Diebes-Duo geht im Media Markt in Dorsten mit präparierten „Klautüten“ auf Beutetour

mlzProzess

Teure Ware - verpackt in sogenannte „Klautüten“ - wollten Diebe im Media Markt stehlen. Einer von ihnen wurde bei der Festnahme von einem Polizisten angeschossen. Jetzt kam es zum Prozess.

Dorsten

, 17.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Ladendiebstählen haben die Mitarbeiter des Media Markts in Dorsten häufiger zu kämpfen, als ihnen lieb ist. Doch dieser ungewöhnliche Raubzug vom 2. Januar 2018 blieb dem hiesigen Hausdetektiv der Elektronik-Fachmarktkette ganz besonders in Erinnerung.

Denn die beiden Täter hatten Elektronik-Geräte im Gesamtwert von mehr als 1300 Euro in sogenannten präparierten „Klau-Tüten“ mitgehen lassen, erzählte er am Mittwoch im Dorstener Amtsgericht. Als die Übeltäter im Eingangsbereich überwältigt wurden, biss einer der Diebe einem Filialmitarbeiter dann noch kräftig in den Oberarm.

Per Haftbefehl gesucht

Nachdem der Haupttäter, ein Mann aus Algerien, bereits zu einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt worden war, stand nun sein Kompagnon vor dem Dorstener Schöffengericht. Der 27-jähriger Marler, der zuletzt ausgerechnet für eine Sicherheitsfirma tätig gewesen ist, war der ersten Gerichtsverhandlung unentschuldigt ferngeblieben und untergetaucht, weswegen er per Haftbefehl gesucht wurde.

„Froh, dass ich noch lebe“

Er wurde am Mittwoch in Handschellen im Gerichtssaal vorgeführt - und auf Krücken: Bei seiner Festnahme im September dieses Jahres in Marl hatte er ein Messer gezückt, worauf ein Polizeibeamter ihm ins Bein geschossen hatte. „Ob ich irgendwann wieder richtig gehen kann, weiß ich nicht“, erklärte der Angeklagte. „Ich bin froh, dass ich überhaupt noch lebe und hier sitzen kann.“

Magnet-Werkzeug dabei

Der junge Mann legte ein Geständnis ab. Der Algerier sei ein entfernter Bekannter gewesen: „Er hat mich überzeugt, dass der Plan klappt.“ Klautüten sehen optisch genauso aus wie normale Plastiktüten - von innen sind sie aber mit abschirmendem Alu-Material ausgekleidet, das verhindert, dass an der Kasse das Alarmsignal ausgelöst wird. Außerdem nahm sein Komplize Magnet-Werkzeug mit, mit dessen Hilfe sich die Diebstahlsicherungen an den Waren entsperren lassen.

Urteil zehn Monate

Er benötigte das Geld für seine Drogensucht, begründete der Marler, warum er sich an dem Diebescoup beteiligt hat: „Ich bin mit 12 Jahren mit den Drogen angefangen und habe zuletzt eine Menge Heroin geraucht“, sagte er aus.

Das Schöffengericht verhängte gegen ihn eine zehnmonatige Haftstrafe. Der Angeklagte kündigte angesichts seiner Hafterfahrungen an, sofort eine Entgiftungs- und Entziehungskur antreten zu wollen, um bei einem möglichen Berufungstermin bessere Karten zu haben.

Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Kunden fühlen sich geprellt

Mit Chaos zum Freispruch – Wie ein Dorstener GaLa-Bauer die Grenzen des Strafrechts testet