Dreiste Diebe: Paar erleichtert DHL-Frachtzentrum Dorsten um Waren für Zehntausende Euro

mlzGerichtsprozess

Ein Lkw-Fahrer und seine Frau haben 200 Pakete, die vom DHL-Zentrum Dorsten auf den Weg geschickt wurden oder für dieses bestimmt waren, geklaut. Jetzt wurden sie verurteilt.

Dorsten

, 18.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Sie hatten es allein auf Markenartikel abgesehen: auf Smartphones bekannter Hersteller und andere hochwertige Elektrogeräte, auf teure Kosmetika und hochpreisige Uhren. Auf eine besonders dreiste Art erleichterte ein Ehepaar aus Rumänien im Herbst des vergangenen Jahres das Dorstener DHL-Frachtzentrum.

Kunden schauten in die Röhre

Es entwendete aus verschlossenen Containern mehr als 200 Pakete und verursachte einen Schaden in Höhe von mehreren zehntausend Euro. Die Kunden, die die Waren im Internet bestellt hatten, schauten in die Röhre - und die Deutsche Post musste den Käufern das Geld zurückerstatten.

Am Mittwoch wurde den Tätern vor dem Dorstener Schöffengericht der Prozess gemacht. Die Diebstahlserie begann im September 2018. Der Ehemann hatte damals bereits vier Jahre als Lkw-Fahrer bei einer Speditionsfirma aus dem Ruhrgebiet gearbeitet, die im DHL-Auftrag verplombte und mit Paketen gefüllte Container transportiert.

Auf halber Strecke umgeladen

Der Angeklagte war als Fahrer für die Bedienung der Strecke zwischen dem DHL-Frachtzentrum Dorsten und demjenigen in Feucht bei Nürnberg tätig. Auf halber Strecke übergab er nahe der A45 am DHL-Logistikzentrum Florstadt die Container an einen Kollegen, der nach Feucht weiterfuhr, und räumte im Gegenzug von diesem die Container in seinen Wagen, die von Feucht aus zum Dorstener Standort auf den Weg geschickt wurden.

Ende September nahm der Lkw-Fahrer zweimal seine Ehefrau mit auf die Tour. Sie hielten den Truck unterwegs auf einem Rastplatz bei Recklinghausen an, die Frau kletterte auf die Ladefläche, öffnete die Plomben der Container und verschloss sie nach dem Diebstahl der Pakete wieder. Dann machten sie einen Schlenker zu ihrer Wohnung, luden dort die Beute ab und fuhren dann den normalen Weg weiter.

Einfaches Taschenmesser reichte

„Die beiden Täter benutzten eigens dafür präpariertes Werkzeug“, warf die Staatsanwaltschaft dem Ehepaar vor. „Stimmt nicht, ein einfaches Taschenmesser hat ausgereicht“, ließ der Angeklagte über seinen Anwalt erklären. Und weil es so leicht war, ging er die nächsten fünf Male ohne seine Ehefrau auf Diebestour. Inzwischen hatte man im DHL-Frachzentrum in Dorsten aber Verdacht geschöpft, ließ den Fahrer observieren, so flog das Paar auf, das sofort die Taten einräumte. Das Motiv der beiden nicht vorbestraften Angeklagten: Sie hatten 20.000 Euro Schulden angehäuft.

Fast der gesamte Hausrat konfisziert

Die Frau wurde zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt, ihr Mann zu 20 Monaten auf Bewährung. „Die Verurteilung ist einfach, die Rückgabe der sichergestellten Gegenstände aber nicht“, so Strafrichterin Lisa Hinkers. Denn die ermittelnden Polizeibeamten hatten fast den gesamten Hausrat des Ehepaars mit auf die Wache nach Marl genommen, als sie damals die Wohnung des Ehepaars durchsuchten.

Die Anwälte präsentierten im Gerichtssaal lange Listen, auf denen die persönlichen asservierten Dinge angekreuzt waren, die das Ehepaar nun zurückfordert.

Übrigens ist der Ehemann wieder als Lkw-Fahrer bei der Firma beschäftigt. Allerdings: Im DHL-Frachtzentrum Dorsten hat er Hausverbot.

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