Der Stundenplaner kennt keine Sommerferien

Schwierige Koordination

Sommerzeit, Ferienzeit. Für sechseinhalb Wochen schmeißen die Schüler ihren Tornister in die Ecke. Lehrer lassen Noten Noten sein, lassen sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Nur einer, der hat keine Ferien: der Stundenplaner.

DORSTEN

von Von Maren Volkmann

, 01.08.2011, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Stundenplaner kennt keine Sommerferien

"Manchmal kann man schon die Krise kriegen", sagt Joachim Hollenhorst. Während seine Kollegen im Urlaub sind, kümmert er sich um die Stundenpläne.

Bevor Joachim Hollenhorst jedes Jahr zum Stundenplaner wird, ist er "ganz normaler" Stellvertretender Schulleiter am Gymnasium Petrinum. Was ihn von seinen Kollegen unterscheidet: Fast die gesamten Sommerferien über sitzt er in seinem Büro und tüftelt an den Stundenplänen für rund 1200 Schüler und 100 Lehrer. Eine komplexe Aufgabe.

"80 bis 90 Prozent leistet der Rechner. Der Rest ist so sehr mit Problemen belastet, dass da ein Mensch dran muss", sagt Joachim Hollenhorst. "Und das ist auch gut so." Letztlich könne der PC zwar helfen, zu verwalten, das Wissen um persönliche Belange liege aber bei ihm.

Strategisches Denken

Ein Stundenplaner muss viele Dinge beachten: Welcher Raum kann belegt werden, welche Kurse müssen parallel laufen, werden die vorgeschriebenen Pausen eingehalten? Besonders schwierig wird es in der Oberstufe: Hier muss alleine in der Qualifikationsphase ein doppelter Jahrgang mit 256 Schülern koordiniert werden. Hinzu kommt, dass in manchen Leistungskursen mit der Gymnasium St. Ursula kooperiert wird. Joachim Hollenhorst muss drehen und schieben, bis es passt. Nicht umsonst ist sein Lieblingsspiel "Rummy", wo mit viel Strategie Zahlenreihen gelegt werden müssen. Dieses strategische Denken ist auch beim Planen der Stundenpläne gefragt.24 Stunden nicht verplant

Eine Woche als Stundenplaner hat Joachim Hollenhorst in diesem Jahr bereits rum. Die Stammdaten für Lehrer und Klassen sind erfasst, ein erster provisorischer Stundenplan wurde von der Computersoftware erstellt. Der PC schlägt Alarm: 24 Unterrichtsstunden können nicht verplant werden. Doch Joachim Hollenhorst bleibt gelassen: "Wir befinden uns ja noch in einem recht frühen Stadium der Arbeit."

Seit 1995 ist Joachim Hollenhorst allein verantwortlicher Stundenplaner am Petrinum. Seitdem ist er nicht mehr in den Sommerferien im Urlaub gewesen. Stattdessen sitzt er jeden Tag für sieben bis acht Stunden an den Stundenplänen. Drei Wochen lang, dann gönnt er sich für gewöhnlich eine Woche Pause - aber nur, wenn bis dahin ein "funktionierender Rohling" steht. Ist das nicht der Fall, wird weitergemacht.

Ohne Idealismus geht es nicht

 "Sonst habe ich keine Ruhe", sagt Joachim Hollenhorst. Das geht so weit, dass ihn seine Frau einmal suchte, weil er um 22.30 Uhr noch nicht zuhause war. "Es gehört schon ein bisschen Idealismus dazu", so Hollenhorst.

Vier bis fünf Wochen braucht Joachim Hollenhorst im Schnitt, um die Stundenpläne fürs Petrinum zu erstellen. Steht eine grobe Version, geht es in eine Phase, die er selbst "Kosmetik" nennt: Springstunden werden minimiert, Doppelstunden dort gelegt, wo es das Fach zulässt. "Manchmal kann man schon die Krise kriegen", gibt Joachim Hollenhorst offen zu. Doch wenn der Plan endlich steht, dann ist der Stundenplaner stolz. "Dann ist das wie ein kleines Kunstwerk." 

Lesen Sie jetzt