Ein Urgestein der Dorstener Fußgängerzone in Dorsten schließt mit viel Wehmut die Pforten seiner „Kloster-Apotheke": Volker Winkelmann (77). © Michael Klein
Innenstadt

Eine der ältesten Apotheken von Dorsten schließt ihre Pforten

Sie ist eine der ältesten Apotheken in Dorsten, doch zum Jahresende wird sie schließen. Inhaber Volker Winkelmann hat in den Geschäftsräumen immer auch seine Liebhabereien präsentiert.

Wer dieser Tage in der Fußgängerzone von Dorsten die Räume der Kloster-Apotheke in der Lippestraße 4 betritt, der bekommt die ganze wehmütige Stimmung hautnah mit. Die Stammkunden sind traurig, das Mitarbeiter-Team, das teils schon seit Jahrzehnten seinem Chef die Treue hält, ist tief betrübt – und Apotheker Volker Winkelmann denkt schon jetzt mit Grausen an den 31. Dezember.

Denn am Donnerstag wird der Dorstener sein Geschäft für immer schließen, nach mehr als 45 Jahren. „Ich werde es sehr vermissen“, sagt der 77-jährige Apotheker. „Das ist ein sehr schöner Beruf, aber aus Alters- und Gesundheitsgründen ist jetzt doch der richtige Zeitpunkt gekommen.“

Die Kloster-Apotheke ist 1952 gegründet worden, von seinem Schwiegervater Erich Rochol. Den Namen hatte er wegen des inzwischen abgerissenen Franziskanerklosters gewählt, das direkt auf der anderen Straßenseite lag. „Die Klosterkirche hat immer unser Emblem geziert“, sagt Volker Winkelmann.

Elf Angestellte

Es gibt nicht viele Apotheken in Dorsten, die älter sind als seine. Drei, vier zählt der 77-Jährige, der ursprünglich aus Buer stammt, auf. Er hatte die Geschäfte von seinem Schwiegervater übernommen. „Elf Angestellte hatte ich zu den besten Zeiten“, sagt er.

Ein Bild aus früheren Jahren: Volker Winkelmann hinter dem Verkaufstresen.
Ein Bild aus früheren Jahren: Volker Winkelmann hinter dem Verkaufstresen. © Privat © Privat

Er betont, dass sich auch in seinem Gewerbe die Arbeitsweisen geändert haben, vor allem handwerklich. „Früher haben wir viele Pillen noch selbst hergestellt“, so Volker Winkelmann, „heute rühren wir nur noch die Salben an, die von Hautärzten verordnet werden.“ Und ansonsten sei „alles immer viel bürokratischer“ geworden.

In den Regalen ist es museal

Nicht sehr viel verändert hat sich allerdings beim Mobiliar der Kloster-Apotheke. Dieses atmet noch den Stil von früher. Und in den Regalen rechts vom Eingang ist es sogar richtig museal: Da stehen venezianische Apotheker-Gefäße neben Glas-Standbehälter für Pharmazie-Erzeugnisse, die der Dorstener in Antiquariaten in London erworben hatte.

Volker Winkelmann ist immer ein begeisterter Sammler gewesen. Und so will er sich während seines Ruhestands auch endlich intensiver seiner Uhren-Kollektion widmen.

„Die Kloster-Apotheke ist Stadthistorie“, sagt Kunde Peter Koerber. Der Dorstener Fotograf nutzt derzeit das Angebot, das Volker Winkelmann als Freund der schönen Künste den Dorstener Kreativen gemacht hat: „Kunst im Schaufenster.“ Vor 35 Jahren, so erzählt der Apotheker, habe er erstmals dem hiesigen Künstler Rüdiger Goeritz eine solche Ausstellungsfläche gegeben – viele weitere folgten.

Nachfolge unklar

Was aus der Ladenfläche nach seinem Auszug wird, das weiß Volker Winkelmann nicht. Die Arztpraxis oben im Haus ist umgezogen, dass unten erneut eine Apotheke einzieht, sei wohl nicht wahrscheinlich.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
Zur Autorenseite
Michael Klein

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.