Der Chefplaner der Stadt zieht Bilanz

DORSTEN Drei Jahrzehnte lang war er in und für Dorsten tätig. In diesem Monat vollendet Stadtbaurat Frank Gläßner das 65. Lebensjahr und wechselt in den Ruhestand - die "Handschrift" des engagierten Stadtplaners bleibt jedoch überall sichtbar. Unserer Zeitung gab er ein letztes Interview.

von Von Klaus-Dieter Krause

, 10.03.2009, 18:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Herr Gläßner, die Frage nach der Dauer von komplizierten Verfahren beantworteten Sie gern mit einer Gegenfrage: "Wie lange dauert ein Tennismatch?" Nun steht im Rathaus Ihr Matchball kurz bevor. Heißt es danach "Spiel, Satz und Sieg"? Oder wird Ihre Bilanz durch die letzten Jahre überschattet? Ein Stadtplaner ohne finanzielle Mittel, ist das nicht so, wie ein Tennisspieler ohne Schläger?

Gläßner : Eher wie ein Aufschlag ins Netz - 0:15! Im Prinzip ist man aber als Stadtplaner immer ein bisschen Hoffnungträger. Selbst in mageren Zeiten beschäftigt man sich mit dem, was sein könnte oder sein sollte. So hat man Lösungen parat, wenn sich Realisierungs-Möglichkeiten bieten. Wenn es allerdings für Maßnahmen gar keine Chance auf Umsetzung gibt, dann verbuddelt man die Pläne am besten in den ganz tiefen Schubladen - immer nur erläutern, warum es nicht vorangeht, erzeugt Frust bei den Bürgern.

Was verbuchen Sie nach 30 Jahren als größte Pluspunkte?

Gläßner: Am Ende ist es wie bei einem Schüler. Wenn man sich noch auf die letzten Klassenarbeiten konzentriert, hat man keine Ahnung wie das Zeugnis ausfallen wird. Fragen Sie mich dazu in zwei Jahren nochmal.

Einen Bereich kann ich aber schon heute nennen: die Zechensiedlung in Hervest. Dass wir die Bausubstanz im Kernbereich mit kleinen Abstrichen erhalten konnten, ist für mich ein Erfolg, weil hier Bauten ein Kapitel der Stadtgeschichte erzählen. Ich habe dabei sehr viel gelernt, auch über notwendige Kompromisse. Denn wenn man mit architektonischen Vorstellungen losgeht und viele Klinken putzt, dann trifft man auf die Menschen, ihre Bedürfnisse und Sorgen. Und wenn sich dann eine Lösung findet, die beiden Seiten gerecht wird, ist viel erreicht.

Wo mussten Sie sich Zwängen beugen, welche Entscheidungen waren falsch?

Gläßner: Jede Stadt hat ihre Jahresringe. Dazu gehören Bauwerke, die dem Zeitgeist geschuldet sind, wie etwa das Lippetor-Center. Zum Glück sind beim Wiederaufbau der Stadt nach dem Krieg die schlimmsten Missgriffe vermieden worden. Wenn eine Stadt ihren Maßstab sprengt, dann ist das fatal. Und wenn Dr. Zahn bei seinen Reisen Objekte entdeckt hatte und davon im Verwaltungsvorstand schwärmte, dann ließ er sich zum Glück bremsen - Dorsten ist keine Zitatensammlung. Auf der anderen Seite war es ein Glücksfall, dass sich Geldgeber fanden, die dem Alten Rathaus das Blau nahmen, es durch Sanierung vor dem Verfall bewahrten und ihm die ursprüngliche Form und Farbe zurückgaben.

Wenn man Ihnen freie Hand ließe und Sie mit dem Abrissbagger durch die Stadt fahren könnten, welche drei größten Bausünden müssten dann daran glauben?

Gläßner: Dazu würde sicher das Wulfener Zentrum gehören. Aber auch das Lippetor-Center würde ich gern durch moderne, gläserne Architektur ersetzen. Und das Habiflex in seinem heutigen Zustand würde sicher auch auf der Liste stehen.

Es gibt sehr viel als Erbe aus den sechziger und siebziger Jahren, was man heute anders machen würde. Aber die schlimmsten Dinge, wie Hochhäuser in Dorsten, sind uns erspart geblieben.

Gibt es kurze und griffige Ratschläge, die Sie Ihrem designierten Nachfolger Holger Lohse mit auf den Weg geben werden?

Gläßner : Wir haben schon so lange zusammen gearbeitet, da gibt es nicht mehr viel zu sagen. Überhaupt ist Stadtplanung nicht das Werk eines Einzelnen, sondern Teamwork. Und ich hatte das Glück, in Dorsten in einem guten Team zu arbeiten. Die Kontinuität bleibt gewahrt. Ich mache mir für die Zukunft um die Stadtplanung keine Sorgen, sie ist in guten Händen.

Wie sieht Ihre Planung für die neue Freizeit aus?

Gläßner : Beim Tennis steht für mich der Spaß mit der Mannschaft bei den Tennisfreunden Wulfen im Vordergrund. So intensiv, wie meine Frau in letzter Zeit Fahrradprospekte liest, könnte ich mir auch vorstellen, dass einige Pedal-Reisen auf mich zukommen.

Als Ex-Baudezernent tue ich aber erst mal was für unser 35 Jahre altes Haus: Ich werde das Obergeschoss selbst renovieren. Und nachdem wir viele Jahre Katzen hatten, könnte ich mir nun einen Hund vorstellen, der mich auf Trab hält.

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