Für Dorstener Unternehmen ist Corona mehr als eine gesundheitliche Bedrohung

mlzSchaden für die Wirtschaft

Messen werden abgesagt, Dienstreisen gecancelt, Lieferketten unterbrochen. Umsätze gehen zurück. Was machen Unternehmen, wenn sie den Staplerfahrer nicht ins Home Office schicken können?

Dorsten

, 16.03.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Überbrückungskredite, Kurzarbeit, Steuerstundungen - die Politik arbeitet gerade an Ideen, um die Folgen der Corona-Epidemie für die Wirtschaft abzumildern. Derweil kämpfen die Unternehmer mit den alltäglichen Unbilden der außergewöhnlichen Lage.

„Wir haben 1000 neue Baustellen, und es werden täglich mehr“, erklärt zum Beispiel Manfred Köhler, Geschäftsführer der Huettemann Holding, zu der die Dorstener Spedition Delog-Delsing gehört. Bei international agierenden Spediteuren sei gerade alles anders als sonst. „Wir haben unsere eigene Reisetätigkeit und die unserer Mitarbeiter eingeschränkt, es wird viel im Home Office erledigt, wir halten selbstverständlich die Hygieneregeln ein und verzichten aufs Händeschütteln, aber im operativen Geschäft ist das alles nicht so einfach. Den Staplerfahrer im Lager kriegen wir nicht ins Home Office.“

Angespannte Lage auf den internationalen Transport-Routen

Auch auf der Straße sei die Lage sehr angespannt. Die Kunden machen den Spediteuren Vorschriften, lassen sich Fragebögen ausfüllen zum Gesundheitszustand der Fahrer. „Wir haben schon vorige Woche Fahrten nach Italien eingestellt“, berichtet Köhler, „haben mit dem Empfängern Übergabe-Orte für die Ware verabredet.“

Für andere Touren habe man neue Routen erarbeiten müssen. „Zum Glück funktioniert derzeit noch der Transitverkehr durch Österreich.“ Aber womöglich lauert da schon die nächste Baustelle für das Logistikunternehmen.

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Bei Huettemann spürt man auch schon die Folgen der Coronakrise für manche Branchen. Manfred Köhler: „In der Elektronikindustrie sind manche Lieferketten inzwischen abgerissen, weil in China die Produktion für viele Bauteile eingestellt worden ist und hier viele Fertigungsprozesse zwangsweise brach liegen.“

Trotz aller Schwierigkeiten nähmen die Spediteure selbstverständlich ihre Verantwortung für die Versorgungssicherheit des Landes wahr.

Stiftsquelle: Hygieneregeln schützen Kunden und Mitarbeiter

Dazu stehen auch die Verantwortlichen der Dorstener Stiftsquelle. Auch dort hat man die Mitarbeiter in internen Schulungen mit Hygienemaßnahmen vertraut gemacht. Allerdings ohne jede Hysterie, erklärt Sebastian Brodmann auf Nachfrage: „Unsere Produkte unterliegen ohnehin höchsten Hygienestandards, die auch in Zeiten von Corona ausreichend sind. Aber natürlich geht es auch um die Menschen, die bei uns arbeiten.“

Michael und Sebastian Brodmann, Unternehmer des Jahres 2019 in Dorsten

Bei Michael und Sebastian Brodmann von der Stiftsquelle gelten stets höchste Hygienestandards. © Julian Schäpertöns

Für die seien alle denkbaren Vorkehrungen getroffen worden. So müssen die Vertriebsmitarbeiter derzeit nicht zu Messebesuchen und Auslandsreisen aufbrechen. Die Probleme der Spediteure hat die Stifts-Quelle nicht. Brodmann: „Wir sind ja ein regional tätiges Unternehmen, das in einem Umkreis von 150 Kilometern unterwegs ist.“

Dorstener Drahtwerke müssen länger auf Material warten

Messen und Ausstellungen sind storniert, das Reisen eingeschränkt. Auch die Dorstener Drahtwerke spüren die Corona-Folgen deutlich. Wie Rüdiger Tüshaus, Geschäftsführer der Dorstener Drahtwerke (DDW), berichtet, sei die Lieferung von wichtigen Vormaterialien deutlich verlangsamt. Überall herrsche große Unsicherheit, auch bei den Kunden. Tüshaus: „Wir bekommen weniger Kunden-Anfragen.“

Auf diesem Archivbild zeigt Rüdiger Tüshaus zeigt Besuchern einige Produkte der Dorstener Drahtwerke.

Auf diesem Archivbild zeigt Rüdiger Tüshaus zeigt Besuchern einige Produkte der Dorstener Drahtwerke. © Ralf Pieper

Insofern sei schon jetzt ein Schaden entstanden. „Die Industrie reagiert halt fix auf solche Situationen.“ Tüshaus ist davon überzeugt, dass der Schaden auch noch größer wird. Hoffnung mache hingegen, dass das wirtschaftliche Leben in China, wo bekanntlich die Weltreise des Corona-Virus begann, inzwischen wieder Fahrt aufnehme. Derweil versucht die DDW-Geschäftsführung, sich auf möglichst viele Eventualitäten möglichst gut vorzubereiten.

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