Vorstandssprecherin, Ratsmitglied und jetzt auch Bundestagskandidatin: Kim Wiesweg steht für den Generationswechsel bei den Grünen. © privat
Bundestagswahl 2021

Für Kim Wiesweg (Grüne) ist der Klimawandel eines der wichtigsten Themen (mit Videos)

Klimaschutz ist ihr wichtig, aber für Kim Wiesweg sind andere Themen offenbar noch wichtiger. Die Kandidatin der Grünen für die Bundestagswahl ist schon immer ihren eigenen Weg gegangen.

Reken, Dorsten, Reken – der private und berufliche Weg von Kim Wiesweg ist, geografisch betrachtet, ziemlich kurz. Kurz hinter der Stadtgrenze von Dorsten ist die 24-Jährige aufgewachsen, später der Freunde und des Sports wegen nach Dorsten gezogen, um seit eineinhalb Jahren in Reken zu arbeiten.

Als Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen hätte sie nichts dagegen, wenn die Wege eines Tages weiter werden. Kim Wiesweg möchte nach Berlin, in den Bundestag. Wenn es nicht schon in diesem Jahr klappt, dann später vielleicht. „Ich möchte das auf jeden Fall machen“, sagt die Schulsozialarbeiterin.

Freunde und Trainingsort „um die Ecke“

Mit ihrem Geburtsort hat sich Kim Wiesweg nie so richtig verbunden gefühlt. Dorsten hingegen sei „die richtige Mischung“, betont sie. Ein bisschen ländlich auch, aber eben näher am Ruhrpott, „wo mehr los ist“. Und viel näher an ihrem Trainingsort, dem „CrossFit 37“ an der Gelsenkirchener Straße. „Das war mir total wichtig“, gesteht die Kandidatin, die mit ihrem Freund Mauritz Hagemann, dem letztjährigen Bürgermeisterkandidaten der Dorstener Grünen, in der Altstadt lebt.

Zu den Grünen kam Kim Wiesweg schon im konservativen Reken, aus einem eher ungewöhnlichen Beweggrund. „Ich habe ziemlich früh gemerkt, welche Ungerechtigkeiten es zwischen Jungen und Mädchen, Männern und Frauen gibt“, sagt sie. Als Sängerin einer Punk-Band musste sie sich Vorurteilen und sexistischen Bemerkungen erwehren, im Schützenverein wurden die jungen Mädchen gerne von Männern angefasst und angemacht. „So war das halt, aber ich wusste mich immer zu wehren.“

Bei manchen Themen kennt sie keine Kompromisse

Kim Wiesweg lässt sich nicht so schnell unterbuttern, ist aber nicht zwingend auf Konfrontation aus, betont sie. „Wenn mir aber etwas nicht passt, dann sage ich das.“ Und es gebe Themen, da rücke sie nicht von ihrem Standpunkt ab. „Da muss man auch mal härter in die Diskussion einsteigen.“

Zum Beispiel, wenn es um Toleranz geht. „Jeder Mensch ist gleich viel wert, egal welches Geschlecht, welche Hautfarbe und Herkunft, welche sexuelle Orientierung oder religiöse Anschauung jemand hat“, betont sie. „Da lasse ich nicht mit mir reden.“

Kim Wiesweg mit ihren Großeltern. Die Familie ist ihr wichtig, von Dorsten ist es „zum Glück“ nicht so weit nach Reken. © privat © privat

Die Themen, die ihr besonders wichtig sind, hält sie für „bundespolitisch machbar“. Da kam dann irgendwann der Gedanke, für den Bundestag zu kandidieren. Kim Wiesweg hat das zunächst mit sich ausgemacht und ist dann offenbar ziemlich forsch „in die Bütt“ gegangen. Und erntete wohl nur wenig Widerspruch.

Früher eine schlechte Verliererin gewesen

Verlieren war ihre Sache schon früher nicht, das haben die Parteifreunde in Bottrop und Gladbeck wohl schnell gemerkt. In der Kindheit, beim Gesellschaftsspiel mit ihren beiden älteren Brüdern, „flogen auch schon mal die Fernbedienungen“ und wurde drei Tage lang nicht miteinander gesprochen. Jetzt redet sie viel, versucht zu überzeugen. Und sich nicht verbiegen zu lassen.

Kim Wiesweg weiß, dass die Kandidatur „in diesem Jahr nicht die Chance meines Lebens ist. Aber trotzdem bin ich froh über die Erfahrung.“ Und eines Tages, daran lässt sie keine Zweifel, möchte sie in den Bundestag. „Ich mache das generell nicht, um am Wahlabend zu gewinnen, sondern weil ich glaube, dass ich die Beste bin.“

Am Ende haben ohnehin die Wählerinnen und Wähler das letzte Wort. Kim Wiesweg ist gespannt und wird nicht am Boden zerstört sein, wenn sich ihr Wunsch nicht schon bei der Bundestagswahl 2021 erfüllt. „Ich habe in dem Moment schon gewonnen, wenn ich sagen kann: Ich bin zufrieden mit meiner Leistung.“

Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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