Fußpflege ist in Lockdown-Zeiten nur erlaubt, wenn sie ärztlich verordnet ist. © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Coronaschutzverordnung

„Desolater Zustand“ – Fußpflege in Lockdown-Zeiten nur auf Rezept

Im Lockdown dürfen Fußpfleger nicht arbeiten. Eine Leserin macht uns darauf aufmerksam und schildert, warum vor allem Menschen, die die mobile Fußpflege nutzen, darunter leiden.

In der aktuellen Coronaschutzverordnung des Landes NRW (16.12.) gibt es einen Passus, der unter Fußpflegern für Kopfschütteln sorgen dürfte.

Eine Leserin der Dorstener Zeitung machte uns auf Paragraf 12 aufmerksam. Dort heißt es, dass „Dienstleistungen und Handwerksleistungen, bei denen ein Mindestabstand von 1,5 Metern zum Kunden nicht eingehalten werden kann“, verboten sind.

„Behördlich angeordnete unterlassene Hilfeleistung?!“, fragt Leserin Dagmar Pfetzing.

Die Verordnung wirft viele Fragen auf

Im nächsten Satz werden Ausnahmen von dem Verbot erläutert. Medizinisch notwendige Leistungen dürften von Dienstleistern im Gesundheitswesen ausgeführt werden.

Podologen beziehungsweise medizinische Fußpfleger dürfen demnach Patienten behandeln. Was ist aber mit Fußpflegern, die keine Podologen sind? Müssen die den Lockdown abwarten und dürfen nun nicht mehr arbeiten? Und was ist mit Menschen, die sich selbst die Nägel nicht schneiden können, aber kein medizinscher Fall sind?

Nur mit ärztlicher Verordnung ist Fußpflege erlaubt

Stadtsprecher Ludger Böhne erklärt auf Anfrage der Dorstener Zeitung, dass besagte Stelle in der Verordnung „vermutlich noch eines ministeriellen Auslegungshinweises“ bedürfe. Solange es den nicht gebe, unterscheide die Stadt nicht nach der Berufsbezeichnung, ob eine Dienstleistung erlaubt sei oder nicht, sondern danach, ob die „medizinisch notwendige“ Behandlung ärztlich verordnet und somit bei den Krankenkassen abrechenbar sei. „Ist dies der Fall, ist eine fußpflegerische Behandlung zulässig.“

„Ich darf als mobile Fußpflegerin keine Verordnungen bei der Kasse abrechnen“, erzählt eine Dorstenerin, die lieber anonym bleiben möchte. Sie darf im Lockdown somit gar nicht praktizieren.

Sorge um die Kunden: Im letzten Lockdown liefen sie auf ihren Nägeln

Mehr Sorge als ihre Zwangspause bereiten ihr aber ihre Kunden. „Ich gehe vor allem in Altenheime und Behindertenwohnstätten und behandele ‚normale’ Füße“, erzählt sie. Vorausschauend hat sie vielen Kunden in den Tagen vor dem Lockdown noch mal die Füße gemacht, „obwohl die eigentlich noch gar nicht dran waren“.

Denn an den letzten Lockdown hat die mobile Fußpflegerin schlechte Erinnerungen. Auch da konnte sie wochenlang nicht die Nägel ihrer Kunden schneiden. „Ich hatte Kunden, deren Nägel schon um die Zehenkuppe rumgewachsen waren. Die liefen auf den Nägeln.“

Fußpflege „ist doch ein Grundrecht“

Ihren Kunden, die nicht verstehen, warum sie vorerst nicht mehr kommen darf, kann sie nur raten, sich eine ärztliche Verordnung zu besorgen. „Da kommen dann aber die nächsten zwei Probleme“, meint die Fußpflegerin. Die Ärzte hätten vermutlich momentan anderes zu tun, als Verordnungen zur Fußpflege auszustellen. Und: die Podologen seien ausgelastet.

Ein echtes Dilemma also.

„Es ist doch ein Grundrecht, dass die Füße gemacht werden“, findet die Fußpflegerin. „Es ist ein desolater Zustand.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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