Fotoverbote bei der Einschulung werden bundesweit diskutiert. Wir erklären, worauf Eltern achten müssen und welche Regeln an Dorstener Grundschulen gelten. An zwei Schulen gibt es Verbote.

Dorsten

, 27.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Foto von der Einschulung darf in keinem Fotoalbum fehlen. Ein bleibendes Andenken an die Kindheit, das noch herumgereicht wird, wenn die Erinnerung an den ersten Schultag längst verblasst ist. Heute zücken Eltern eher ihre Handys. Doch seit Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im vergangenen Jahr ist die Verunsicherung groß. Ist das Fotografieren überhaupt noch erlaubt?

Was sollten Eltern beachten?

Die wichtigste Regel lautet: vorher fragen. Sowohl das eigene Kind, ob es fotografiert werden möchte, als auch andere Personen, die mit auf dem Bild landen könnten. Sind Kinder zu sehen, müssen die Erziehungsberechtigten zustimmen.

Dies galt schon lange vor der DSGVO. Denn bereits seit 1907 gilt in Deutschland das „Recht am eigenen Bild“, das die Verbreitung oder Veröffentlichung ohne Einwilligung des Abgebildeten verbietet. Selbst ohne Veröffentlichung kann das Fotografieren von Dritten einen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht darstellen.

Davon gibt es Ausnahmen, Einschulungen gehören aber nicht dazu, wie die Bezirksregierung mitteilt. Wer sich nicht daran hält, kann mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe bestraft werden. Verantwortlich ist, wer fotografiert, und nicht etwa die Schule, auch wenn diese das Fotografieren gestattet.

Was hat die DSGVO damit zu tun?

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sagt nichts zum Fotografieren selbst. In ihr geht es allein darum, wie die Fotos gespeichert, verarbeitet und verbreitet werden. Das Wichtigste dabei: Die private Nutzung, etwa ein Abzug für das Familienalbum oder für die Großeltern, ist weiterhin nicht verboten. Dies gilt auch für Fotos, auf denen andere Kinder als die eigenen zu sehen sind, sofern alle zugestimmt haben.

Problematisch ist vor allem die Verbreitung der Fotos im Internet. Das Hochladen bei Facebook, Instagram, Whatsapp und Co. ist nie privat, weil die Fotos auf den Servern kommerzieller Unternehmen gespeichert werden. Fotos mit anderen Kindern als den eigenen dürfen daher ohne Zustimmung auch in geschlossenen Gruppen nicht geteilt werden. Die Bezirksregierung Münster rät: „Im Zweifelsfall lieber auf das Teilen bei Facebook & Co. verzichten.“

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Wie gehen die Schulen damit um?

Unabhängig von der Rechtslage dürfen Schulen ihre eigenen Regeln zum Fotografieren bei Schulveranstaltungen wie der Einschulung aufstellen. „Grundsätzlich entscheidet die Schulleitung, ob sie das Fotografieren (und Filmen) auf dem Schulgelände und im Gebäude grundsätzlich untersagt oder aber mit entsprechenden Hinweisen und Einschränkungen erlaubt“, teilt die Bezirksregierung Münster mit. Erste Schulen im Land haben Fotoverbote verhängt.

Die meisten Dorstener Grundschulen dagegen belassen es bei Hinweisen an die Eltern, die an die geltende Rechtslage erinnern. Hingewiesen wird etwa auf das Recht am eigenen Bild und die ausschließlich private Nutzung.

„Die Eltern werden – wie bei jeder größeren Veranstaltung – mündlich darauf hingewiesen, dass sie nur ihre eigenen Kinder und Menschen, von denen sie das Einverständnis haben, fotografieren dürfen“, sagt etwa Herbert Rentmeister, Schulleiter der Agathaschule. „Damit ist der Datenschutzverordnung Genüge getan.“

Gibt es Fotoverbote in Dorsten?

Deutlich weiter gehen die Don-Bosco-Schule in Lembeck und die Grüne Schule an der Talaue in Wulfen-Barkenberg. Denn an beiden Schulen ist das Fotografieren mit dem Handy verboten. Der Einsatz einer reinen Fotokamera ist dagegen gestattet. „Darauf weisen wir bei jeder Veranstaltung hin“, sagt Rita Schmäing, Schulleiterin der Don-Bosco-Schule.

„Mit dem Handy sind die meisten vernetzt, da klickt man schnell auf ‚teilen‘“, erklärt Rektorin Ulrike Goliath das Handyverbot an der Grünen Schule. „Wir können nicht zulassen, dass die Bilder in alle Welt verschickt werden.“

Einschulungsfotos: Was an Dorstener Schulen verboten ist und was erlaubt

„Das war eine Katastrophe“, sagt Schulleiterin Ulrike Goliath. Deshalb ist das Fotografieren im Gottesdienst sowie mit dem Handy an der Grünen Schule untersagt. © Foto: Claudia Engel



Viele Eltern seien von der Regelung alles andere als begeistert. Denn viele junge Eltern besitzen gar keine Kamera, fotografieren ausschließlich mit dem Handy. „Die Eltern verstehen das nicht, da gibt es viel Unmut“, so die Schulleiterin.

Auch mit der reinen Kamera gelten an der Grünen Schule Einschränkungen. So ist das Fotografieren in der Kirche gänzlich untersagt. Und bei der Feier in der Schule dürfen Eltern nur von ihrem Platz aus fotografieren.

Dies allerdings nicht nur aus Datenschutzgründen. „Bei der Kindersegnung im Gottesdienst sind die Eltern früher nach vorne gestürmt und haben andere Kinder zur Seite gedrängt, um ihr Kind zu fotografieren. Das war eine Katastrophe“, so Goliath. Deshalb habe die Schule Briefe an die Eltern verschickt. Diese sollten die Eltern vor allem an eines erinnern: Nicht das Foto, sondern das gemeinsame Erlebnis solle im Mittelpunkt stehen.

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