Dorstener Tierstationen platzen aus allen Nähten

mlzFundtier-Flut

Das Dorstener Tierheim und die Schildkrötenauffangstation arbeiten derzeit an ihrer Kapazitätsgrenze. Grund für die hohe Zahl an Fundtieren ist aber nicht die Ferienzeit.

Dorsten

, 16.08.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Urlaubszeit haben Tierheime Hochkonjunktur. Immer wieder werden Haustiere einfach ausgesetzt, wenn es in den Urlaub geht. Einen solchen Ferien-Effekt spürt man im Dorstener Tierheim in Hervest allerdings nicht. „Das gibt es hier nicht übermäßig oft“, erklärt Noel Hinz, Vorsitzender des Tierschutzvereins. „Den Effekt gibt es wohl eher in Großstädten.“

„Wir sind extrem voll“

Einen ruhigen Sommer gab es im Tierheim an der Ellerbruchstraße dennoch nicht. „Wir sind extrem voll. Die Räumlichkeiten für Fundtiere sind stark ausgereizt“, so Hinz. Deshalb hatten die Tierschützer Anfang August auf Facebook erklärt, „kräftemäßig an der Schmerzgrenze angekommen“ zu sein.

Dorstener Tierstationen platzen aus allen Nähten

Noel Hinz löste Heike Unkel in der Funktion des Vereinsvorsitzenden ab. © privat

Der Grund: Die Katzenbaby-Saison bescherte dem Tierheim viel Nachwuchs. „Das wird von Jahr zu Jahr mehr“, klagt Hinz. „Das Problem potenziert sich, weil es hier keine Kastrationspflicht gibt.“ Und so hätten alle Tierheime im Kreisgebiet mit einer Flut an Jungkatzen zu kämpfen. „Das ist ein massives Problem. Es sind häufig ganz junge Tiere, die mit der Flasche großgezogen werden müssen. Das bindet Personal.“

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Auch finanziell sei dies ein Problem für den Verein. „Das Trockenmilchpulver für die Jungkatzen ist nicht günstig“, so der Vorsitzende. „Und damit kommt man nicht lange aus.“ Deshalb seien Futterspenden jederzeit gerne gesehen.

Auch in der Schildkrötenauffangstation auf der Hardt bei Barbara Klobusch ist die Kapazitätsgrenze erreicht. In diesem Jahr sei es aber besonders extrem. Zwischenzeitlich habe ihr Telefon nicht stillgestanden vor Fundtiermeldungen. „Es waren so viele wie nie zuvor.“ Fast alle Fund-Schildkröten seien Weibchen. „Viele halten die im Teich. Aber denen gefällt es dort nicht zur Eiablage, sodass sie auf Wanderschaft gehen“, erklärt Barbara Klobusch.

Dorstener Tierstationen platzen aus allen Nähten

Barbara Klobusch ist „Chefin“ der Schildkrötenauffangstation. © Lydia Klehn

In der Urlaubszeit käme hinzu, dass Tiere, die von Dritten gepflegt werden, öfter ausbüxen würden, weil ihre Übergangs-Quartiere nicht ausreichend gesichert seien. „Viele Besitzer melden sich dann nach zwei bis drei Wochen.“

Ausgesetzt wird immer

Aber auch ausgesetzt würden Schildkröten immer wieder. Dies sei jedoch kein Ferien-Phänomen, so Klobusch: „Ausgesetzte Tiere haben wir das ganze Jahr über. Sie glauben gar nicht wie viele.“ Der Grund: „Wasserschildkröten werden klein und niedlich verkauft und werden dann riesengroß. Wenn die Besitzer dann nicht den Platz haben, setzen sie sie aus.“ Auch eine neue EU-Verordnung, die die Haltung invasiver Arten einschränke, habe dazu beigetragen.

Nun sei auch bei ihr eine Grenze erreicht. Rund 120 Tiere beherberge sie in der Auffangstation. Tiere von Besitzern nehme sie daher schon seit dem vergangenen Jahr nicht mehr an. „Wir sind voll bis oben hin.“

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