Dorstener wurde seltenen Opel in „Toilettengrün“ einst nicht los

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1962 rollten in Bochum die ersten Opel Kadett A vom Band. Einen davon besitzt Georg Simon. Der Dorstener und sein seltenes Kult-Auto sind demnächst im TV zu sehen.

Dorsten

, 19.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er war Opels Antwort auf den VW Käfer und Anfang der 1960er-Jahre ein echter Renner auf deutschen Straßen: „40 muntere Pferde, der zieht los, 120 spielend!“ So wurde der Opel Kadett A seinerzeit beworben. 100 Jahre nachdem Adam Opel seine erste Nähmaschine gebaut hatte, rollten 1962 in Bochum die ersten Opel Kadett A vom Band.

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Einen davon, Nummer 226, besitzt Georg Simon. Der Dorstener hat den Wagen einst von seinem Opa geerbt. Liebe auf den ersten Blick war es nicht: „Ich war 20“, erzählt Georg Simon. „Da wollte ich lieber einen GTI haben oder etwas anderes - aber doch keinen Kadett A!“

Niemand wollte 1000 DM zahlen

Simon versuchte, den Opel loszuwerden. Die ausgerufenen 1000 DM wollte aber niemand zahlen. Also mottete er den Wagen in der Scheune ein. Strohballen drauf, ein paar Wolldecken, und da stand das gute Stück dann die nächsten Jahre.

Bis 1987 die erste Tochter der Simons zur Welt kam und die Familie ein zweites Auto brauchte. Nehmen wir doch den Kadett, schlug Georg Simon vor. Der ist doch ein Fall für den Schrottplatz, meinte seine Frau.

Georg Simons Großvater hatte den Wagen aber immer gut behandelt und sich bei Unterbodenschutz oder Hohlraumversiegelung stets strikt an die Werksangaben gehalten. „Sonst wäre das Auto heute längst kaputt“, sagt Georg Simon, der den Kadett damals zusammen mit einem Freund wieder fahrtauglich machte. „Und dann bin ich über 100.000 Kilometer A-Kadett gefahren, ganz normal im Alltag, bis 1992.“

Es brauchte die Jahre und die Kilometer, bis Georg Simon merkte, wie sehr ihm der Wagen eigentlich doch gefiel und was für eine Rarität er da besaß. Nun war der Opel ihm zu schade zum Verheizen und er machte ihn zu seinem Hobby.

Der Großteil der A-Kadetten war weiß. Georg Simons Auto ist Karibagrün und sehr selten, weil diese Farbe früher unbeliebt war und nicht lange von Opel verwendet wurde.

Der Großteil der A-Kadetten war weiß. Georg Simons Auto ist Karibagrün und sehr selten, weil diese Farbe früher unbeliebt war und nicht lange von Opel verwendet wurde. © WDR/dpa

Er ließ den Wagen unter anderem neu lackieren. In der Originalfarbe „Karibagrün“, einst auch „Toilettengrün“ genannt, weil der Farbton an Badezimmer-Fliesen erinnerte. Die Farbe war so unbeliebt, dass Opel relativ schnell zu einem etwas anderen „Seegrün“ wechselte. Georg Simon schätzt, dass der A-Kadett nur rund 70-mal in dieser Lackierung mit Karibagrün gebaut wurde. „Und heute ist die Farbe der Brüller!“

Ersatzteile selten und sehr teuer

Original-Ersatzteile für den A-Kadett zu bekommen, ist nicht nur schwierig, sondern vor allem teuer. „Ein Kotflügel kostet heute 1000 Euro, wenn man denn einen findet“, sagt Georg Simon. Fast 300.000 Kilometer ist das alte Schätzchen inzwischen gelaufen, der Original-Motor ist immer noch drin. Bewegt wird der Kadett inzwischen aber nur noch wenig. Anders als die Cabrio-Version, die Georg Simon auch besitzt. Damit fährt er auch heute noch bis nach Italien.

Am Freitag im Fernsehen

  • Georg Simon und sein Opel Kadett A sind am Freitag (20.11.) um 20.15 Uhr im WDR zu sehen.
  • Dann läuft die zweite Folge des Vierteilers „Unser Land in den 60ern“.
  • Die Folge trägt den Titel „Eine Klasse für sich“: Neben dem Bochumer Opel-Werk geht es unter anderem um das 1963 in Kraft getretene Bundesurlaubsgesetz, das Revival des Bikini und Fußball.
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