Technik-Streit mit der Stadt: Digital-Experten unterstützen das Gymnasium Petrinum

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Im Technik-Streit zwischen der Stadt Dorsten und dem Gymnasium Petrinum bekommt die Schule Unterstützung von zwei Digital-Experten. Ihre Meinung: Finger weg von Whiteboards!

Dorsten

, 05.11.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Dorsten will alle städtischen Schulen mit sogenannten „Whiteboards“ ausstatten. Das Geld stellen Bund und Land zur Verfügung („Digitalpakt“), doch das Gymnasium Petrinum möchte lieber eine andere und im Unterricht bewährte Technik: Dokumentenkameras und Monitore.

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Bevor am Dienstagnachmittag (5. November) Mitglieder des Schulausschusses das Petrinum besuchen und das Gremium am 13. November über den Digitalpakt debattiert, haben zwei Experten dem Gymnasium Rückendeckung gegeben.

Kritik vom Digitalisierungsbeauftragten

Matthias Kostrzewa ist seit über zwei Jahren Digitalisierungsbeauftragter für die Lehrerbildung an der Ruhr-Universität Bochum. Er hat den Eindruck, dass es der Stadt „anscheinend nur um eine möglichst einfache Anschaffung, Wartung und Support geht und weniger um die Möglichkeiten für das Lernen und Lehren.“

Technik-Streit mit der Stadt: Digital-Experten unterstützen das Gymnasium Petrinum

Der Dorstener Matthias Kostrzewa ist Digitalisierungsbeauftragter für die Lehrerbildung an der Ruhr-Universität Bochum © privat

Petrinum-Lehrer, Schülervertretung und Schulpflegschaft hatten in der vergangenen Woche betont, dass die Kombination aus Dokumentenkamera, Monitor und herkömmlicher Tafel, wie es sie bislang nur in sechs Klassenräumen gibt, einen deutlich besseren Unterricht ermöglichen als Whiteboards.

Das bestätigt Kostrzewa ausdrücklich: „Für mich ist der Einsatz von Whiteboards die Manifestierung des alten Unterrichts im digitalen Gewand.“ Die Digitalisierung verändere das Lehren und Lernen und damit das ganze Bild von Schule. „Dass Schüler ihr Handy im Unterricht nutzen können, ist eine Form von Demokratisierung, die es mit Frontalunterricht nicht gibt.“

„Whiteboards sind zu umständlich“

Arno H. Aryus arbeitet als IT-Verantwortlicher in einem Weiterbildungs- und ingenieurtechnischem Dienstleistungsinstitut mit etwa 20 Standorten in Deutschland und einigen weiteren in Europa. „Wir haben seit einigen Jahren Whiteboards in zahlreichen Hörsälen installiert, die so gut wie nie genutzt werden“, bestätigt der Dozent aus Dorsten, der auch an einigen Universitäten in NRW unterrichtet .

Whiteboards seien „eine gute Idee, aber in der Praxis nicht nutzbar“. Seiner Erfahrung nach sind ein guter Beamer für die Frontprojektion, „damit man nicht selbst im Bild steht“, und eventuell eine Dokumentenkamera „optimal für jede Vorlesung und jeden Vortrag“.

Unterschiedliche Notebooks machen Probleme

Die Stadtverwaltung betont in einer Beschlussvorlage für den Schulausschuss (tagt am 13.11), dass ein Probelauf an einer Grundschule und einer Förderschule in Dorsten erfolgreich gewesen sei. Ayrus hält dagegen: Klappt bei einem Whiteboard und einem Notebook die Softwareinstallation, ist das bei dem nächsten Notebook eines anderen Lehrers nicht gewährleistet. „Insbesondere wenn die Notebooks an verschiedenen Whiteboards eingesetzt werden, kommt es immer wieder zu Inkompatibilitäten der Software und es klappt an keinem Whiteboard mehr.“

Petrinum-Lehrer Burkhard Bell hatte in der vergangenen Woche betont, dass die in seiner Schule bereits genutzten Whiteboards fehleranfällig und „eigentlich nie zu nutzen“ seien. Der IT-Spezialist kennt das aus seinem Berufsalltag: „Da Handling der Whiteboards mit Stiften, Radieren, Handgesten usw. ist für die meisten Dozenten zu umständlich gewesen, ohne Einweisung klappt da kaum etwas“, meint Arno H. Ayrus. „Spätestens beim Aufzeichnen und Verteilen der Präsentation war das Ende der Fahnenstange erreicht.“

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