Viele Dorstener Kitas kämpfen seit Jahren mit dem Mangel an geeigneten Fachkräften. Jetzt fallen auch noch die Alltagshelfer weg, die das Land ihnen für die Corona-Krise zur Verfügung gestellt hatte. © picture alliance / dpa
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Dorstener Kitas kämpfen mit Erzieher-Mangel und gekappter Unterstützung

Auch das neue Jahr wird in den Dorstener Kitas von der Pandemie geprägt sein. Neben dem Mangel an Personal müssen die Einrichtungen auch den Wegfall der Alltagshelfer kompensieren.

Die Corona-Pandemie hat den Dorstener Kitas bislang einiges abverlangt und die oftmals eh schon dünne Personaldecke arg strapaziert. Bald starten die Einrichtungen in das neue Kita-Jahr – allerdings ohne ihre Alltagshelfer und mit dem seit Jahren wachsenden Problem des Erzieher-Mangels.

So bezeichnet Stadtsprecher Christoph Winkel die personelle Situation in den Dorstener Kitas als „herausfordernd“. Seit Jahren gebe es zu wenig ausgebildete Erzieher. Dabei hapere es in den städtischen Kitas glücklicherweise nicht bei der Besetzung der Stellen an sich.

Von rund 4600 Stunden sind nach Angaben der Stadt aktuell zirka 85 Stunden (0,02 Prozent) unbesetzt. Fast 53 Stunden entfallen dabei auf die Kita Metastadt in Wulfen-Barkenberg. „Bis September soll dieses Vakuum gefüllt sein. Vorstellungsgespräche laufen bereits“, sagt Winkel. So lange würden die fehlenden Betreuungsstunden durch Erzieher aus anderen Kitas kompensiert.

Stellen müssen in Dorsten oft kurzfristig neu besetzt werden

Problematisch sei jedoch, dass Stellen oft kurzfristig für eine befristete Zeit neu besetzt werden müssten. „Ein Berufszweig, in dem überwiegend Frauen tätig sind, erfordert ein flexibles Reagieren auf vor allem temporäre Beurlaubungen zur Kindererziehung“, erklärt Winkel. Aus medizinischen Gründen werde Erzieherinnen ein Berufsverbot erteilt, sobald sie schwanger seien.

Zudem würden auch Neuerungen des Kinderbildungsgesetzes mit Blick auf den Personaleinsatz in Kitas mehr Flexibilität einfordern. So würden zu jedem Kita-Jahr neue Personalschlüssel anhand der gemeldeten Kinderzahl sowie der gewählten Betreuungszeiten gebildet.

In Dorsten werden an einigen Stellen neue Kitas gebaut – geeignetes Personal zu finden, ist jedoch nicht so leicht. © Stadt Dorsten © Stadt Dorsten

Besuchten Kinder eine Kita, die besondere Betreuung benötigen, könne es auch im laufenden Jahr noch nötig werden, die Personalstunden zu erhöhen. „Hier wird der Fachkräftemangel zunehmend zum Problem.“ Vorstellungsgespräche für Erzieher finden in Dorsten vier bis fünf Mal im Jahr statt. Jährlich beschäftigt die Stadt zudem mindestens fünf Anerkennungspraktikanten, die im Anschluss meistens befristet übernommen werden.

Neben dem Fachkräftemangel bereitet der Stadt außerdem aktuell der Wegfall der sogenannten Alltagshelfer Sorgen. Gefördert vom Land NRW, waren sie in der Corona-Pandemie an den Dorstener Kitas im Einsatz, um die Erzieher beispielsweise bei Reinigung und Desinfektion in den Einrichtungen zu unterstützen.

„Alltagshelfer waren in der Coronazeit eine große Hilfe“

Doch das Programm läuft nun aus. „Die Alltagshelfer waren in der Coronazeit eine große Hilfe in den Kitas. Es wäre natürlich hilfreich gewesen, wenn dieses Förderprogramm von Seiten des Landes NRW noch mindestens bis zum Jahresende weitergeführt worden wäre“, sagt Winkel. Zwar würde das Land eine Weiterqualifizierung der Alltagshelfer unterstützten, in Dorsten sei das jedoch nicht geplant. Die Vorbereitungszeit dafür habe einfach gefehlt.

Um die Alltagshelfer trauert auch Cornelia Graf von der Zentralrendantur des katholischen Dekanats Dorsten. „Der Wegfall trifft die Erzieherinnen in unseren Einrichtungen in Dorsten sehr. Das sind 15 bis 20 Stunden, die einfach weg sind und das, obwohl einiges an Mehraufwand durch erhöhte Hygieneauflagen bleibt.“

Immer weniger Bewerber auf offene Stellen in den Kitas

Auch die katholische Kirche in Dorsten bekommt als Träger der Kitas den Erziehermangel zu spüren. „Es sind deutlich weniger Bewerber als beispielsweise noch vor zehn Jahren“, so Graf. Glücklicherweise seien in Dorsten aktuell jedoch nur zwei Stellen unbesetzt.

„Alle Stellen sind besetzt“, meldet hingegen Stefanie Reich, bei der evangelischen Kirchengemeinde zuständig für die Kitas in Dorsten. Freie Stellen gebe es nicht – im Gegenteil: In einigen Einrichtungen gebe es bereits mehr Personal als notwendig, da dort Gruppenerweiterungen geplant seien.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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Manuela Hollstegge

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