Fahrräder statt Autos: Erstmaliger Parking Day in Dorsten

mlzMobilität

Weltweit wird am dritten Freitag im September am Parking Day auf asphaltierte Flächen, die für Autos reserviert sind, aufmerksam gemacht. In Dorsten rief die Aktion die Polizei auf den Plan.

Dorsten

, 18.09.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zum ersten Mal fand der Internationale Parking Day in Dorsten statt. Der ADFC hatte dafür am Freitagnachmittag zwei Parkplätze am Südwall besetzt. Damit wollten die Initiatoren auf die ungerechte Platzverteilung aufmerksam machen und für fahrradfreundliche Stadtplanung kämpfen.

Pflanzen, Kunstrasen und Fahrräder - das war ein ungewöhnliches Bild am Südwall/Südgraben. Eigentlich stehen hier Autos, aber nicht am Freitagnachmittag. Bärbel Pötsch und Ursula Marschalek von der Klimainitiative Dorsten hatten es sich auf dem Südgraben-Parkplatz bequem gemacht. In der Sonne genossen sie ein Eis, Pflanzen brachten etwas Grün ins trostlose Grau.

Polizei will Erlaubnis des Ordnungsamts sehen

Um 15 Uhr hatten die zwei Frauen begonnen, eine Parklücke an der viel befahrene Straße neben der Volksbank demonstrativ mit Fahrrädern zuzustellen. Flatterband des ADFC und ein Schild mit der Aufschrift „Heute 1 Parkplatz für 10 Fahrräder statt 1 Auto“ machten die Passanten auf die Aktion aufmerksam.

Eine Person fühlte sich offenbar gestört durch die Besetzung und das bunte Treiben auf dem Parkplatz und rief die Polizei. Ein kurzer Schock für Initiatorin Bärbel Pötsch, die den Beamten eine Erlaubnis des Ordnungsamtes vorzeigen sollte. „Ich habe eine mündliche Zusage bekommen“, erklärte sie.

Den drei Polizeibeamten reichte dies jedoch nicht. Auf dem „kurzen Dienstweg“ bekam die Polizei die Erlaubnis dann aber doch bestätigt. Erleichterung bei Bärbel Pötsch.

Am Südwall belegten Fahrräder einen Autoparkplatz.

Am Südwall belegten Fahrräder einen Autoparkplatz. © Lydia Heuser

Versiegelte Flächen heizen die Stadt auf

Mit der Aktion wollten die Frauen demonstrieren, wie asphaltierte Flächen auch genutzt werden könnten. „Mein Traum wäre, die Grünfläche zu erweitern. Deshalb haben wir speziell diesen Platz ausgewählt“, so Bärbel Pötsch. Sie meinte damit den Wassergraben, der sich in Richtung Innenstadt schlängelt und von Insekten, Enten und Fischen bewohnt wird.

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„Gerade Großstädte heizen sich immer weiter auf durch die vielen versiegelten Flächen“, erklärte Pötsch. Grün- und Wasserflächen seien deshalb wichtig für das Stadtklima.

Autos stehen fast den ganzen Tag

Derzeit sind fast 62.000 Autos in Dorsten zugelassen. Laut ADFC stehen Autos im Schnitt deutschlandweit 23 Stunden am Tag und werden nicht bewegt. Um einen geeigneten Parkplatz für das Fahrzeug zu finden, kurven Autofahrer 560 Stunden im Jahr durch die Straßen, 330 Euro Sprit verbrauchen sie – allein für die mühselige Parkplatzsuche. Und trotzdem stehen Autos nicht selten in zweiter Reihe, auf dem Bordstein oder Radweg. Sie beanspruchen wertvollen Platz, der ihnen eigentlich gar nicht zustehe.

Und viele kurze Wege innerorts könne man eh viel besser mit dem Fahrrad zurücklegen. Bärbel Pötsch plädiert zum Beispiel für ein Lastenfahrrad. Seit drei Jahren besitzt sie eines, erledigt damit Einkäufe und kurze Fahrten. Es lässt sich sogar zu einem Tandem umfunktionieren. Die vordere Person fährt dann ein Liegefahrrad und die zweite Person sitzt wie gewohnt auf dem Sattel. „Mein Sohn und seine Freundin machen damit Urlaub. Packen ein Zelt ein und los geht‘s“, schwärmte sie.

Ganz ersetzen kann das Familienrad das Auto bei ihr aber nicht. „Beruflich bin ich leider auf ein Auto angewiesen. Das Lastenrad steht hier, um zu zeigen, dass man damit eine Menge bewegen kann.“ Rechts und links des Tretlagers sind auf Ladeflächen je eine Kiste Sprudelwasser geschnürt. Vor den Lenker ist ein großer Einkaufskorb geschnallt, darin ein ganzen Warenkorb mit Lebensmitteln. „Der Bäcker liegt meistens um die Ecke, da muss man nicht das Auto nehmen“, plädierte die Fahrradfahrerin.

Den Internationalen Parking Day rief 2005 die Rebar Group ins Leben. Der ADFC macht auf den Flächenverbrauch von Autos unter dem Titel „Fahrradland Deutschland. Jetzt“ bundesweit aufmerksam. Bedingung des Erfinders ist, dass die besetzten Flächen nicht zu kommerziellen Zwecken genutzt werden.
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