Der Caritasverband baut am Kanal 65 barrierefreie Wohnungen - und hat mehr als 400 Interessenten. © Guido Bludau
Online-Umfrage

Dorsten kann mit dem Bauboom derzeit nicht mithalten

Viele Menschen in Dorsten suchen nach geeignetem Wohnraum. Doch der ist auch nach Einschätzung von Experten rar. Die Stadt kann mit dem Bauboom offenbar an vielen Stellen nicht mithalten.

Es ist ja nicht so, als wären in Dorsten in den letzten Jahren keine Baugebiete ausgewiesen worden. Josef Hadick, Geschäftsführer der Dorstener Wohnungsbaugesellschaft (DWG), erinnert an den alten Sportplatz in Rhade, die ehemalige Josefschule in Hervest und weitere Neubaugebiete an der Birkenallee (Deuten), am Kaisersweg (Lembeck) und Schwickingsfeld (Südwest).

Baugebiet an der Seikenkapelle in Planung

Auch am Beerenkamp entstehen derzeit neue Häuser, „und ein großes Baugebiet an der Seikenkapelle ist in Vorbereitung“, sagt Hadick. „Ziel muss es sein, eine maßvolle Entwicklung in allen Stadtteilen zu ermöglichen, die durch den Zuzug jungen Familien die vorhandene Infrastruktur sichert, diese aber auch nicht überfordert.“

Und doch mangelt es augenscheinlich an „passendem“ Wohnraum. Jeder zweite Teilnehmer einer Online-Umfrage dieser Zeitung bestätigt, dass es schwierig sei, eine geeignete Wohnung in Dorsten zu finden. Die Forderung vieler Menschen an die Stadt: mehr Bauflächen ausweisen, mehr Wohnungen selbst bauen, Genehmigungsverfahren vereinfachen.

Dass der Wohnungsmarkt in Dorsten „schwierig“ ist, bestätigt auch Rene Staude. „Wenn wir eine Wohnung auf den bekannten Portalen einstellen, haben wir nach einem halben Tag manchmal 100 Anfragen“, sagt der Immobilienberater der Vereinten Volksbank. Gerade auch bei der älteren Generation, die sich nach dem Auszug der Kinder vielleicht „etwas kleiner setzen“ möchte, gebe es eine riesige Nachfrage nach Etagenwohnungen, möglichst natürlich im Erdgeschoss oder in der ersten Etage.

Der Caritasverband baut derzeit 65 barrierefreie Wohnungen auf dem alten Ölmühlen-Gelände am Wesel-Datteln-Kanal. Geschäftsführer Klaus Schrudde, der sich Kritik wegen der Preisgestaltung gefallen lassen musste, bestätigte kürzlich: „Wir haben 436 Interessenten.“

Rolle der DWG wäre ausbaufähig

DWG-Geschäftsführer Josef Hadick räumt ein, dass die Möglichkeit, Bauflächen in Dorsten auszuweisen, mit dem aktuellen Bauboom, bedingt durch niedrige Zinsen, „nicht Schritt halten“ kann. Aus dem Wohnungsmarkt hat die Stadt sich bisher weitgehend herausgehalten. Die Dorstener Wohnungsgesellschaft (DWG) sei nicht darauf ausgerichtet, am Wohnungsmarkt aggressiv zu agieren. „Ihre Rolle wäre aber mit Unterstützung der Politik durchaus ausbaufähig“, glaubt Hadick.

Die Genehmigungsverfahren basieren nicht auf städtischen Regelungen, sondern auf Gesetzen des Bundes und des Landes. Sie seien, so Hadick, aber durchaus sinnvoll, sichern sie doch einen der weltweit höchsten Standards hinsichtlich Sicherheit, Brandschutz, Gemeinverträglichkeit von Neubauten und Nachhaltigkeit. „In einer Stadt, in der jeder bauen darf, wie er möchte, würden die wenigsten von uns gerne leben wollen.“

Hadick räumt allerdings auch ein, dass die Lücke zum Wohnungsmarkt schneller geschlossen werden kann, „sofern zukünftig gegebenenfalls zusätzliche Ressourcen für die Bauplanung und Baugenehmigung zu Verfügung stehen“. Mit anderen Worten: mehr Personal, dann werden die Wartezeiten kürzer. Das muss allerdings auch bezahlt werden können.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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