Die Stadt Dorsten wollte den Skandal im Jugendamt erst später öffentlich machen

mlzJugendamt Dorsten

Den Unterschlagungsskandal im Jugendamt hätte die Stadt Dorsten gerne noch unter dem Deckel gehalten. Mit dem Verdächtigen gibt es bereits eine arbeitsrechtliche Einigung.

Dorsten

, 12.12.2019, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Mitarbeiter des Jugendamtes Dorsten soll mindestens seit 2016 mit städtischem Geld privat eingekauft haben. Von einer sechsstelligen Schadenssumme ist die Rede, minimum also 100.000 Euro. Doch aufgefallen ist das niemandem im Rathaus.

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Erst ein anonymer Hinweis und eine Nachfrage aus dem Rechnungsprüfungsamt brachten den Stein im September ins Rollen. Seit Ende November sieht sich die Stadtspitze in ihrem Verdacht bestätigt, nur wenige Mitarbeiter waren bis dahin eingeweiht.

Veröffentlichung nach Strafanzeige geplant

„Geplant war, mit Erstattung der Strafanzeige die Öffentlichkeit über den Sachverhalt zu informieren“, bestätigte Stadtsprecher Ludger Böhne am Donnerstag. „Wir wollen die Verdachtsmomente möglichst umfassend für die Strafverfolgungsbehörden aufbereiten und gehen davon aus, dass die Strafanzeige noch in diesem Jahr gestellt werden kann.“

Für Nina Laubenthal ist das eine Selbstverständlichkeit, „weil es sich um einen schwerwiegenden Verdacht handelt und weil dann neben den eigenen auch unabhängige Ermittlungen möglich sind.“ Die Stadt erstattet „seit Langem konsequent Anzeigen“, wenn zum Beispiel kommunales Eigentum beschädigt oder wenn Mitarbeiter bedroht oder beleidigt werden.

Politik seit Wochenbeginn informiert

Den Fraktionsvorsitzenden wurde am Montag der Fall geschildert, als die Anfrage der Dorstener Zeitung vorlag. Dirk Schlenke (CDU), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, wurde von der Ersten Beigeordneten Nina Laubenthal persönlich informiert. Der Haupt- und Finanzausschuss erfuhr die Details am Mittwochabend im nichtöffentlichen Teil der Sitzung.

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Bislang hat sich noch keine Partei zu dem Fall geäußert. Auch der Bürgermeister sagt öffentlich nichts, hieß es am Donnerstag auf Anfrage. Nina Laubenthal solle „alle Fragen in diesem Zusammenhang nach innen wie nach außen koordinieren“.

Am Mittwochabend ist eine E-Mail an alle Mitarbeiter der Stadtverwaltung verschickt worden. Dass ein Angestellter des Jugendamtes seit Ende November wegen des Verdachts der Unterschlagung freigestellt war, hatte aber längst Kreise gezogen.

Verdächtiger unterschrieb Auflösungsvertrag

Schnell reagiert hat die Stadtverwaltung, um den verdächtigen Mitarbeiter loszuwerden. Ihm wurde am Mittwoch ein Auflösungsvertrag zum Jahresende 2019 angeboten. „Gegenüber einer außerordentlichen Kündigung ergibt sich kein Zeitgewinn, weil Fristen eingehalten werden müssen und der Personalrat zu beteiligen ist“, erklärt die Erste Beigeordnete Nina Laubenthal. „Aber das Klagerisiko wird ausgeschlossen.“

Die einvernehmliche Trennung hat der Jugendamtsmitarbeiter unterschrieben. Und er hat auf eine Verjährung möglicher Straftaten aus dem Jahr 2016 verzichtet. Verdachtsfälle gibt es laut Laubenthal sogar seit 2013.

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