Boom braucht Platz: Dorsten gehen die Gewerbeflächen aus

mlzGewerbeflächen

Nahezu alle kurzfristig verfügbaren Gewerbeflächen in städtischer Hand sind verkauft. Die Nachfrage ist weiterhin groß. Stadtverwaltung und Wirtschaftsförderung drücken aufs Tempo.

Dorsten

, 13.09.2019, 16:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Jahren sinkt die Arbeitslosenquote in Dorsten bei gleichzeitigem Anstieg der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Diese positive Entwicklung könnte allerdings ins Stocken geraten, denn inzwischen werden die Gewerbeflächen knapp.

Vor drei Jahren verkaufte die Stadt das letzte Grundstück auf städtischer Seite im Industriepark Dorsten/Marl an Arvato. Das Unternehmen baute auf der knapp 12 Hektar großen Fläche ein neues Warenverteilzentrum. Auch die Vermarktung des Areals der ehemaligen Zeche Fürst Leopold ist eine Erfolgsgeschichte (DZ+). Den Zuschlag für eines der letzten freien Grundstücke in städtischer Hand erhielt vor Kurzem der Dorstener Softwarehersteller netTrek, der an der Fürst-Leopold-Allee einen neuen Firmensitz baut.

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Insgesamt rund 13,5 Hektar gewerbliches Bauland hat die Stadt vornehmlich in den Bereichen Fürst Leopold, Dimker Heide und Am Güterbahnhof veräußert. Etwa 30 Unternehmen wurden bedient und rund 350 Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert. Hinzu kommen weitere Flächen, die von der TeDo GmbH und der RAG Montan Immobilien auf den Markt gebracht wurden.

Übrig bleiben da aktuell noch 1,8 Hektar Baulandfläche, die als reines Gewerbegebiet ausgewiesen sind und auf die Stadt und Wirtschaftsförderung Windor direkten Zugriff haben. 1,1 Hektar davon seien schwierig zu vermarkten, sagte Windor-Geschäftsführer Josef Hadick im Wirtschaftsausschuss: „Derzeit deuten alle Signale darauf hin, dass wir unter aktuellen Bedingungen innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre ausverkauft sind.“

60 Unternehmen mussten abgewiesen werden

Man habe rund 60 Unternehmen abweisen müssen, „für die wir kein Angebot hatten“, so Hadick. Die Anfragen wurden weitergeleitet an andere Grundstückseigentümer, Vermarkter und benachbarte Städte, um die Unternehmen zumindest in der Umgebung halten zu können.

Die Politik soll Stadtverwaltung und Windor nun mit einem entsprechenden Mandat ausstatten, sich weiter intensiv mit der Ausweisung, Weiterentwicklung und - wo möglich - auch der Erschließung neuer Gewerbeflächen zu befassen. Vorrangig soll es dabei zunächst um die aktuell in Planung befindlichen sowie potenziellen Gewerbe- und Industriegebiete gehen. Namentlich sind das:

  • Industriepark Große Heide Wulfen
  • Lünsingskuhle
  • Dimker Heide (Erweiterung)
  • Lembeck (Erweiterung)
  • Wenge-West
  • Köhler Feld (Erweiterung)
  • Schwatter Jans (interkommunal)
  • Duvenkamp (Erweiterung)

Bürgermeister Tobias Stockhoff wies auf den Konflikt bei der Nutzung und Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen und der wirtschaftlichen Entwicklung einer Kommune hin. Er warnte zugleich davor, sich pauschal gegen eine Entwicklung weiterer Flächen auszusprechen: „Aus Verwaltungssicht muss das Ziel sein, dass wir am Ende in der Lage sind, als Kommune von den eigenen Steuerzuweisungen leben zu können.“

Der Wirtschaftsausschuss sprach sich einstimmig für eine entsprechende Mandatierung aus. Die Entscheidung fällt am kommenden Dienstag (17.9.) im Umwelt- und Planungsausschuss.

Unternehmen im Kreis Recklinghausen sowie in den Städten Gelsenkirchen und Bottrop klagen schon länger über Probleme bei der Suche und Bereitstellung von Gewerbeflächen für Erweiterungen oder Neuansiedlungen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen und die Handwerkskammer (HWK) Münster befragen deshalb noch bis zum 27. September die Unternehmen in der Emscher-Lippe-Region zum aktuellen und künftigen Bedarf an Gewerbeflächen.

„Die Umfrage dient IHK und HWK als Interessenvertreter der Wirtschaft dazu, den Gewerbeflächenbedarf realistisch einschätzen und gegenüber Land und Kommunen detailliert angeben zu können“, teilte die IHK mit. „Aus Sicht von IHK und HWK ist die Entwicklung von Unternehmen und damit Beschäftigung und Wohlstand einer Region maßgeblich vom Flächenangebot abhängig.“

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