Stefan Diebäcker kommentiert den möglichen neuen Slogan der "Marke" Dorsten. © Grafik: Martin Klose
Meinung

Echt, Dorsten? Der neue Stadt-Slogan hat ein Geschmäckle

Die „Marke“ Dorsten soll einen Slogan bekommen. Der Vorschlag klingt knackig, hat aber ein Geschmäckle.

Echt Dorsten. Kurz und knapp. Vielfältig einsetzbar. So wie ein Slogan sein muss. Der Vorschlag, der jetzt auf dem Tisch liegt, macht also Sinn. Wäre sogar richtig gut. Wenn, ja wenn da nicht dieser Schönheitsfehler wäre: Es gibt ihn schon, den Namen „Echt Dorsten“.

So nennt sich ein sogenanntes „Bürger-Portal“, das vor einigen Monaten, auch mit Unterstützung der Stadt, gegründet worden ist. Die Geschäftsführer der Echt Dorsten GmbH sind auch die Chefs einer IT-Firma. Und die wollen mit „Echt Dorsten“ auch Geld verdienen, bis zu 2400 Euro pro Jahr und Kunde. Mit Anzeigen, Online-Shops und Lieferdienst zum Beispiel.

Das ist natürlich legitim, aber: Darf die Stadt einen kommerziellen Anbieter direkt oder indirekt durch eine identische Namensgebung ihrer „Marke“ unterstützen? Ich meine: Nein! Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: Ein neuer Slogan muss her. Oder: Die Stadt betreibt „Echt Dorsten“ selbst. So wie es beispielsweise eine weitaus größere Ruhrgebietsstadt macht. Deren Slogan lautet übrigens: Duisburg ist echt.

Es ist trotzdem sehr wahrscheinlich leider, dass die Politik den Vorschlag der Stadtverwaltung durchwinkt. So läuft es seit Jahren meistens. Auch das ist: Echt Dorsten.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker
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