Conny Dürr zeigt Bewohnerin Inge S., wie sie Kontakt zu ihren Angehörigen via Videokonferenz halten kann. © Diakonisches Werk
Alten- und Pflegeeinrichtungen

FFP2-Masken, Schnelltests und Impfungen: Die Lösung für Altenheime?

Der zweite Lockdown betrifft auch wieder die Bewohner und Mitarbeiter der Altenheime. Im Altenzentrum Maria Lindenhof geht man die Probleme kreativ an. Technik spielt dabei eine große Rolle.

Für die Bewohner und Mitarbeiter vom Altenzentrum Maria Lindenhof in Dorsten geht ein außergewöhnliches Jahr zu Ende. Der erste Lockdown im Frühjahr war eine große Herausforderung für die Einrichtung des Diakonischen Werks.

Wochenlang galt ein striktes Besuchsverbot. Jetzt, beim zweiten Lockdown, schließt die Politik aus, dass Bewohner von Pflegeeinrichtungen noch einmal in die Isolation gedrängt werden.

Lockdown bescherte Einrichtung Digitalisierungsschub

„Bei uns hat sich die Besuchsdramatik aber auch nicht so gezeigt“, erklärt Michael Horst, Pressereferent des Diakonischen Werks. Denn die Einrichtung hat nach Alternativen zum Besuch gesucht und kurzerhand Smartphone und Tablet für die Bewohner zur Verfügung gestellt, damit die Senioren mit ihren Angehörigen über Videotelefonie sprechen konnten.

Malte Wulbrand ist der zukünftige Regionalleiter in Dorsten. © Diakonisches Werk © Diakonisches Werk

Sengül Candan koordinierte die Terminplanung und half den Bewohnern mit der neuen Technik. „Für manche war das Handy zu leise und ich habe dann wiederholt, was der Gesprächspartner gesagt hat“, erklärt Candan, die eigentlich den Pflegedienst der Tagespflege leitet.

An rührende Momente kann sich Sengül Candan erinnern. Als eine Mitbewohnerin das erste Mal überhaupt ihre Urenkelin über den Bildschirm sehen oder ein Bewohner endlich seine Frau wiedersehen konnte – „das war so ein Moment, wo ich selbst geweint habe.“

Oder der Enkel aus dem Ausland, der bisher nur telefonisch Kontakt zu seiner Oma halten konnte: „Nach langer Zeit konnten sie sich endlich sehen.“

Menschen in Tagespflege drohen zu vereinsamen

Corona und der Lockdown machten die Mitarbeiter kreativ und die Gesprächsmöglichkeiten wollen sie beibehalten. In Planung sei außerdem, Arztgespräche über eine datenschutzkonforme Plattform digital anzubieten.

Jetzt in der Adventszeit werden für die Bewohner Gottesdienste und Andachten angeboten – natürlich mit Abstand und Schutz.

Gedichte und Geschichten oder Gitarren- und Flötenmusik bescheren den Senioren eine kleine Abwechslung. Insgesamt erlebt Andrea Korf, „Leiterin des Partyservices“, wie ihr Kollege Dimitris Keskinidis scherzhaft meint, die Bewohner gelassen. „Da kommt dann schon die Aussage: Wir haben den Krieg überlebt, dann schaffen wir das hier auch.“

Mozart und Bach klingen auch mit Abstand gut! Davon konnten sich die Bewohner des Altenzentrums Maria Lindenhof überzeugen, als Nicola Borsche und Dan Tarna, Mitglieder der Neuen Philharmonie Westfalen und des Lions Clubs Gelsenkirchen, für eine kleine musikalische Ablenkung sorgten. © Diakonisches Werk © Diakonisches Werk

Anders sehe es in der Tagespflege aus. Hier sei die Gefahr zu vereinsamen viel größer, meint Sengül Candan. „In der Notbetreuungssituation im Frühjahr hatten wir Gäste, die gesagt haben, dass sie lieber an Corona sterben als alleine zu Hause.“

Besuche sind möglich und zu Weihnachten dürfen Bewohner zu ihren Lieben

Seit dem zweiten Lockdown gilt für Besucher FFP2-Maskenpflicht. Die Einrichtung hat extra Besuchslotsen eingestellt, die die Besucher in Empfang nehmen, die Temperatur checken und den Anmeldebogen ausfüllen lassen.

Schnelltests müssen Besucher indes nicht machen, um ins Haus zu kommen.

Seit Mitte November stehen der Einrichtung Schnelltests zur Verfügung. Sie sind vor allem für die Bewohner und die Mitarbeiter gedacht.

Wenn etwa zu Heiligabend manche Bewohner von ihren Familien abgeholt werden, wird zwei bis drei Tage nach deren Rückkehr und ein zweites Mal nach sechs bis sieben Tagen ein Rachen- und Nasenabstrich genommen.

Schnelltests sind eine Hilfe, aber nicht die Lösung

Um die Tests richtig anwenden zu können, haben sich zwei Mitarbeiter vom Betriebsarzt schulen lassen. Sie geben ihr Können dann an Kollegen weiter, damit so viele Mitarbeiter wie möglich die Tests durchführen können.

Dass nun ständig getestet werden könnte, sei aber „eine Illusion“, stellt Einrichtungsleiter Malte Wulbrand klar. Hinzu komme, dass die Schnelltests immer nur eine Momentaufnahme darstellten und nur Auskunft darüber geben, ob der Getestete akut infektiös sei.

Die Diakonie sucht für ihre Einrichtungen Covid-19-Tester, die die Tests durchführen.

Ohne Verzicht von Angehörigen und Mitarbeiterin geht es nicht

Wenngleich die Schnelltests ein wichtiges Werkzeug sind, um die Bewohner vor einem Eintrag des Virus in die Einrichtung zu schützen, gehe es nicht ohne die Mitarbeit der Angehörigen und Mitarbeiter.

„Wir verzichten privat auf Kontakte“, erklärt Pflegedienstleiter Dimitris Keskinidis. Vor diesem Hintergrund appelliert Einrichtungsleiter Malte Wulbrand speziell an die Angehörigen, die ihre Lieben an Weihnachten zu sich holen, auf die Hygiene- und Abstandregeln zu achten: „Es hat weitreichende Auswirkungen für uns alle, wenn das Virus in die Einrichtung getragen wird.“

Impfung ist „kein Freifahrtschein“

Ob sich durch die Impfungen die Lage entspannt, mag Wulbrand nicht abzusehen, zu viele Fragen seinen noch ungeklärt. „Ich rechne damit, dass wir nicht vor Januar mit Impfungen in Kontakt kommen.“ Als „die ultimative Lösung“ will er sie erst recht nicht ansehen. Im Gegenteil: Für ihn ergeben sich neue Fragen.

Da sich Mitarbeiter und Bewohner freiwillig impfen lassen können, müsste überlegt werden, wie mit Nicht-Geimpften umgegangen wird. Sorge bereiten ihm auch die ersten geimpften Besucher. „Das wird noch eine Herausforderung für das Besuchskonzept. Nur weil jemand geimpft ist, ist das noch lange kein Freifahrtschein.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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