Gottesdienst im Autokino: Darf man sich über den Tod lustig machen?

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Zum ersten Mal ist im Autokino in Dorsten ein Gottesdienst gefeiert worden. Über 200 Gläubige waren am Pfingstsonntag da. Nicht nur dem Pfarrer gefiel die Predigt vor einer Blechlawine.

Dorsten

, 31.05.2020, 17:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so erfreut sein werde, vor einer so großen Blechlawine zu stehen“, so Andreas Deppermann, Pfarrer der evangelischen Martin-Luther-Kirche. Am Sonntag luden die evangelischen Gemeinden Dorstens zu einem Pfingstgottesdienst ins Dorstener Autokino ein. 236 Gläubige folgten der Einladung.

„Man muss es einmal erlebt haben“

„Der Gottesdienst hier ist etwas ganz anderes als in einer Kirche“, sagte Familie Mertens. „Man muss es einmal erlebt haben! Die Kirchengemeinden und Mitorganisator Nightaffairs haben einen tollen Gottesdienst auf die Beine gestellt. Man sollte das während der Pandemie öfter anbieten.“

Es war der erste Auto-Gottesdienst in Dorsten. Neben Pfarrer Andreas Deppermann predigte Jens Vogel von der Kirche im Hervester Bahnhof. Den Gottesdienst moderierten Vikarin Denise Bongers und Karl-Erich Lutterbeck, Pfarrer der Dorstener Johanneskirche. Die Band „Intakt“ begleitete den Gottesdienst musikalisch.

Andreas Deppermann predigte beim Autogottesdienst.

Andreas Deppermann predigte beim Autogottesdienst. © Ralf Pieper

Der Gottesdienst war eine Mischung aus Predigten über Erfahrungen mit Gott, modernen Liedern zum Mitsingen und..... Kabarett, das die Angst vorm Sterben in Coronazeiten ein wenig auf die Schippe nahm.

Corona hat dern Blick auf Leben und Tod verändert

„Der Koch gibt den Löffel ab, der Gemüsehändler schaut sich die Radieschen von unten an, der Zahnarzt hinterlässt eine schmerzhafte Lücke, der Gynäkologe scheidet dahin.“ Kabarettist Martin Wilms meint: „Corona hat unseren Blick aufs Leben und den Tod verändert. Besonders am Anfang der Pandemie hatten viele Leute Angst vorm Sterben. Aber warum? Für den, der glaubt, ist der Tod etwas Schönes, denn der Geist Gottes in ihm wird weiterleben. Und darum dürfen wir uns heute auch über den Tod ein wenig lustig machen.“

In seiner anschließenden Predigt stimmte Jens Vogel zu: „Für den, der glaubt, hat der Tod seine Macht verloren.“ Es folgten Videozeugnisse auf der großen Leinwand. Gemeindemitglieder berichteten, wie Corona sie im Glauben beeinflusst.

Fürbitten kamen über WhatsApp

Während des Gottesdienstes hatten die Anwesenden die Gelegenheit, ihre Wünsche für die Fürbitten per WhatsApp zu übermitteln. Diese wurden zusammengefasst und vorgetragen. Auch hier ging es vor allem um Kraft in schwierigen Zeiten. „Ich habe mehr Zeit, über Gott nachzudenken, mehr Zeit zu beten.“ „Die Corona-Krise hat mir deutlich gemacht, wie wichtig der Glaube für mich ist.“ „Ich habe in verzweifelten Momenten Gott gespürt, und das hat mir Kraft gegeben.“

Bei den Liedern von „Intakt“ wurde lautstark mitgesungen.

Bei den Liedern von „Intakt“ wurde lautstark mitgesungen. © Ralf Pieper

In den Autos wurde gebetet und sehr lautstark mitgesungen. Einige Gläubige nutzten die Abgeschiedenheit in ihrem Auto und knabberten Chips während des Gottesdienstes oder aßen ihren Frühstücksjoghurt. Alle Befragten waren sich einig: Der Autogottesdienst ist eine tolle Sache. Stellvertretend für viele sagte Familie Kauer: „Ein sehr gelungener Gottesdienst. Wir würden jederzeit wiederkommen.“

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