Familie wartet schon seit Monaten auf die Bestattung der Urne

mlzKolumbarium Waldfriedhof

Seit fünf Monaten wartet die Familie auf den Wunsch-Platz für die Urne einer Verstorbenen. Jetzt soll das Kolumbarium auf dem Waldfriedhof in Holsterhausen endlich fertig werden.

Holsterhausen

, 16.08.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als die Schwiegermutter von Andreas Rewald am 10. März 2020 nach langer, schwerer Krankheit starb, wusste die Familie, dass eine Beisetzung im Kolumbarium auf dem Holsterhausener Waldfriedhof ihr Wunsch war. Dort waren allerdings alle 175 Urnenplätze besetzt. Weil das neue Kolumbarium zu diesem Zeitpunkt schon in Bau war, entschloss sich die Familie in Absprache mit dem Bestatter, mit der Beisetzung der Urne erst einmal zu warten.

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Der Geburtstag der Schwiegermutter am 9. Mai erschien als geeigneter Termin. Allerdings war inzwischen die Corona-Pandemie ausgebrochen und das neue Kolumbarium noch nicht fertig. Andreas Rewald: „Man sprach nunmehr vom 17. Juni, 18. Juli und zuletzt vom 1. August. Danach gab es keine Terminangaben mehr.“ Besuche der Familie an der Baustelle würden schon seit einigen Wochen zeigen, dass nur noch Restarbeiten offen seien, die jedoch eine Abnahme durch das Hochbauamt verhindern.

Ein halbes Jahr zwischen Tod und Beisetzung

Rewald: „Bei gutem Willen gehe ich frühestens Mitte September 2020 von einer Beisetzung aus.“ Ein wenig früher könnte es nun jedoch etwas werden mit der Beisetzung: Die Stadt hat mitgeteilt, dass Bestattungstermine ab 1. September für das Kolumbarium angenommen werden. Die Bestatter seien darüber informiert. 63 Urnen in Einzelgrabkammern und 216 Urnen in Wahlgrabkammern sollen dann zur Verfügung stehen.

Am neuen Kolumbarium fehlen nur noch Kleinigkeiten, glaubt Andreas Rewald.

Am neuen Kolumbarium fehlen nur noch Kleinigkeiten, glaubt Andreas Rewald. © privat

Die Gründe für die Verzögerung seien vielfältig, erklärte die Stadt. Die Corona-Pandemie habe die Anzahl der Arbeitskräfte reduziert, ein Unternehmen sei bedingt durch einen persönlichen Umstand für längere Zeit ausgefallen, bei einigen Materialien habe es Liefer-und Herstellerschwierigkeiten gegeben.

Alles Fertigstellungstermine waren unverbindlich

Die Bestatter und auch die städtischen Mitarbeiter hätten auf Nachfrage zwar von den Handwerkern genannte mögliche Fertigstellungstermine weitergegeben, aber immer auch darauf hingewiesen, dass diese wegen Corona nicht verbindlich seien. „Zeitpunkte für einen Beisetzungstermin wurden nie fest zugesagt und auch nicht vergeben“, erklärt Stadtsprecher Ludger Böhne. „Um den gewünschten Platz im Kolumbarium zu erhalten, haben die Angehörigen also wissend und bewusst eine noch nicht klar zu benennende Wartezeit bis zur Urnenbeisetzung in Kauf genommen.“

Dass man schon vor der endgültigen Fertigstellung die Wünsche von Angehörigen ernst genommen und respektiert habe, führe nun zu Vorwürfen an die Stadt. Am Ende könne man wohl vom „Fluch der guten Tat“ sprechen, da die Stadt eigentlich nur die individuellen Wünsche der Familie habe erfüllen wollen. Beim möglichen Bau weiterer Kolumbarien werde man sich sehr wohl überlegen, ob man noch einmal ein solches Vorgehen ermögliche.

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