Der Verzicht auf Masken und Abstand erleichtert Erkältungsviren die Verbreitung. (Symbolbild) © picture alliance
Untrainiertes Immunsystem

Erkältungswelle rollt und hat in Dorsten jetzt auch die Erwachsenen erreicht

Wo Kinder sind, wird gerade viel geschnäuzt und gehustet. Die Erkältungswelle rollt. Unser Immunsystem ist schlecht trainiert nach den Corona-Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln.

Es begann vor etwa zwei Wochen mit den Kindern“, hat Apothekerin Ferda Hömke beobachtet. Viel früher als sonst seien Eltern in die Achtsam-Apotheke in den Mercaden gekommen, um vor allem Husten-Medikamente für die lieben Kleinen zu besorgen.

„Jetzt sind die Eltern dran, die sich bei den Sprösslingen angesteckt haben“, berichtet die Apothekerin. „Und es wird durchaus von schweren und langen Verläufen berichtet.“

2020 gingen meldepflichtige Infektionskrankheiten stark zurück

Im vorigen Jahr seien die Infektionen dank Lockdown und Social Distancing zurückgegangen, berichtet die Dorstener Apothekerin. Das Robert Koch-Institut (RKI) bestätigt, dass die Corona-Pandemie 2020 zu einem drastischen Rückgang meldepflichtiger Infektionskrankheiten in Deutschland geführt hat.

Apothekerin Ferda Hömke
Apothekerin Ferda Hömke © Archiv © Archiv

Masern, Keuchhusten, Magen-Darm-Viren – Masken und Abstand haben vor Ansteckungen bewahrt. „Aber jetzt treffen wir wieder mehr Menschen, haben Schulen und Kitas wieder geöffnet und stecken uns wieder mehr an“, erklärt Ferda Hömke, die vielen Ratsuchenden dazu rät, bei Erkältungssymptomen zumindest einen Corona-Selbsttest zu machen.

Wegen der Corona-Pandemie ist das Immunsystem untrainiert

Dass die Erkältungswelle diesmal viel früher rollt als sonst, erklären Mediziner mit dem untrainierten Immunsystem, das während der Pandemie wenig Kontakt mit „feindlichen“ Erregern hatte. Die gleichzeitig abnehmende Bereitschaft für Abstand und Mundschutz macht vielen Ärzten auch in Sachen Influenza Sorgen.

Sie erwarten nicht, dass die Grippe erneut „ausfällt“, im Gegenteil: Sie raten dringend zur Grippeschutzimpfung.

Der Grippeimpfstoff für die Saison 2021/2022 steht bereit. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Für über 60-Jährige empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) diesmal einen hochdosierten Impfstoff, der einen besseren Schutz verspricht. Unter 60-Jährige werden mit dem gewohnten Vierfach-Impfstoff versorgt. Vor einer Erkältung schützt die Impfung bekanntermaßen nicht.

Erkältungssymptome verunsichern Eltern und Erzieherinnen

Erkältungswellen gibt es jedes Jahr und sie machen auch nicht vor Kitas halt. Aber in diesem Jahr ist es schon etwas anderes. Eltern und Personal seien teilweise verunsichert, weil man nicht wisse, ob es sich um eine Erkältung, die Grippe oder Symptome von Covid-19 handele, sagt Mechthild Brinkmann, Leiterin der Kita St. Marien in Hervest. „Für unsere Einrichtung kann ich aber sagen, dass wir damit sehr gut klarkommen, weil die Eltern sehr verständnisvoll sind.“

Mechthild Brinkmann spricht sich in der aktuellen Situation dafür aus, Kinder im Zweifel lieber einen Tag mehr zu Hause zu lassen, um Ansteckungen im Allgemeinen zu verringern.

Die Erkältungswelle sei in ihrer Einrichtung bislang nicht anders verlaufen als in anderen Jahren, hat Anna Stenpaß beobachtet. „Unsere Eltern gehen sehr verantwortungsbewusst mit dem Thema um, sodass es keine größeren Wellen gibt“, sagt die Leiterin der Kita St. Urbanus in Rhade.

Corona gibt es derzeit nur in einer Kita, gehustet wird fast überall

Was Corona betrifft, hat man dort gute Erfahrungen mit den Lolli-Tests für den Selbstgebrauch gemacht: „Das wird von den Eltern gut angenommen. Die Kinder werden zweimal die Woche getestet und dadurch bekommen wir eine relativ hohe Sicherheit“, sagt Anna Stenpaß. Grundsätzlich sei man schon lange darum bemüht, gemeinsam mit den Kindern einen normalen Alltag zu erleben und sich nicht verunsichern zu lassen.

Nach Angaben der Kreisverwaltung ist zurzeit lediglich eine Kita in Dorsten von Corona betroffen.

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Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch
Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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