Facebook-Hetze gegen das Jüdische Museum in Dorsten

Bürgermeister erstattet Anzeige

Rassistische und antidemokratische Inhalte und Kommentare: Nachdem auf einer Facebook-Seite gegen das Jüdische Museum in Dorsten gehetzt wurde, hat Bürgermeister Lambert Lütkenhorst Anzeige erstattet.

DORSTEN

von Von Michael Klein

, 08.05.2013, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

  • Auf einer Facebook-Seite wird mit rassistischen und antidemokratischen Kommentaren gegen das Jüdische Museum Dorsten gehetzt
  • Daraufhin hat Dorstens Bürgermeister Anzeige wegen wegen Volksverhetzung erstattet
  • Mehrer Bürger haben Facebook auf die Seite aufmerksam gemacht. Bis zum späten Mittwochnachmittag war die Seite nach wie vor verfügbar. Erschreckend: Auch die Zahl der Fans ist in kürzester Zeit gewachsen
  • Das Jüdische Museum bezeichntete in einer Reaktion die Einträge als "eklig" und "unangenehm". Leiter Dr. Norbert Reichling spricht von Volksverhetzung.  

Mehrere Dorstener Bürger haben bereits kundgetan, dass sie das  Unternehmen „Facebook“ auf den Inhalt der Seite aufmerksam gemacht hätten. Doch bis jetzt sind die Kommentare im Netz zu finden. „Nutzer können jegliche Inhalte, die gegen die Richtlinien von Facebook verstoßen, melden. Nachdem eine Meldung bei Facebook eingegangen ist, wird diese von einem Team überprüft und anschließend eine passende Maßnahme ergriffen“, heißt in den Facebook-Richtlinien. Zudem gibt Facebook nur ein Minimum an Informationen an Strafverfolgungsbehörden heraus. Man muss also abwarten, was mit der Seite, deren Server im Ausland liegt, passiert. Dr. Norbert Reichling, Leiter des Jüdischen Museum, bezeichnete die Einträge als „eklig“ und „unangenehm“: „Das geht schon einschlägig in Richtung Volksverhetzung.“ Dass es eine solche Seite auf „Facebook“ gibt, wundert ihn indes nicht. „Das Problem ist, dass dort diese Anonymität erlaubt ist, da finden sich immer welche, die solche Äußerungen tätigen.“

Die Betreiber dieser Internet-Seite faseln von „Kollektivschuld“ und „Knechtpolitik“. Sie fordern in einem Info-Kasten in falscher Rechtschreibung auf: „Traut euch das aus zu sprechen was die schweigende Mehrheit denkt. Wir sind weder links noch rechts politisch!!! Wir sind normale Bürger wie sie und sagen nein zu der ewigen Schuld und den Zwangsunterricht unserer Kinder in einer solchen Institutionen.“ Schlimmer sind jedoch die hetzerischen Kommentare von Besuchern der Seite, die wir an dieser Stelle nicht zitieren wollen. CDU-Ratsherr Johannes Götte hatte bereits am Dienstag in Internet-Portalen auf die betreffende Seite aufmerksam gemacht und um Vorschläge gebeten, wie man diese schließen kann. Er und weitere Nutzer aus Dorsten hatten daraufhin das  Unternehmen Facebook auf den Inhalt der Seite aufmerksam gemacht. Doch bis jetzt ist die Seite im Netz zu finden. Auf Grund der Berichterstattung über den Fall im Internet hat sich die Zahl der Unterstützer der Seite inzwischen erhöht. Hatte die Seite am Mittwochmorgen 83 "Gefällt mir"-Angaben, sind es mittlerweile schon über 100. „Meinungsfreiheit? Demokratie im Sinne der selbsternannten Demokraten und Einschränkung jeglicher Oppositioneller Meinungen! Ein weiteres Zeichen dafür wer das sagen in diesem Land wirklich hat“, kommentierte der Betreiber am Nachmittag die Erstattung der Anzeige.

Dorstens Bürgermeister hat eine Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Die Anzeige richtet sich gegen die Betreiber und Herausgeber einer Facebook-Seite, auf der gegen das Jüdische Museum in Dorsten gehetzt wurde.   „Der Inhalt der Seite und die darauf geposteten Kommentare sind rassistisch und antidemokratisch“, sagt Lambert Lütkenhorst. „Dass alleine 83 Leser diese Seite positiv bewertet haben, erschreckt mich besonders.“

  Die rassistische Seite wurde eher per Zufall entdeckt. Bürger hatten den Bürgermeister darauf aufmerksam gemacht. Lambert Lütkenhorst war erschrocken, als er die Kommentare las: „Das ist ein absoluter Sumpf. Das muss sofort aufhören, deshalb habe ich sofort reagiert und die Anzeige aufgesetzt.“   Auf der Seite wurden weitere Links veröffentlicht. Dabei habe sich nach Angaben der Stadt der Eindruck verfestigt, dass das Soziale Netzwerk genutzt wird, um rassistisches und nationalsozialistisches Gedankengut zu verbreiten. Mit der Anzeige will der Bürgermeister die weitere Verbreitung der Seite stoppen.

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