Drogenabhängige in Dorsten werden immer älter und kränker

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Für viele Drogenabhängige in Dorsten ist das Café Kick eine wichtige Anlaufstelle. Viele von ihnen haben keine Wohnung, sind alt und körperlich sowie psychisch krank.

Dorsten

, 16.09.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wir betreiben hier Überlebenssicherung“, machte Karl-Heinz Berse von der Dorstener Caritas gleich zu Beginn klar. Im Jugendhilfeausschuss stellte er am Donnerstag den Jahresbericht des niederschwelligen Drogenkontaktladens Café Kick in Dorsten vor. Einige gravierende Veränderungen wurden dabei deutlich.

10 bis 30 Menschen haben das Café am Westgraben im vergangenen Jahr täglich besucht. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Besucherzahlen leicht gesunken – von 3335 in 2017 auf 3259 in 2018. In der Spitze waren es 2010 beispielsweise 4789 Besucher. Die meisten der Klienten sind männlich (83 Prozent).

„Viele sind nicht bereit, clean zu werden“

„Die Ausstiegshilfe steht natürlich im Café Kick im Vordergrund. Aber viele sind nicht bereit, clean zu werden, und da gehört es für uns menschlich einfach dazu, als allererstes Grundbedürfnisse abzudecken und zu versuchen, den gesundheitlichen Schaden zu minimieren“, erklärte Berse.

So erhalten die Klienten beispielsweise medizinische Basishilfe, können Dusche und Waschmaschine nutzen sowie kostenlos essen und trinken. Auch beim Gang zu Ämtern und Gerichtsterminen werden sie vom Personal des Cafés unterstützt. Trotzdem hängen am Baum im Café Kick inzwischen 110 Blätter – „ein Blatt steht für einen verstorbenen Drogenabhängigen aus Dorsten“, erklärte Berse.

Spritzenausgabe erstmalig seit langer Zeit rückläufig

Zum Angebot der Caritas gehört auch der Spritzentausch – entweder im Café oder an einem Automaten. Mit 6883 ist die Anzahl der ausgegebenen Spritzen in 2018 seit langer Zeit erstmalig stark rückläufig (2017: 10.264). Das liegt dem Bericht zufolge vor allem daran, dass einige Besucher auf das Folie-Rauchen von Heroin umgestiegen sind. Nach Angaben der Aidshilfe sollen dadurch Überdosierungen sowie die Ansteckung mit HIV oder Hepatitis verhindert werden. Außerdem sind langjährige Nutzer des Spritzentausch-Angebots verstorben.

Drogenabhängige in Dorsten werden immer älter und kränker

110 Blätter für 110 Drogentote aus Dorsten hängen am Baum im Café Kick. © Karl-Heinz Berse

Als ein „echtes Problem“ sieht Karl-Heinz Berse, dass immer mehr der Café-Klienten wohnungslos sind. Das und die allgemeine Lebenssituation führe bei den Klienten zu einer starken Resignation. „Viele Patienten fühlten sich in ihrem Leben überfordert, orientierungs-, hilf- und kraftlos“, heißt es im Caritas-Bericht. So oft wie nie zuvor habe es Fahrten zur Herterner LWL-Klinik mit anschließender stationärer Unterbringung gegeben. „Wir verzeichnen immer mehr psychische Notfälle“, berichtete Berse am Donnerstag.

Wohnungslosigkeit und Krankheit sind große Probleme

Außerdem seien immer mehr Besucher des Dorstener Cafés in einem „desolaten körperlichen Zustand“. Zu einer Entgiftung und Therapie seien solche Klienten mental und körperlich oft nicht in der Lage. „Wir haben viele Langzeitbesucher. Die Drogenabhängigen werden immer älter, aber Seniorenheime sind darauf überhaupt nicht vorbereitet“, mahnte der Diplom-Sozialarbeiter.

  • Geöffnet hat das Café Kick, Westgraben 18, montags, dienstags, donnerstags und freitags von 9.30 bis 13.30 Uhr sowie mittwochs von 11 bis 15.30 Uhr.
  • Ansprechpartnerin ist Christiane Koning, Tel. (02362) 91 87 14 bzw. 91 87 00, bzw. per Mail.
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