Klaus Schmitz fehlen, wie vielen anderen Fahrradhändlern, einige Ersatzteile, die aktuell nicht wie gewünscht geliefert werden. © Bastian Becker

Dorstener Fahrradhändler warten teilweise zwei Jahre auf neue Teile

Lieferschwierigkeiten bei Ersatzteilen machen den Fahrradhändlern auch in Dorsten zu schaffen. Das führt dazu, dass Räder unvollständig eintreffen, aber auch zu höheren Preisen für die Ware.

Klaus Schmitz ist Inhaber des gleichnamigen Fahrradgeschäfts an der Barbarastraße. Eigentlich profitiert seine Branche von der Pandemie, die Leute fahren mehr Fahrrad als vor Corona. Doch jetzt ergibt sich ein Problem. „Die Lieferanten sind so gut wie alle ausverkauft. Im Grunde ist die Saison für viele Fahrradhändler gelaufen“, stellt er fest. Allerdings hatte ihm der Verband Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG), der Schmitz angehört, im vergangenen Jahr deutlich gemacht, dass er sich möglichst für eine Saison bevorraten sollte. Das hat er gemacht, deshalb sind bei ihm noch einige Teile im Lager verfügbar.

Keine Planbarkeit für die kommenden Monate

Probleme ergeben sich vor allem bei der Reparatur. „Wir haben Probleme, Teile zu bekommen, weil aus Asien nichts geliefert wird. Das ist ein weltweites Problem“, erläutert Klaus Schmitz die Hintergründe. Seine Bestellung für 2022 habe er den Lieferanten bereits übermittelt, wie viel davon bei ihm ankommt, weiß er jetzt allerdings noch nicht.

Die Nachfrage übersteigt das Angebot. In einem Netzwerk mit zwei bis drei Kollegen versucht der Dorstener, fehlende Teile untereinander zu organisieren. „Aber abgeben ist schwierig, man braucht es selbst“, weiß er genau. Teilweise drückten Kunden, die auf fehlende Teile warten müssten, ihren Unmut aus, aber das bleibe die Ausnahme. „Die Kunden wissen ja, dass wir keine Chance haben“, so Klaus Schmitz.

Der Auszubildende Luke Seidel repariert in der Werkstatt von Schmitz ein Fahrrad. Einige Reparaturarbeiten verzögern sich wegen der fehlenden Teile.
Der Auszubildende Luke Seidel repariert in der Werkstatt von Schmitz ein Fahrrad. Einige Reparaturarbeiten verzögern sich wegen der fehlenden Teile. © Bastian Becker © Bastian Becker

„Wir kriegen teilweise Fahrräder geliefert, an denen keine Griffe oder verschiedene Hebel sind“, schildert Andree Lehmbruck, Ansprechpartner bei Radsport Bomm in Dorsten, die aktuellen Unwägbarkeiten. Am größten seien die Engpässe bei Antriebsketten und Kassetten. „Teilweise sagen die Lieferanten, dass diese Teile erst 2023 kommen“, berichtet Andree Lehmbruck. Eine baldige Entspannung der Lage ist also nicht in Sicht. Aber auch Reifen und Schläuche sind nicht einfach zu bekommen.

Höhere Preise durch gestiegene Lieferkosten

„In diesem und im nächsten Jahr müssen die Fahrradhändler leiden“, blickt er voraus. Nach dem erfolgreichen Vorjahr sei das jetzt „ein Nackenschlag“. Obwohl man schon ordentlich vorgesorgt habe, sei der Vorrat nun aufgebraucht. Zudem werden die Räder im Einkauf für die Fahrradläden teurer. „Die Händler haben die Preise letztes Jahr gemacht und die Lieferkosten haben sich seitdem verfünffacht. Jetzt schlagen sie den Preis einfach drauf“, erklärt Andree Lehmbruck.

Andree Lehmbruck muss wohl noch lange auf neue Ketten warten.
Andree Lehmbruck muss wohl noch lange auf neue Ketten warten. © Julian Schäpertöns (A) © Julian Schäpertöns (A)

Deswegen rate man den Kunden, so lange wie möglich mit ihrem Rad zu fahren. „Wir haben nur noch ein, zwei Notfallketten“, fasst er die prekäre Lage zusammen. Wenn dann die Teile alle gleichzeitig kommen sollten, wäre das ein erheblicher Kostenaufwand. Mittlerweile würden sich auch große Läden mit einem Internethandel um Erstausstattung kümmern. Das sieht Andree Lehmbruck eher kritisch und wünscht sich klarere Regelungen.

Radlieferung kann sich trotz großen Lagers verzögern

Klaus Buchholz, Inhaber von Zweirad Buchholz, sieht sich noch vergleichsweise gut aufgestellt. „Ich habe ein relativ großes Lager mit rund 1.500 Schläuchen in allen Größen und Varianten und über 2.000 Mäntel“, blickt er auf seinen Bestand. Buchholz bestellt immer langfristig, aber trotz der guten Ausstattung kann es auch hier zu Problemen mit der Lieferung fertiger Räder kommen. „Wir hatten Räder für das Weihnachtsgeschäft bestellt, die erst Ende März da waren“, erinnert er sich. Zudem sei es gelegentlich zu Verzögerungen bei der Bestellung etwa von Fahrradsätteln gekommen.

Einen generellen Preisanstieg kann er nicht feststellen. Vereinzelt gebe es aber deutliche Mehrkosten. „Im letzten Jahr habe ich auf der Herbstmesse einen Vertreter angesprochen, weil ein Rad plötzlich 50 Euro teurer war“, erinnert sich Klaus Buchholz. Insgesamt bilanziert er: „Der Neuverkauf war dadurch, dass man nichts auf die Straße stellen durfte, stark eingeschränkt“.

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Bastian Becker