Dorsten braucht mehr Notfallsanitäter - der Rettungsdienst der Feuerwehr gibt Gas

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Interessant, abwechslungsreich, vielseitig: Das ist die Ausbildung zum Notfallsanitäter. 20 Stellen sind beim Rettungsdienst der Feuerwehr Dorsten vorgesehen. Sieben sind noch nicht besetzt.

Dorsten

, 09.02.2019, 16:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eva Terbuyken und Alexander Baumann haben sich entschieden: Die beiden jungen Leute aus Dorsten wollen Notfallsanitäter werden. Eine dreijährige Ausbildung mit vielseitigen medizinisch praktischen und theoretischen Anteilen haben sie im September 2017 begonnen.

Terbuyken und Baumann sind zwei von fünf Pionieren in diesem noch neuen Ausbildungsgang im Rettungsdienst der Feuerwehr der Stadt Dorsten. 2013 hat der Bundesgesetzgeber das Berufsbild des Notfallsanitäters eingeführt. „Wegen der gestiegenen Anforderungen an das Notfallpersonal.“ Und auch wegen der steigenden Zahl von Notfalleinsätzen in einer alternden Bevölkerung.

Seit 2017 nimmt der Rettungsdienst Auszubildende

Seit 2017 wird der Ausbildungsgang beim Rettungsdienst der Feuerwehr Dorsten angeboten. Ab 2027 dürfen die Kommunen nur noch Notfallsanitäter und keine Rettungsassistenten einsetzen, wenn bei Unfällen oder medizinischen Notfällen die Patienten professionell zu versorgen sind.

Die Nachfrage nach diesem speziell und intensiv geschulten Notfallhelfern ist riesig. Vor allem im ländlichen Raum sind Bewerber heiß begehrt. „Es werden Lockprämien von bis zu 4000 Euro und Umzugshilfen geboten“, sagt Alexander Baumann.

Sieben Stellen sind noch nicht besetzt

Dorsten versucht zurzeit, die vorgesehenen Stellen zu besetzen und das junge Personal langfristig zu binden. Sieben von 20 vorgesehenen Stellen für Bewerber mit dreijähriger Ausbildung zum Notfallsanitäter sind aber noch nicht besetzt. „Wir werden zum 1. September 2019 drei weitere Auszubildende einstellen“, sagt der Ausbildungsleiter der Feuerwehr, Berthold Westhoff.

Eva Terbuyken wurde hellhörig, als sie bei der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), für die sie ehrenamtlich tätig ist, von dem Lehrgang hörte: „Ich habe gute Kontakte zur Feuerwehr und war direkt neugierig. Mit Menschen zu arbeiten, macht mir Spaß. Außerdem wollte ich gerne etwas im medizinischen Bereich machen.“

Entschieden und qualifiziert zu Werke gehen

Eine wichtige Grundvoraussetzung für ihre Arbeit als Notfallsanitäterin. Sie muss bei Unfällen, akuten Erkrankungen oder in lebensbedrohlichen Situationen Patienten zur Seite stehen und „schnelle, qualifizierte, verantwortungsvolle Entscheidungen“ treffen.

So steht es in der Stellenausschreibung der Stadt für die Ausbildung von Notfallsanitätern. Notfallsanitäter müssen über eine sehr gute körperliche Fitness verfügen - ein Grund, warum manche Bewerber schon im Auswahlverfahren scheitern.

Dorsten braucht mehr Notfallsanitäter - der Rettungsdienst der Feuerwehr gibt Gas

Alexander Baumann, Ausbildungsleiter Berthold Westhoff, Rettungsschule-Vest-Leiter Uwe Henkel und Eva Terbuyken (v.l.) mit der lächelnden „Übungspatientin“ © Claudia Engel

„Die Ausbildung zum Notfallsanitäter ist umfassend und unterscheidet sich von dem Lehrgang für Rettungsassistenten“ - das sagt auch der Leiter der DRK-Rettungsschule Vest in Marl, Uwe Henkel. In der Rettungsschule werden pro Lehrgang zwischen 15 bis maximal 17 Notfallsanitäter ausgebildet. Die Rettungsschule Vest ist die bevorzugte Ausbildungsstätte für die Anwärter aus Dorsten.

Den Teilnehmern werden im theoretischen Teil rettungsdienstliche, medizinische und wissenschaftliche Erkenntnisse vermittelt. Ziel: „Sie sollen fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Versorgung von Notfallpatienten und teamorientierte Mitwirkung bei der Versorgung von Notfallpatienten lernen“, heißt es auf der Homepage.

Bewerber scheitern häufig an körperlicher Fitness

Nicht jeder Bewerber ist den hohen Anforderungen gewachsen. Ausbildungsleiter Berthold Westhoff, Feuerwache Dorsten, sagt, dass mehr als 100 Anwärter im vergangenen Jahr eine Bewerbung eingereicht hätten - aber nur zehn seien in die engere Wahl gekommen. Das stellen auch andere Rettungsdienste fest. Überall herrscht Mangel an qualifizierten Bewerbern. Das führt dann zu Lockprämien, um Personal zu bekommen.

Alexander Baumann hat nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) beim Deutschen Roten Kreuz als Rettungssanitäter absolviert und festgestellt: „Das ist der richtige Weg für mich.“ Die Ausbildung zum Notfallsanitäter bezeichnen er und Eva Terbuyken als Glücksfall. „Denn es gibt ein Gehalt, das ist anders als bei der früheren Ausbildung zu Rettungsassistenten. Die musste man selbst bezahlen.“

Hoher praktischer und theoretischer Anteil

Jetzt sind die beiden jungen Leute in der Hauptfeuerwache an der Bismarckstraße in Dorsten dabei, ihr medizinisches Wissen mit praktischen Anteilen zu unterfüttern. „Die Auszubildenden werden langsam in die Materie eingeführt“, sagt Berthold Westhoff. Zunächst fahren sie bei Krankentransporten mit. „Es ist ein erheblicher Unterschied, ob man einen Krankentransport begleitet oder im Rettungswagen dabei ist“ - das wissen Eva Terbuyken und Alexander Baumann.

Sie werden aber auch in Krankenhäusern ausgebildet in den Notaufnahmen, auf der Intensivstation, im Operationssaal und vielen weiteren Fachabteilungen. „Um ein möglichst breites Aufgabengebiet abzudecken.“

Eva Terbuyken und Alexander Baumann waren schon bei Einsatzfahrten zu Unfällen dabei oder auch bei Suizidversuchen von Menschen, die aus dem Leben scheiden wollen. Infarkte, Schlaganfälle, Arbeitsunfälle, internistische Notfälle - diese schwierigen Herausforderungen lernen sie, an der Seite von Praxisanleitern, zu bewältigen.

Der Pöbel hat sich in Dorsten noch nicht zusammengerottet

„Glücklicherweise haben wir in Dorsten noch nicht mit Menschen zu tun gehabt, die uns attackieren oder rüde von der Arbeit abhalten, wie es in großen Nachbarstädten der Fall gewesen ist“ - das Phänomen eines rasenden Pöbels, der mit dem Smartphone Aufnahmen von Verletzten oder Verunglückten machen will und die Retter attackiert oder von der Arbeit abhält, hat Dorsten laut Auskunft von Berthold Westhoff noch nicht erreicht.

Wohl aber gibt es aggressive oder schwierige Patienten. „Die wir dann beruhigen müssen“, sagen die beiden Nachwuchsretter. Auch das ist eine Herausforderung, die sie bewältigen müssen. „Für uns ist immer wichtig, dass Erlebnisse und Erfahrungen in Teamgesprächen aufgearbeitet werden“, sagt Berthold Westhoff. Teamarbeit ist gerade bei Notfalleinsätzen lebenswichtig, das haben die beiden jungen Leute auch schon gelernt.

Zahl der Notfalleinsätze steigt kontinuierlich an

Für die Dorstener Bevölkerung ist die Aufstockung des medizinisch bewanderten Personals in der Rettungswache ein Glücksfall. Denn laut Statistik steigt die Zahl der Notfalleinsätze in Dorsten und den Ortsteilen kontinuierlich. Insbesondere die Rettungswagen wurden 2017 6130-mal angefordert, in 2018 waren es noch einmal mehr mit etwa 6330 Einsätzen, in 2019 rechnet man mit 6420 Einsätzen.

Neben den Notfallsanitätern kann die Feuerwehr im Ernstfall aber noch auf eigene multifunktional ausgebildete Feuerwehrbeamte zurückgreifen. Denn 13 von ihnen haben die Zusatzqualifizierung zum Notfallsanitäter absolviert. Vier weitere Beamte schließen sich dieser Gruppe in 2019 nach Abschluss des Lehrganges an.

Erhebliche Unterschiede

Die verschiedenen Ausbildungsgänge zu den Helferberufen unterscheiden sich erheblich.
  • Es gibt Rettungshelfer mit kurzer Schulung, die zwar Fahrer von Rettungswagen sein können, aber nicht für Notfallpatienten bestimmt sind. Dann gibt es Rettungssanitäter mit 13-wöchiger Ausbildung und Rettungsassistenten. Sie haben Bestandsschutz, werden seit 2014 aber nicht mehr ausgebildet. Stattdessen werden ab sofort Notfallsanitäter in dreijähriger Ausbildungszeit geschult.
  • Kreise und kreisfreie Städte sind Träger der Rettungsdienste. Dorsten als kreisangehörige Stadt nimmt rettungsdienstliche Aufgaben wahr. Wie viel Personal vorgehalten werden muss, geht aus dem Rettungsdienstbedarfsplan des Kreises hervor. Er legt die Rahmenbedingungen fest.
  • Die Qualifikation des Personals zur Besetzung der Rettungswagen wird durch das Rettungsgesetz vorgegeben. Personal im Rettungswagen ist anders qualifiziert als Personal im Krankentransportfahrzeug.
  • Der Stadt als Trägerin der Rettungswache ist überlassen, ob sie feuerwehrtechnische Beamte mit rettungsdienstlicher Zusatzausbildung oder Beschäftigte nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst mit rettungsdienstlicher Ausbildung einsetzen möchte.
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