Der Koch aus'm Pott hat's einfach drauf

Helmut Gote in Dorsten

Beim Radiotag im letzten Jahr ist Helmut Gote auf den Geschmack gekommen. "Wir sind damals nett empfangen worden." Und so kehrte er am Donnerstagabend zurück nach Dorsten, um zu kochen. Und zu reden.

Dorsten

von Von Stefan Diebäcker

, 29.11.2013, 11:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Unterhaltsam, lehrreich, amüsant: Helmut Gote in der Petrinum-Aula.

Unterhaltsam, lehrreich, amüsant: Helmut Gote in der Petrinum-Aula.

15 Euro kosteten die Eintrittskarten im Vorverkauf. Vom Erlös des Abends gehen 1100 Euro an die Dorstener Tafel. Das ist auch ein Verdienst des Gymnasium Petrinum, das die Aula und den Hausmeister kostenlos zur Verfügung gestellt hatte.

„Einfach Gote“, heißt das Programm, mit dem der WDR-Koch durch die Lande getingelt ist. Dorsten war am Donnerstagabend seine vorletzte Station. Dorsten? Genau, da war doch was. Eineinhalb Jahre ist es fast her, dass Helmut Gote beim Radiotag in der Lippestadt war. Und schon damals hat er nicht nur gekocht, sondern auch viel geredet, erklärt, geplaudert. Das kann er nämlich unverkennbar genauso gut.Gote ist ein Kind des Ruhrgebiets. Ein Koch aus'm Pott sozusagen. Die ersten 15 Jahre seines Lebens hat der heute 56-Jährige in Bottrop verbracht – und das hört man. „Oppa auf der Zeche, Vadder auf der Zeche, alle auf der Zeche.“ Hinterm Haus von Familie Gote gab es einst einen Gemüsegarten, „davon lebten wir den ganzen Sommer. Zwei Drittel auf dem Teller war immer Gemüse.“ Und Klein-Helmut war ein guter Esser und deshalb „Ommas Lieblingsenkel“.

Deshalb also Fenchel? Weil man „mit Gemüse viel schönere Sachen“ machen kann als mit Fleisch? Weil ein „zu hoher moralischer Druck in Richtung Gesundheit“ herrscht und „der Genießeraspekt vernachlässigt“ wird? Nun, das ist die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte liegt draußen vor der Aula auf einem Verkaufstisch: das dritte Kochbuch von Gote, das sich ausschließlich mit der Zubereitung von Gemüse befasst. Das machen auch die Lafers und Hensslers dieser Welt so. Aber Helmut Gote ist anders. Kein Dessert-Virtuose, kein Sushi-Spezialist, kein Show-Man, sondern bodenständig vor allem. Der studierte Journalist, der seit acht Jahren zweimal wöchentlich Kochtipps im Radio gibt, hat es als Autodidakt am Herd zu beachtlichem Erfolg gebracht. Weil er experimentiert und rund 180 Rezepte pro Jahr entwickelt. Und weil er nicht um den heißen Brei herumredet, sondern so spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Zur Not auch mal mit vollem Mund. „Gemüse darf nicht weich sein, denn solange ich noch Zähne habe, möchte ich auch kauen.“

So also muss der Fenchel werden, der da auf der Bühne minutenlang „schön vor sich hin schmurgelt“. Sparsam mit Gewürzen geht Helmut Gote um und vergisst dann doch beim Plaudern um ein Haar den Koriander. Ausgerechnet. Der soll doch „mit seinen leckeren Nuancen den Fenchel nach vorne schubsen“. Kurz probiert, passt. Auch weil ein paar Safran-Fäden das Gemüse so "göttlich" machen. „Bei so einem Essen kann man nicht weg.“ Finden auch die beiden Vorkoster aus dem Publikum, die der Koch zu sich holt. Später darf dann jeder mal ein Löffelchen probieren.

Das gilt auch für den Pilaw-Reis, den Helmut Gote nach der Pause zubereitet. Selbes Prinzip: gute Zutaten („bloß kein Beutel-Reis!“), frisch gemahlene Gewürze wie Muskat oder Zimt. Wie Kreuzkümmel – „der schubst den Reis in einen geheimnisvollen Bereich“. Oder Piment – „der wirkt im Untergrund“. Und wie einst bei „Omma“ darf ein ordentlicher Klecks „gute Butter“ rein. „Damit muss man nicht sparen.“ Vielleicht aber an der Produktwerbung, mit der der Koch den unterhaltsamen und lehrreichen Abend am Ende garniert. Eine Gewürzreibe aus gegossenem Eisen für 41 Euro? Geschmackssache, muss man nicht mögen. Aber Helmut Gote ist auch da ehrlich genug, um einzuräumen. „Seitdem ich auf Tour bin, ist die fünf Euro teurer geworden. Und ich bin nicht beteiligt.“ Na, dann.  

15 Euro kosteten die Eintrittskarten im Vorverkauf. Vom Erlös des Abends gehen 1100 Euro an die Dorstener Tafel. Das ist auch ein Verdienst des Gymnasium Petrinum, das die Aula und den Hausmeister kostenlos zur Verfügung gestellt hatte.

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