Eine 77-jährige Frau aus Dorsten ist leichtgläubiges Opfer eines gemeinen Polizisten-Tricks geworden - noch heute leidet sie unter den Folgen der Geschehnisse.

Dorsten

, 04.11.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war ein Anruf, dessen unangenehme Folgen noch heute die Psyche einer 77-jährigen Frau aus Dorsten belasten. Am 28. Mai dieses Jahres klingelte bei der Seniorin das Telefon, am anderen Ende der Leitung meldete sich ein „Kommissar Fischer“, der ihr weismachte, dass unweit ihres Hauses in der Altstadt eine rumänische Diebesbande erwischt worden sei.

Die Festgenommenen hätten Unterlagen mit den Bankverbindungen der 77-Jährigen bei sich gehabt, weswegen es wichtig sei, dass die Dorstenerin bei der Überführung der Täter mithelfe.

„Ist noch heute peinlich“

„Mir ist bis heute peinlich, dass ich so naiv war und dem Anrufer auf den Leim gegangen bin“, erklärte die Frau am Donnerstag am Rande einer Gerichtsverhandlung im Dorstener Amtsgericht. Dort musste sich einer der Mittäter für das Geschehen an diesem Tag verantworten.

Denn die Dorstenerin war dem „Polizisten-Trick“ aufgesessen: 18.000 Euro Bargeld übergab sie einem falschen Polizeibeamten. Der Trick läuft so ab: Zumeist von Call-Centern in der Türkei aus rufen die Hintermänner der Banden Telefonnummern in Deutschland an, geben sich als Polizisten aus, um an Geld oder Schmuck zu kommen. Ihre Opfer tragen Namen, die darauf schließen lassen, dass sie schon hochbejahrt und deshalb möglicherweise ein leichtes Opfer für Gaunereien sind.

„Wirkte alles glaubhaft“

Immer mal wieder klappt die Masche, so auch bei der Dorstenerin: „Das wirkte in dem Moment alles so professionell und glaubhaft“, sagte sie. „Kommissar Fischer“ erzählte ihr, dass die Polizei die Seriennummern ihres Geldes überprüfen müsse und brachte die 77-Jährige dazu, ihre Ersparnisse von der Bank abzuholen - womöglich sei Falschgeld darunter.

Die Seniorin tat wie ihr geheißen. In der Zwischenzeit informierten die Hintermänner ihre Mittelsmänner - die saßen in Bremen. Einer von ihnen rief den 34-jährigen Angeklagten an und sagte ihm, dass er einen Job für ihn habe: Er solle schnell nach Dorsten fahren, dort 18.000 Euro abholen, zehn Prozent könne er als Provision behalten.

Geldübergabe in Dorsten

Mit einem Bekannten machte sich der Angeklagte auf den Weg von Bremen nach Dorsten. Hier angekommen, erledigte sein Beifahrer schließlich die Geld-Übergabe: Das Opfer überreichte, wie vorher am Telefon mit „Kommissar Fischer“ abgesprochen, zunächst acht Geldscheine an den vermeintlichen Polizeibeamten, der da vor ihrer Haustür stand. „Alles Falschgeld“, erklärte der falsche Polizist - weswegen er leider den Rest des Gelds auch konfiszieren müsse.

Pech für das Duo, dass eine polizeiliche Sonderkommission die Bremer Mittelsmänner vorher während einer Telefonüberwachung abgehört hatte. So überwachten Kripobeamte - ohne allerdings die Frau vorher darüber eingeweiht zu haben - per Fernglas die Geldübergabe in Dorsten. Und warteten ab, bis der Deal über die Bühne gegangen war. Am Abend erhielt die Seniorin dann einen Anruf von der echten Polizei: Die beiden Bremer wurden auf der Autobahn bei Münster geschnappt, ihre 18.000 Euro bekam die 77-Jährige schließlich wieder.

Eine „Schweinerei“

Der Fahrer erklärte vor Gericht glaubhaft, dass er zunächst nicht wusste, „in welche Schweinerei ich da reingezogen wurde“ und wer sein telefonischer Auftraggeber gewesen sei. „Er hat sich nicht mit Namen gemeldet.“ Erst als in Dorsten per Telefon die Anweisung bekam, sich gegenüber der Frau als Polizist auszugeben, „ist uns klar geworden, was hier abläuft“, sagte er zerknirscht. Sein Bekannter, der sich in Bremen vor Gericht verantworten muss, und er hätten sich aber nicht getraut, ohne Beute zu ihren Auftraggebern zurückzukehren.

Zwei Jahre auf Bewährung

Während der Staatsanwalt zwei Jahre und vier Monate Haft forderte, beließ es das Schöffengericht bei zwei Jahren auf Bewährung („Er ist nur eine Randfigur“), das Auto wurde eingezogen. Der Anwalt des 34-Jährigen betonte in seinem Plädoyer, dass die vollendete Tat nicht hätte passieren müssen. Dann nämlich, „wenn die Polizei vorher eingeschritten wäre und nicht abgewartet hätte, um die Männer auf frischer Tat zu ertappen“. So hat die Dorstenerin noch heute mit den Folgen zu kämpfen. „Ich bin viel ängstlicher geworden und zucke immer zusammen, wenn ich ein Auto mit Bremer Kennzeichen sehe“, sagte sie.

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