"Dorsten erfahren": Jugendliche machen Radrouten fit

Acht Touren aufgehübscht

Für die Fahrrad-Liebhaber gibt es in Dorsten ein eigenes Routen-Netz. "Dorsten erfahren" heißt das und bietet acht unterschiedliche Touren zwischen 20 und 80 Kilometern Länge an. Jetzt wurde das komplette Streckengeflecht in monatelanger Arbeit aufgehübscht - von vier jungen Leuten.

Dorsten

22.07.2015, 16:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Christian Sikora und Dennis Bracht (vorne) zeigen die Route, die die Projektteilnehmer erarbeitet haben. Zu diesen zählen auch Kevin Schiller und Pascal Jendrejewski (hinten, v.l.). Anleiter Andreas Tchurz (r.) freut sich mit den Projekt-Trägern.

Christian Sikora und Dennis Bracht (vorne) zeigen die Route, die die Projektteilnehmer erarbeitet haben. Zu diesen zählen auch Kevin Schiller und Pascal Jendrejewski (hinten, v.l.). Anleiter Andreas Tchurz (r.) freut sich mit den Projekt-Trägern.

Es ist ein Fahrradsattel, der den Strapazen des Projekts ein Bild gibt. Christian Sikoras Untersatz machte schlapp, genauer gesagt dessen Spitze. "Ein Ermüdungsbruch", sagt der Dorstener - und lacht. Irgendwann passierte es, auf einer der unzähligen Touren, die ihn und drei weitere Jugendliche, angeleitet von Andreas Tchurz, durch Dorsten führten. Im Einsatz für das große Radnetz.

Über 1500 Kilometer zurückgelegt

Mehr als 1500 Kilometer legte die Gruppe auf dem Rad zurück, auf den acht offiziellen Routen des Netzes "Dorsten erfahren" und zwei Bonusstrecken. Dreieinhalb Monate lang. "Wir haben wirklich jeden Stadtwinkel gesehen", betont Andreas Tchurz von der Dorstener Arbeit. Tag für Tag machten sich die Jugendlichen seit dem 10. März um 8.30 Uhr auf den Weg. Meist mit Anhänger, immer mit Werkzeug im Gepäck. Um das Radnetz zu überprüfen - und auszubessern. Eine Idee, die Hans Rommeswinkel vom Planungs- und Umweltamt an die Dorstener Arbeit herangetragen hatte - und die diese prompt als Maßnahme in ihr Arbeitsmarkt-Projekt "kreAktiv" aufnahm. "Das passte optimal", betont Christian Dreischenkämper (Dorstener Arbeit). Zwei Wochen später ging es bereits los.

Nur Gewinner

Mit einer Maßnahme, die - das machen alle beteiligten Akteure deutlich - nur Gewinner hat. Stadt und Touristik natürlich, die für ein einwandfreies Wegenetz werben können. Ein Routengeflecht, das nun wieder das ist, was es seit der letzten Überarbeitung 2009 war: ein Aushängeschild der Stadt - für heimische Radler, aber auch für zahlreiche auswärtige Gäste, wie Iris Klahn von der Wirtschaftsförderung (Windor) hervorhebt. Die seien aber zuletzt nicht alle glücklich gewesen: "Es gab immer wieder Leute, die bei uns vorbeigekommen sind und gesagt haben, dass die Routen zwar sehr schön seien, aber man sich leicht verfranzt, weil Schilder und Markierungen fehlen oder nicht klar zu sehen sind", berichtet Klahn. Nun könne man die Touren wieder "guten Gewissens anbieten" - hat aus den Berichten, die die Jugendlichen regelmäßig schrieben, gelernt.

Eine "Mordsarbeit"

Dass dahinter "eine Mordsarbeit steckt", daran lässt Tchurz keine Zweifel. "Es war auch nicht immer nur toll", betont er. Dann etwa, wenn es regnete, und die Gruppe dennoch auf Tour war. Wege freischnitt, Schilder reinigte oder erneuerte, Zeichen auf den Boden sprühte. "Das war zum Teil so nass, wir haben uns gefühlt wie beim Triathlon - aber ohne dass wir wirklich schwimmen waren", so Tchurz. Ein Erfolg sei es dennoch gewesen. "Ich habe tolle Typen kennengelernt, das war einfach eine klasse Truppe", sagt Tchurz. Eine, die immer stärker wurde. Auch auf dem Rad. Mit einem Schnitt von 12 oder 13 Kilometer pro Stunde habe man begonnen - am Ende seien es 18 gewesen, berichten die Jugendlichen. "Wir haben vor allem auch Dorsten kennengelernt - und Highlight-Ecken entdeckt", sagt Teilnehmer Kevin Schiller.

Eigene Route entwickelt

Orte, die sie so begeisterten, dass sie eine eigene Route entwickelten, die Teil des Netzes werden soll. Begeisterte Jugendliche - darüber freut sich auch Florian Adamek vom Jobcenter. "Je kreativer Angebote sind, desto besser. Das ist Gold wert, um Zugang zu den Jugendlichen zu finden", unterstreicht er. Wichtig sei, dass ein Projekt "sinnstiftend" sei - die Gruppe auch Ergebnisse sähe. So wie in diesem Fall. Und deshalb machen die Jugendlichen nach der Präsentation ihrer Arbeit für die Presse auch gleich weiter. Schon im Auto-Rückspiegel sieht man sie schrubben. An einem Rad-Wegweiser.

Die Freizeitkarte „Dorsten erfahren“ enthält acht Radtourenvorschläge. 2009 wurde sie zuletzt überarbeitet und neu herausgegeben. Die Routen (D1 bis D8) sind zwischen 20 und 80 Kilometer lang und zeigen ganz verschiedene Facetten der Stadt Dorsten. Das gedruckte Kartenwerk ist für 9,50 Euro in der Stadtinfo, Recklinghäuser Str. 20, erhältlich.

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