45.000 km pro Jahr hinterm Steuer

Genug zu tun ist trotzdem für Michael Hein. 45.000 Kilometer pro Jahr ist er im Dienstwagen der Stadt, derzeit ein silberfarbener Audi A 6, unterwegs. Allein 30.000 Kilometer hat er schätzungsweise mit Fahrgast Lütkenhorst abgerissen. Der fühlte sich bei seinem Chauffeur stets gut aufgehoben, denn: "Ich habe nie einen Unfall verursacht", sagt Michael Hein im Brustton der Überzeugung.

Das klingt ein wenig nach einem Bewerbungsschreiben für Lütkenhorsts Nachfolger Tobias Stockhoff. Doch das hat Michael Hein nicht nötig. "Ich gehe davon aus, dass ich weiterfahren darf." Für Stockhoff, aber auch für die Dezernentenriege im Rathaus. Zuverlässig, allzeit bereit - und vor allem verschwiegen.

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