Die Nordwestbahn muss liefern, sonst springen andere Eisenbahnunternehmen ein

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Verkehrsminister Hendrik Wüst beleuchtet auf Anfrage von Landtagsabgeordnetem Michael Hübner Hintergründe zu Krisengipfel von Nordwestbahn und VRR. Dabei hat es klare Ansagen gegeben.

Dorsten

, 16.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Abmahnung ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Nachdem sich der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) die Nordwestbahn wegen ihrer „desaströsen“ Zugausfälle und Verspätungen im Januar zur Brust genommen hat, zeigt NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst in einer Beantwortung einer Anfrage des hiesigen SPD-Landtagsabgeordneten Michael Hübner auf, wie es hinter den Kulissen beim Krisengespräch im Januar zwischen VRR und Nordwestbahn zuging.

„Der zuständige Aufgabenträger VRR hat der Nordwestbahn am 9. Januar potenzielle Eisenbahnverkehrsunternehmen benannt, die gegebenenfalls in der Lage sein könnten, Teile der Verkehrsleistung zu übernehmen“, schreibt Wüst an Hübner. Heißt: Der Nordwestbahn ist klargemacht worden, dass es andere Anbieter gibt, die kurzfristig und vor Ablauf der Verträge einspringen könnten, wenn die NWB ihre vertraglichen besiegelten Pflichten nicht einhält.

VRR hat Nordwestbahn Kontakte zu Busunternehmen vermittelt

Und: Der VRR hat der Nordwestbahn Kontakte zu Busunternehmen vermittelt, damit Schienenersatzverkehr im Notfall gewährleistet ist. Auch das konnte die Nordwestbahn über weite Teile nicht sicherstellen. Zwischen Weihnachten und Neujahr blieben Fahrgäste der NWB in Dorsten auf der Strecke, weil die Nordwestbahn wegen des hohen Krankenstandes ihrer Zugführer einige Verbindungen ersatzlos gestrichen hatte.

Den Mangel an Triebwagenführern kann die Nordwestbahn von sich aus kurzfristig nicht beseitigen. Das Problem haben auch andere Bahnanbieter. Selbst die Deutsche Bahn wetteifert mit anderen um die Gunst von Zugführern, weil der Markt zurzeit laut Auskunft aller Verkehrsunternehmen nur wenig Bewerber hergibt. Die Nordwestbahn hat auf unsere Anfrage gesagt, „dass sie zurzeit über den Bedarf hinaus Triebwagenführer ausbildet“. Bis die Azubis fit für die Schiene sind, vergehen aber drei Jahre.

Runder Tisch im Ministerium gegen den Personalmangel

Das ist auch dem Verkehrsministerium bekannt. „Das Ministerium für Verkehr hat im Herbst 2018 einen Runden Tisch zum Personalmangel im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen und greift die Problematik zusammen mit der Leitungsebene von Zweckverbänden und Eisenbahnverkehrsunternehmen auf, um konkrete Lösungen zu bieten“, sagt Hendrik Wüst.

Die von Michael Hübner gestellte Frage, wie gewährleistet wird, „dass kein Unternehmen Aufträge annimmt, ohne in der Lage zu sein, diese zuverlässig auszuführen“, beantwortete Minister Hendrik Wüst so: „Der VRR als Aufgabenträger im SPNV erarbeitet derzeit ein Maßnahmenpaket, um Anforderungen und Kriterien zu formulieren.“

Verdienstausfall trifft die Nordwestbahn hart

Der Minister wies aber auch daraufhin, dass die zahlreichen Zugausfälle auch für die Nordwestbahn „ein großes wirtschaftliches Problem darstellen, da alle ausfallenden Zugkilometer durch die Aufgabenträger selbstverständlich nicht bezahlt werden.“

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