Der erste Geschäftstag in Dorsten: Mensing bemüht die Juristen

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Der befürchtete Ansturm der Kunden blieb in Dorsten am Eröffnungstag vieler Geschäfte aus. Trotzdem überwiegt die Zuversicht bei den Händlern. Das Modehaus Mensing ist ein Fall für Juristen.

Dorsten

, 20.04.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach wochenlanger Corona-Pause waren am Montag erstmals wieder die meisten Geschäfte in der Dorstener Innenstadt geöffnet. Bürgermeister Tobias Stockhoff zog am Abend eine positive Bilanz. „Die Mehrzahl der Händler hat die Schließungszeit genutzt und sich gut vorbereitet.“

Keine Sanktionen, nur Aufklärung

Spuckschutz an den Kassen, Markierungen auf dem Boden, ein geregelter Eingang vielerorts, dazu ein Infoblatt am Schaufenster, wie groß der Laden ist und wie viele Kunden gleichzeitig hinein dürfen: Die Stadtverwaltung hatte diesen Aushang zum Selbstausfüllen am Sonntag auf ihrer Homepage zum Download bereitgestellt, doch die Zeit war offenbar zu knapp.

So verteilten die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes am Vormittag bei ihrem ersten Rundgang die Blätter. Nicht Sanktionen, sondern vor allem Information und die Klärung offener Fragen standen am ersten Geschäftstag im Vordergrund.

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Und doch musste sich Andreas Körmann vom gleichnamigen Einrichtungshaus mit einem Augenzwinkern sagen lassen, er könne nicht rechnen. Bei 300 Quadratmetern Verkaufsfläche dürften laut Verordnung 30 Menschen im Geschäft auf der Recklinghäuser Straße sein, Körmann trug aber nur die Zahl „20“ ins vorgegebene Kästchen ein. „Ich möchte hier nicht so viele Kunden auf einmal im Laden haben“, sagte er.

Viele wollten mal wieder unter Menschen

Gegenüber von Körmann wartete Goldschmied Engelbert Bellendorf bis zum Nachmittag auf den georderten Spuckschutz. Der Juwelier wollte keine „08-15-Wand“, sondern etwas Hochwertiges. Geöffnet hatte er trotzdem und blickte optimistisch voraus: „Ich freue mich, dass wir endlich wieder arbeiten dürfen. Und ich glaube, dass die Leute auch wieder richtig Lust haben, etwas zu kaufen.“

Der Start allerdings war verhalten. Es war mehr los als in den letzten Wochen in der Fußgängerzone, keine Frage, aber von Kaufrausch und Schlangen an den Kassen konnte keine Rede sein. Es war wohl oft die Neugier, welche Geschäfte überhaupt geöffnet haben, die viele Dorstener bei sonnigem Wetter in die Altstadt zog. Viele trugen Mund-Nase-Masken.

Stefanie Dornhege (Schuhhaus Pelkmann) ist trotzdem „positiv eingestellt, alles andere wird sich zeigen.“ Sybille Eiben (Modehaus Gartz) ist natürlich froh, wenn die Kunden wieder kommen - „mit den nötigen Vorsichtsmaßnahmen.“ Die Geschäftsfrau trug deshalb selbst auch eine leuchtend gelbe Maske.

Das Gesprächsthema in der Altstadt war das Modehaus Mensing. Das hätte eigentlich geschlossen bleiben müssen, öffnete aber das Erdgeschoss und blieb so unter der Grenze von 800 Quadratmetern Verkaufsfläche. Diesen Schachzug hatte NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in der vergangenen Woche noch als unerlaubt bezeichnet.

Thorsten Hellwig, Store Manager von Mensing, diskutierte mit Mitarbeitern des Kommunalen Ordnungsdienstes die Öffnung des Modehause

Thorsten Hellwig, Store Manager von Mensing, diskutierte mit Mitarbeitern des Kommunalen Ordnungsdienstes die Öffnung des Modehauses. © Stefan Diebäcker

Der Kommunale Ordnungsdienst war zunächst ratlos, ließ Store Manager Thorsten Hellwig dann aber nach mehreren Gesprächen und Telefonaten gewähren. Bürgermeister Tobias Stockhoff kündigte eine rechtliche Klärung an, verwies aber auch auf eine Klage der Essener Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof. Mit vielen anderen Städten hofft auch Dorsten hier im Laufe der Woche auf ein endgültiges Urteil.

Stadt wartet auf Urteil, Schug schreibt Laschet

Seine SPD-Kontrahentin Jennifer Schug bekundete am Montagnachmittag in einem Schreiben an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ihre Solidarität mit Mensing und allen Einzelhandelsgeschäften, die ähnlich handeln. „Wir bitten Sie eindringlich, die aktuelle Rechtsverordnung zu überdenken und anzupassen, um allen betroffenen Unternehmen so die Öffnung zu ermöglichen.“

Auch die Stadt kann sich vorstellen, dass Sonderregelungen mit der Corona-Schutzverordnung im Einklang stehen könnten: etwa die Verkleinerung der Verkaufsfläche durch Abtrennungen auf unter 800 Quadratmeter oder eine striktere Begrenzung bei der Zahl der Kunden, die höchstens hinein dürfen.

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