Seit drei Jahren ist Detlef Bauer Mitglied der AfD, jetzt tritt der Bottroper bei der Bundestagswahl an. © Stefan Diebäcker
Bundestagswahl 2021

Detlef Bauer (AfD) ist gegen Gleichmacherei und Holocaust-Leugner (mit Videos)

In der AfD kann man offenbar schnell „Karriere“ machen. Drei Jahre nach seinem Eintritt in die Partei kandidiert Detlef Bauer schon für den Bundestag. Vielleicht, weil er „anders“ ist.

Die Sprache verrät: Detlef Bauer ist kein Kind des Ruhrgebiets. Der Mann, der erst vor drei Jahren Mitglied der AfD wurde und nun für den Bundestag kandidiert, wuchs in der Nähe von Leipzig auf. Und hat am eigenen Leib erfahren, wie es ist, Teil des SED-Regimes zu sein.

Zwangsweise in die Armee eingezogen worden

Politisch interessiert war der heute 61-Jährige schon damals, „aber das war dem System geschuldet“. Nach der Lehre zum Baufacharbeiter wurde Detlef Bauer zwangsweise in die Armee eingezogen, weil er ein guter Fallschirmspringer war. „Ich wollte niemals drei Jahre zur Armee gehen, aber die Entscheidung hat man mir abgenommen: Entweder machst du das oder wir sorgen dafür, dass du deinen Sport nicht mehr ausüben kannst.“

Diesen Absturz hat sich Detlef Bauer nach eigenen Angaben erspart und durfte anschließend, mittlerweile 21 Jahre alt, zur Polizei. „Ein schöner Beruf“, sagt er rückblickend. Nebenbei studierte er Staatswissenschaften und wäre womöglich irgendwann zum Offizier befördert worden, wenn da nicht die Montagsdemos in der ehemaligen DDR gewesen wären.

„Da wurde klipp und klar gesagt: Ihr müsst das verhindern, notfalls mit der Schusswaffe.“ Detlef Bauer („Ich habe meine Dienstpistole in zehn Jahren nie benutzt“) weigerte sich, reichte seinen Abschied ein, war neun Monate später „entpflichtet“. Und stand vor einer ungewissen Zukunft.

Vor dem Mauerfall in den Westen gekommen

Einige Monate vor dem Mauerfall kam er über die Prager Botschaft in den Westen, arbeitete fortan als Kraftfahrer in der Bundesrepublik, zeitweise auch in Dänemark, bis er „aus Liebe“ nach Bottrop. „Aber das war ein Flop.“ Die Frau, nicht die Stadt. Seit drei Jahren ist er mit Swetlana zusammen, einer Frau aus Belarus, die er im Internet kennengelernt hat.

Schon zu DDR-Zeiten, „habe ich mehr über den Bundestag gewusst als über die Volkskammer“. Er sei „kein Ja-Sager, der irgendwelche Beschlüsse abnickt, sondern habe meine eigene Meinung“. Und die führte ihn vor drei Jahren und „nach einem weiten Weg“ in Bottrop zur AfD.

Detlef Bauer ist seit einem Jahr Fraktionsvorsitzender der AfD in der Bezirksvertretung Bottrop-Süd. © privat © privat

Seit der Kommunalpolitik ist er Fraktionsvorsitzender seiner Partei in der Bezirksvertretung Bottrop-Süd, und auch da „nicht mit allem einverstanden, was die Grünen fordern“, gibt er zu. „Aber ich mache mir das nicht so einfach wie manch andere in meiner Partei, die vielleicht eine vorgefertigte Meinung haben“.

Detlef Bauer ist sich natürlich bewusst, dass seine Mitgliedschaft in der AfD von vielen Menschen kritisch gesehen wird. „Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, was in meiner Partei geschieht“, betont er. Er sei zum Beispiel kein Holocaust-Leugner, sondern nach einem KZ-Besuch erschüttert gewesen, wie dieser Massenmord überhaupt möglich war. „Das hält bis heute an.“

„Gleichmacherei liegt mir nicht“

Detlef Bauer hält es für falsch, alle AfD-Mitglieder über einen Kamm zu scheren, „diese Gleichmacherei liegt mir sowieso nicht“. Doch in großen Teilen stimme er mit den Zielen der AfD überein. Der Umgang mit Flüchtlingen („Ein sensibles Thema“) sieht er indes bei weitem nicht so radikal wie manche Parteifreunde. „Wenn ich aus einem Krisengebiet käme, wäre ich froh, aufgenommen zu werden“, sagt er. Swetlana, seine Frau, nickt stumm.

Mit dem rechten Flügel seiner Partei hat Detlef Bauer nach eigenen Angaben überhaupt nichts zu tun. Wenn er auf Björn Höcke („Das passiert häufig“) angesprochen wird, antwortet er lapidar: „Der ist in Thüringen, und ich mache Lokalpolitik in Bottrop.“

Dass sich beide jemals in Berlin begegnen werden, glaubt Detlef Bauer nicht. „Björn Höcke bleibt lieber, wo er ist.“

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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