Dorstenerin fragt: Warum greift die Stadt beim Thema Katzen nicht ein?

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In einer Siedlung in Wulfen-Barkenberg streunen Katzen umher, die sich ungehindert vermehren. Eine Anwohnerin sieht Katzenbesitzer und die Stadt in der Pflicht, endlich zu handeln.

Wulfen-Barkenberg

, 22.11.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das liebste Haustier der Deutschen ist die Katze. Laut Statista, einem Statistik-Online-Portal, werden 14,7 Millionen Samtpfoten bundesweit gehalten. Hinzu kommen die Katzen ohne ein Zuhause. Wie viele Katzen in Hinterhöfen, Gartenlauben und Fabrikgeländen leben, lässt sich nur schätzen. Die Zahlen variieren zwischen zwei und drei Millionen Tieren.

Die Not der Streuner in Dorsten ist groß

Oft sind die verwilderten Katzen Nachfahren von ehemaligen Haustieren. Sie leiden unter Fehl- und Unterernährung, sind oft krank, haben eine geringe Lebenserwartung und vermehren sich ungehindert. Conny Sander vom Streunerkatzenprojekt Dorsten kümmert sich seit gut fünf Jahren um herrenlose Katzen in Dorsten. Sie sieht die Not der Tiere Tag für Tag.

„Wenn die Jungkatzen mit neun Monaten ihre ersten Kitten zur Welt bringen und selbst kaum zwei Kilo auf die Waage bringen, ist das schrecklich. Die Tiere können nicht zunehmen, weil sie voller Würmer sind. Sie legen die Kitten dann ab, die dann elendig sterben“, weiß die Tierschützerin.

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Rita Zachraj beobachtet das Problem in ihrem Wohnquartier in Wulfen-Barkenberg mit Sorge. Auch hier streunen Katzen umher, die offenbar kein festes Dach mehr über dem Kopf haben. „Ich lebe seit neun Jahren hier und in der Zeit habe ich fünf Katzen vermittelt, die von ihren ehemaligen Besitzern zurückgelassen wurden“, erzählt sie.

In der Barkenberger Siedlung im Vordergrund lebt Rita Zachraj seit neun Jahren. In der Zeit hat sie mehrere zurückgelassene Katzen vermittelt.

In der Barkenberger Siedlung im Vordergrund lebt Rita Zachraj seit neun Jahren. In der Zeit hat sie mehrere zurückgelassene Katzen vermittelt. © Oskar Neubauer (A)

In der ehemaligen LEG-Siedlung lebten viele Mieter auf engem Raum. Wer wegzieht, würde seine Freigängerkatze nicht selten in ihrem angestammten Revier lassen. So werden aus einst umsorgten Tieren Streuner, die im schlimmsten Fall unkastriert sind und so zu einer rasch anwachsenden Streunerpopulation beitragen.

Ohne tierärztliche Versorgung können die Tiere nicht überleben

Kürzlich erst hat Rita Zachraj sich eine Lebendfalle von Conny Sander ausgeliehen, um einen Kater einzufangen, der kränklich wirkte. „Seine Pfoten waren auf das Doppelte angeschwollen“, erinnert sich die Anwohnerin. Auch dieses Tier wurde offenbar zurückgelassen. Eine Nachbarin fütterte den Kater zwar fortan, kümmerte sich aber nicht um die ärztliche Versorgung, so der Vorwurf von Zachraj.

Beim Tierarzt dann die schockierende Diagnose: Der Kater leidet unter Katzen-Aids, einer für Katzen hochansteckenden Krankheit. Wegen des schwachen Immunsystems seien auch die Entzündungen an den Pfoten so stark fortgeschritten.

Mithilfe des Streunerkatzenprojekts wurde das Tier versorgt und fand ein neues Zuhause.

Weder Kreis noch Stadt sehen sich in der Verantwortung

Beispiele wie dieses führt Rita Zachraj an, um zu verdeutlichen, wie dringend ein Umdenken in der Bürgerschaft und vor allem rechtliche Maßnahmen der Stadt nötig seien. Schon 2017 stellte sie einen Bürgerantrag zur Einführung einer Kastrations- und Registrierungspflicht von Katzen. Im Stadtrat stimmte man damals dagegen und verwies an den Kreis.

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Der Kreis sah sich aber ebenfalls nicht in der Verantwortung. Auf erneute Nachfrage der Redaktion erklärt Pressesprecherin Lena Heimers, dass das Thema im Kreistag nicht behandelt wurde, weil dieser derlei Verordnung nur auf Grundlage des Tierschutzgesetzes verabschieden könne. „Und das greift dann, wenn die Tiere Leid erfahren.“ Eine Überpopulation allein reiche dafür nicht aus.

Die Ordnungsämter der einzelnen Städte wiederum könnten handeln. Und zwar mit der Begründung einer abstrakten Gefahr, die beispielsweise vom Kot der Tiere ausgehen könnte.

Geld für Kastrationen aus dem Bürgerfonds beantragen

Sechs von zehn Gemeinde im Kreis haben mittlerweile solch eine Katzenschutzverordnung. In Dorsten sieht es bisher nicht danach aus. „Die Situation macht mich wütend. Warum kriegt die Stadt das nicht hin?“, fragt Rita Zachraj.

Rita Zachraj will das Katzenelend aufhalten und dafür Geld über den Bürgerfonds beantragen.

Rita Zachraj will das Katzenelend aufhalten und dafür Geld über den Bürgerfonds beantragen. © Claudia Engel (A)

Sie will demnächst Geld aus dem Bürgerfonds oder von „Dorsten dankt dir“ beantragen, um damit herrenlose und Katzen von Menschen, die sich die OP nicht leisten können, zu finanzieren. „Zuerst werde ich einen Antrag für Wulfen stellen. Man könnte das Stadtteil für Stadtteil angehen“, schlägt sie vor. Denn die nächsten Kitten sind womöglich schon unterwegs. In ihrer Nachbarschaft gebe es zwei weibliche Katzen, die mittlerweile geschlechtsreif und herrenlos seien.

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