Der Familienzirkus Fantastico (Dorstener Weihnachtscircus) ist wegen Corona in Hausdülmen gestrandet und braucht Hilfe, um die Tiere über den Winter zu bringen (private Archivfotos). © Collage: Grafik Westnews
Hilfsprojekt

Dorstener Weihnachtscircus gestrandet: Hilfe ist dringend nötig

Seit Jahren schlägt der Weihnachtscircus Dorsten auf dem Zechengelände sein Zelt auf. Doch die Zirkusfamilie ist wegen Corona in Hausdülmen gestrandet, hat keine Einnahmen und braucht Hilfe.

Seit acht Jahren baut die Zirkus-Familie Kaselowsky („Circus Fantastico“) immer um den Jahreswechsel herum auf dem Zechengelände an der Halterner Straße ihr Zelt mit dem Manegen-Rund auf – und begeistert unter dem Namen „Der große Dorstener Weihnachtscirkus“ Groß und Klein mit Artistik, Clownerien und charmanten Tiernummern von Pferden, Ziegen und Hunden.

Doch in diesem Jahr hat Gino Kaselowsky eine schlechte Nachricht für die Dorstener Fans: „So schwer es uns auch fällt, müssen wir unsere Gastspiele leider absagen.“

Denn wegen der Coronakrise dürfen Publikumsveranstaltungen und damit Zirkusshows nicht stattfinden. „Schade für die Dorstener Kinder, die uns schon seit Wochen anmailen und es gar nicht mehr abwarten können, bis wir wieder auf dem Zechengelände stehen“, sagt der Mit-Inhaber des kleinen Familien-Zirkus in siebter Generation.

Keine Einnahmen mehr

Das Unternehmen ist mit Beginn der Pandemie im Dülmener Stadtteil Hausdülmen mit Zelt, Wagen und Tieren gestrandet, hat seitdem keine Einnahmen mehr und ist auf Spenden für die Vierbeiner angewiesen.

„Am 6. Januar hatten wir in Dorsten unsere letzte Vorstellung, seitdem ging in diesem Jahr gar nichts mehr“, erzählt Gino Kaselowsky. Von Dorsten aus ging es damals zunächst ins Winterquartier nach Marl, dann sollte es im März erstmals in Hausdülmen am Sportplatz wieder „rund gehen“. Doch es brach die Pandemie aus, die Premiere fiel ebenso aus wie die weitere geplante Tournee.

Der Weihnachtscircus der Familie Kaselowsky findet normalerweise jedes Jahr in Dorsten statt.
Der Weihnachtscircus der Familie Kaselowsky findet normalerweise jedes Jahr in Dorsten statt. © Archiv © Archiv

Bis auf ein private Auftritte in Kindergärten und in Kirchengemeinden war Spielpause, auch im Spätsommer, als die ersten Lockerungen kamen. „Die Auflagen der Behörden mit dem Mindestabstand und den Zuschauer-Begrenzungen waren so hoch, dass sich der Zeltaufbau für uns nicht gerechnet hätte.“

Fixkosten laufen weiter

Heißt: Die Haupteinnahmen für diese Saison sind komplett ausgefallen. Trotzdem laufen die Fixkosten für die Zirkusleute weiter, die mit neun Personen in drei Familien leben. „Wir bekommen Arbeitslosengeld II, das war in all den Jahren nie nötig“, betont Kaselowsyk. „Das Geld reicht zum Essen und Trinken, wir wollen nicht jammern“, sagt er: „Unserer Familie geht es gesundheitlich gut, das ist das Wichtigste.“

Das Problem sind die Kosten für die Tiere, für die fünf Hunde, sechs Ziegen, zwei Pferde und vier Ponys. „Die müssen wir ja weiter versorgen und über den Winter bringen.“ Heu, Möhren, Kraftfutter, Hundefutter – das wird benötigt. Hinzu die Versicherungen, die Tierarztkosten, die Einstreumittel.

Weihnachtscircus an der Fürst-Leopold-Allee.
Weihnachtscircus an der Fürst-Leopold-Allee © Claudia Engel (A) © Claudia Engel (A)

Mit LED-Ballons, die sie an Haustüren gehängt hatte, macht die Familie derzeit in Dorsten und Umgebung auf ihre schwierige Situation aufmerksam gemacht. „Das hat eine Frau dazu veranlasst, in einer Dorstener Facebook-Gruppe eine Spendenaktion zu starten“, freut sich Gino Kaselowsky über die Unterstützung aus seiner „Weihnachtsstadt“. Auch Bürgermeister Tobias Stockhoff habe seine Unterstützung zugesagt, sollte die Familie den Platz in Hausdülmen verlassen müssen und in Dorsten Zuflucht suchen wollen.

Zirkus-Prinzessin

Überhaupt hat Gino Kaselowsky an Dorsten viele schöne Erinnerungen. Die schönste sicherlich, als seine Nichte während eines Gastspiels in der Lippestadt geboren wurde. „Unsere Dorstener Zirkus-Prinzessin“, sagt er stolz. „Am 17. Dezember wird sie zwei Jahre alt, das hätten wir gerne in ihrem Geburtsort Dorsten gefeiert.“

Sein Neffe Liandro (5) hat ihn übrigens bereits sorgenvoll gefragt, ob der Weihnachtsmann in diesem Jahr überhaupt zur Familienbescherung kommt. Denn der habe ja immer in Dorsten die Geschenke vorbeigebracht, so der junge Spross der Familie: „Der Weihnachtsmann weiß bestimmt nicht, dass wir dieses Jahr ganz woanders sind.“

Wer die Zirkus-Familie unterstützen möchte, der kann Futter-Lieferungen direkt am Sportplatz in Hausdülmen, Sandstraße 13, abgeben. Wer Geldspenden überweisen möchte, sollte die Modalitäten mit Gino Kaselowsky (Tel. 0172/9381844) direkt absprechen.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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