Ellinor Piecha (l.) und Karin Drücks (r.) sind voll des Lobes über die Arbeit von Heimleiterin Annette Ortmann (M.) und ihrem Team. © Petra Berkenbusch
1 Jahr Corona

Dorstens Senioren warten geduldig auf bessere Zeiten – und den Friseur

Corona hat die Alten und Pflegebedürftigen zu besonderen „Sorgenkindern“ gemacht. Wie ist es ihnen ergangen im zurückliegenden Jahr? Wir haben uns in zwei Dorstener Einrichtungen umgehört.

Nach dem Ausbruch von Corona war bald schon klar, dass es Bevölkerungsgruppen gibt, die bei einer Covid-19-Erkrankung besonders schlechte Karten haben: die Alten und Pflegebedürftigen. Der Begriff der besonders „vulnerablen“ Gruppe schlich sich in den Sprachgebrauch von Politikern, Nachrichtensendungen und Talk-Shows ein.

Über die Gesundheit von Oma und Opa machten sich schon Kindergartenkinder sorgenvolle Gedanken. Wir haben uns in zwei Dorstener Seniorenheimen umgehört, wie die „vulnerable“ (verletztliche, verwundbare) Gruppe selbst dieses vergangene Jahr erlebt hat. Zufällig hat es in beiden Häusern keinen größeren Corona-Ausbruch gegeben. Sowohl in St. Marien (An der Molkerei) als auch im Bellini (Halterner Straße) sind inzwischen Bewohner und Mitarbeiter zum zweiten Mal geimpft, und dennoch ist man in beiden Einrichtungen „auf der Hut“, wie Annette Ortmann, Chefin in St. Marien, berichtet.

Jetzt freuen sich alle erstmal auf einen Friseurbesuch

„Das wird auch sicher noch einige Zeit so bleiben“, ist auch Elif Cakir, Leiterin des Bellini, überzeugt. „Schnelltests, Masken, damit werden wir uns bestimmt noch für einige Zeit abfinden müssen.“ Bellini-Bewohner Wilfried Ladwig ist sogar davon überzeugt, dass das Virus auf ewig bleiben wird, die Menschen aber dennoch Freiheiten zurückgewinnen können. Ein Besuch im Baumarkt wäre für den Senior so ein Stückchen Freiheit oder endlich mal wieder „ein bisschen durch Geschäfte schnüffeln“.

1 Jahr Corona Bellini Bewohner
Wilfried Ladwig (M.), Marianne Lobeck (hinten r.) und Sandra Buschfort (l.) hoffen auf eine baldige Entspannung der Lage. © Petra Berkenbusch © Petra Berkenbusch

Und der Friseurbesuch, der demnächst ansteht und bei allen Senioren ein großes Thema ist. Die 94-jährige Ellinor Piecha und die 81-jährige Karin Drücks haben sich auf jeden Fall schon einen Termin im Friseursalon des Hauses St. Marien gesichert. Und auch im Bellini sind schon jede Menge „Sitzungen“ für die 80 Bewohner gebucht, auch wenn es nach wie vor wenige Gelegenheiten gibt, gepflegte Frisuren „auszuführen“. Aber Ellinor Piecha bringt es auf den Punkt: „Man will ja für sich selbst die Haare schön haben.“

Gemeinsame Feste stehen auf der Wunschliste ganz oben

Allerdings warten die Senioren in beiden Einrichtungen darauf, dass es endlich mal wieder gemeinsam was zu feiern gibt. Karin Drücks: „Das Osterfrühstück, die schönen Basare, das Sommerfest – es musste ja alles ausfallen. Das vermissen wir schon. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir demnächst wieder feiern können. Und dann trinken wir einen!“

1 Jahr Corona Altenheim Bellini
Heimleiterein Elif Cakir (l.) und Qualitätsbeauftragte Marina Dreher (2.v.l.) haben alle wichtigen Entscheidungen mit Doris Mümke vom Heimbeirat besprochen. © Petra Berkenbusch © Petra Berkenbusch

Auch im Bellini sind es die kleinen Dinge, die Bewohner und Mitarbeiter herbeisehnen: das gemeinsame Essen im Restaurant zum Beispiel oder das Zusammensitzen mit Bewohnern und Besuchern draußen. Darauf freut sich auch Marianne Lobeck, die erst kurz vor Beginn der Pandemie ins Seniorenheim gezogen ist und wegen der Kontaktbeschränkungen noch nicht so richtig ankommen konnte. Außerhalb ihrer Wohngruppe, die im Sinne der Coronaschutzverordnung als Hausgemeinschaft gilt, hat sie noch nicht viele Kontakte knüpfen können.

Senioren fühlen sich in ihren Einrichtungen geschützt

In allen Einrichtungen hat man sich nach Kräften bemüht, den Bewohnern zumindest in den kleinen Gruppen das Gefühl von Gemeinschaft zu vermitteln und ihnen Abwechslung zu bieten. Dort, wo größere Corona-Ausbrüche ausgeblieben sind, gab es auch keine völlige Isolation. „Da hatten wir einfach Glück“, sagt Annette Ortmann rückblickend, „so konnten wir unseren Bewohnern eine Menge ersparen.“

Für dieses „Wunder“ sind die Senioren dankbar. „Wir haben es Frau Ortmann und ihrem Team zu verdanken, dass wir diese Zeit so gut durchgestanden haben“, lobt Karin Drücks und vergibt das vielleicht größte Kompliment: „Wir hatten nie so große Angst, wir haben uns hier sehr sicher gefühlt. Wir sind gut beschützt worden.“

„Die Heimleitung hat uns toll durch die schwere Zeit geführt“, erklärt Günter Grunwald im Bellini im Namen seiner Mitbewohner. Und alle nicken, während auch hier die Chefin des Hauses gerührt zur Seite blickt. „Wir haben es als unsere Hauptaufgabe betrachtet“, erzählt Heimleiterin Elif Cakir, „die Stimmung hoch zu halten.“

Dazu nahm die Umsetzung ständig neuer und kurzfristig angeordneter Verordnungen, die allen Heimleitungen viel Kopfzerbrechen gemacht haben, eine Menge Zeit in Anspruch. Und manchmal, das geben Elif Cakir und Annette Ortmann unumwunden zu, sorgten sie auch für Kopfschütteln.

Impfungen entlasten Bewohner und Mitarbeiter

Die von allen gut vertragene Impfung nährt nun die Hoffnung, dass man den Bewohnern demnächst in kleinen Schritten immer ein bisschen mehr bieten kann. Auch Marina Dreher, Qualitätsbeauftragte im Bellini, ist erleichtert, dass die Mitarbeiter sich jetzt nicht mehr so viele Sorgen machen müssen.

Wie auch die aus Fürsorge für die ihnen anvertrauten alten Menschen ihr Leben umgestellt haben, berichtet Reinigungskraft Sandra Buschfort: „Ich bewege mich ja nur noch zwischen Arbeit, Zuhause und Einkaufen, damit ich ja nichts hier reinschleppe.“

Bei allen Entscheidungen war im Bellini auch der Heimbeirat mit an Bord. Auch Doris Mümke ist als Sprecherin der Bewohner voll des Lobes über das Engagement der Mitarbeiter: „Die haben so viel für uns getan, und wir haben alle Maßnahmen miteinander besprochen.“

Zweifellos ein Kraftakt, den Senioren-Einrichtungen und ihre Bewohner in diesem Jahr bewältigt haben. Und der noch nicht zu Ende ist. Aber wie es scheint, haben die Dorstener Senioren die Geduld noch nicht verloren. In der Geborgenheit ihrer Einrichtungen warten sie auf bessere Zeiten. Dafür gebührt ihnen großer Respekt.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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