Der Politiker von nebenan hat Respekt verdient

mlzMeinung

Der neue Stadtrat in Dorsten nimmt die Arbeit auf. Man muss nicht mit allem einverstanden sein, was dort entschieden wird, aber Respekt haben die Kommunalpolitiker verdient - ein Kommentar.

Dorsten

, 04.11.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie machen bestimmt nicht alles richtig. Aber ziemlich sicher auch nicht mit Absicht etwas falsch. Sie sollen die Interessen von 76.000 Menschen vertreten, das ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Aber dafür sind sie gewählt worden. Nicht von allen natürlich, aber aus gutem Grund. Ohne sie funktioniert Demokratie nämlich nicht.

Kommunalpolitiker arbeiten, wenn wir Pause haben

Kommunalpolitiker sind keine Profis, die ihr Geld damit verdienen, spröde Ausschussvorlagen zu lesen, sich in grottenlangweiliges Kommunalrecht einzuarbeiten oder zentimeterdicke Zahlenwerke zu studieren. Sie machen das in ihrer Freizeit, wenn wir ins Kino, zum Sport oder ein Bier trinken gehen. Manche mit mehr, manche mit weniger Aufwand, klar. Aber vor allem, weil es wichtig ist für die Stadt und ihre Menschen.

Viel zu gewinnen gibt es da nicht. Meistens nicht einmal einen Dank. Aber den Zorn der Bürger müssen sie ausbaden, wenn etwas schief läuft. Das passiert oftmals übrigens nicht in Dorsten, sondern in Düsseldorf oder Berlin. Den Ärger der Wähler bekommt aber meistens der Politiker von nebenan ab, den man auf der Straße oder beim Einkauf trifft. Oder über den man sich in den sozialen Netzwerken auslässt und eben nicht „Auge in Auge“.

Stadtverwaltung hat mehr Fachwissen

Kommunalpolitiker sollen die Stadtverwaltung kontrollieren. Das kann schon deshalb nicht richtig funktionieren, weil Bürgermeister, Kämmerer oder Baudezernent ihnen fachlich meist überlegen sind. Aber das gilt in der öffentlichen Wahrnehmung nicht. Ihr müsst es doch merken, heißt es dann, wenn im Rathaus gekungelt, gepennt oder gelogen wird. Weil es alle anderen doch schon lange wissen. Oder ahnen. Oder gehört haben, dass es so sein könnte.

Gemessen an diesen Anforderungen, an den verbalen Attacken, an dem Zeitaufwand für die vielen Sitzungen und Debatten, Besprechungen und Verhandlungen nach Feierabend, ist die Aufwandsentschädigung ein Witz. Und das Verhalten ihnen gegenüber manchmal leider auch.

Auch Politiker machen Fehler

Man muss ja nicht mit allem einverstanden sein, was da so beschlossen wird. Und ja, wie wir machen auch die Kommunalpolitiker Fehler. Dann muss man sie kritisieren dürfen. Aber Respekt, ein bisschen Achtung vor den Menschen, die unsere Demokratie schützen und stützen - das sollten wir alle uns für die nächsten fünf Jahre vornehmen.

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