Tödliche Kindesmisshandlung: Oma kommt über den Tod des kleinen Lukas nicht hinweg

Kindeswohlgefährdung

Eine Oma (53) kommt über den gewaltsamen Tod ihres Enkels (3) nicht hinweg. Sie sucht nach Gründen, warum ihr Lukas* sterben musste, zu Tode misshandelt wurde.

Dorsten

, 01.03.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wöchentlich sterben in Deutschland drei Kinder an ihren Misshandlungen. Der kleine Lukas hat die Misshandlungen ebenfalls nicht überlebt.

Wöchentlich sterben in Deutschland drei Kinder an ihren Misshandlungen. Der kleine Lukas hat die Misshandlungen ebenfalls nicht überlebt. © dpa

Eine 53-jährige Oma klagt das Dorstener Jugendamt an, im Fall ihres Enkels die Kindeswohlgefährdung übersehen zu haben. Das Kind wurde von einem Lebenspartner der Mutter zu Tode misshandelt. Die Oma und die Ärzte, die mit dem Kind zu tun hatten, haben regelmäßig dem Jugendamt Meldungen gemacht, dass die Mutter mit der Erziehung des Kleinen überfordert ist. „Diese Tragödie hätte vermieden werden können“, sagt sie.

„Wir waren ganz eng miteinander“, sagt Oma Monika Schulz* (*Namen von der Redaktion geändert). Monika Schulz hat ihren Enkel Lukas über alles geliebt. Im Alter von drei Jahren wurde ihr das Kind auf tragische Weise entrissen. Ein neuer Lebenspartner der Mutter misshandelte Lukas zu Tode. Der Mann sitzt nach seiner Verurteilung in Haft.

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Die Großmutter lässt die Verurteilung des Täters nicht ruhen. „Das Urteil verschafft mir keine Genugtuung“, sagt sie. Sie forscht unermüdlich nach den Ursachen, warum Lukas nicht vor psychischer und physischer Gewalt geschützt werden konnte. Denn Lukas und seine persönlichen Umstände waren dem Jugendamt seit seiner Geburt im Jahr 2012 bekannt.

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„Hinweise wurden nicht ernst genommen“

Monika Schulz sagt, dass das Dorstener Jugendamt Hinweise von ihr und von behandelnden Ärzten nicht ernst genug genommen habe. „Im Oktober 2015 hat es in der Jugendamtsakte von Lukas nachweislich einen Vermerk gegeben, dass sein Wohl in der Obhut seiner Mutter gefährdet ist“, sagt Monika Schulz. Das Jugendamt habe aber nichts unternommen, um ihn zu schützen. Stattdessen konnte seine Mutter mit ihm in eine benachbarte Stadt ziehen. Dort endete Lukas Lebensgeschichte tragisch.

Wann greifen Jugendämter eigentlich ein - und wann nicht?

„Systemisches Versagen“ werfen Fachleute Jugendämtern vor. Die Dorstener Sonderpädagogin Hildegard Overfeld, die mit misshandelten und missbrauchten Kindern in ihrem Perspektive-Haus in Dorsten zu tun hat, sagt, dass die Mitarbeiter der Jugendämter Fälle zwar „akribisch dokumentieren, aber nicht handeln“. Auch Monika Schulz hat vier Aktenordner mit Unterlagen, die Lukas Lebens- und Leidensweg nachzeichnen.

Alle Unterlagen hat Monika Schulz aber nicht zu sehen bekommen. Das Dorstener Jugendamt verweigert Akteneinsicht. Monika Schulz versucht zurzeit, Akteneinsicht vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen zu erstreiten.

Die Frage, warum Mütter solchen Tätern ihre Kinder schutzlos überlassen, hat uns der Dorstener Psychotherapeut Thomas Schregel beantwortet. Er sagt auch: „Die meisten Menschen haben eine Schlaghemmung bei Kindern. Aber nicht alle.“

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