Eulenspiegelei mit Martin Wilms

DORSTEN "Ich darf das hier. Und wenn nicht, nicht." Klare Verhältnisse schuf Martin Wilms gleich zu Beginn seines gleichnamigen Kabarettprogramms, das Freitagabend im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kultur am Bahnhof Premiere feierte.

24.09.2007, 17:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Vergangenen Freitag und Samstag zeigte Martin Wilms nicht nur, was er alles durfte (oder auch nicht), sondern vor allem, was er alles kann. Und das ist, subtil-ironisches Kabarett mit Witz und Charme zu machen, ohne dabei in sterbenslangweilige Klischees abzustürzen, wie das bei den Kollegen leider nur allzu häufig geschieht.

Das Publikum in den Räumlichkeiten der Freien Christengemeinde am Hervester Bahnhof zollte diese Kunstfertigkeit mit begeistertem Applaus und nicht Enden wollendem Gelächter. Vom Wunder der Geburt bis hin zum Aufenthalt im Seniorenheim durchleuchtete sein wacher Blick in köstlichen Anekdoten den alltäglichen Irrsinn der Gesellschaft. Und da war alles dabei: Improvisiertes, wohl formulierte Lesungen und schwungvoll Gesungenes.

Der Abend wuchs mit der inhaltlichen Ausgestaltung des Programms. Da waren zuerst Wilms Beobachtungen zum Thema Geburt. Im Kreiss-Saal der gesellschaftlichen Rollenverteilung fielen die Männer trotz oder gerade wegen ihrer Männlichkeit in Ohnmacht während die Frauen völlig abgeklärt das (neue) Leben in Empfang nahmen.

Dann war da die Absurdität pädagogischer Konzepte, als es darum ging, den Nachwuchs beim programmatisch alternativen Waldorfkindergarten anzumelden. So nahm das obligatorische Wollzupfen für Eltern potentieller Kinder-Kandidaten unter Wilms Blick rasch ironisch-kritische Formen an.

Da waren die Analysen selten peinlicher Fußballer-Zitate, mit denen Wilms sein johlendes Publikum beglückte. Abseits des Rasengrüns enttarnte er diese ausgelatschten Dummheiten als das, was sie sind: eine mediengestützte Verballhornung des deutschen Fernsehzuschauers. Das gelang Wilms so gut, weil er eben wagt, auch einmal selber nachzudenken.

Alltagswahnsinn

Daran schloss sich passender Weise gleich die selbstkritische Analyse des allgemeinen Umgangs mit der deutschen Sprache an. Und da durfte dann auch die liebevolle Verulkung des wunderbar schiefen Ruhrgebietsdeutsch natürlich nicht fehlen.

Alltagswahnsinn und wahnsinniger Alltag, das ist der Stoff aus dem Martin Wilms "Klare Verhältnisse" schafft. Eine Eulenspiegelei der großen Art. EK

Lesen Sie jetzt