Gänsezeit hat begonnen: Gutes Essen ist in Lockdown-Zeit angesagt

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St. Martin steht vor der Tür. Und damit die Schlachtreife der Gänse und Enten auf den Dorstener Höfen. Das Geflügel dürfte 2020 noch ein bisschen mehr munden als in den Jahren zuvor.

Dorsten

, 07.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Finden Gänse und Enten in Corona-Zeiten überhaupt noch Abnehmer? In den Gaststätten entfällt das traditionelle Gänseessen in geselligen Runden im November 2020 wegen der verordneten Schließungen jedenfalls.

Das sollte den Dorstenern im Lockdown aber den Appetit nicht verderben: „Ich bin überzeugt, die Nachfrage nach Geflügel wird gut sein.“ Ludger Dalhaus, Landwirt aus Altendorf-Ulfkotte und Direktvermarkter für Gänse, Enten, Puten und Hähnchen, ist zuversichtlich, dass sein Freilandgeflügel trotz der schwierigen Zeiten Abnehmer finden wird, die zu Hause etwas Gutes auftischen möchten und die Tradition mit ihren Kochkünsten wahren wollen.

Verbraucher kehren zu den Wurzeln zurück

„Die Nahrungsmittelindustrie ist im Umbruch. Verbraucher, die es sich leisten können, kehren zu den Wurzeln zurück“, so Dalhaus. Für ihn heißt das: „Es gibt eine Rückbesinnung auf gutes Essen.“ Allerdings, auch das hat Dalhaus festgestellt, stehe der Preis im Vordergrund.

„Man sieht das beim Biofleisch. Alle Bioprodukte haben exorbitante Zuwächse, beim Biofleisch ist das nicht der Fall. Hier ist eine Stagnation zu verzeichnen“, sagt Dalhaus. Der tägliche Fleischverzehr sei für viele Konsumenten selbstverständlich: „Würde man diese Kosten für sieben Tage Fleischkonsum auf drei Tage umlegen, dann könnten einige Menschen mehr und qualitativ hochwertigeres Biofleisch auf den Tisch bringen“, so der Landwirt. Gleichwohl ist der Altendorfer entspannt, was den Verkauf seines Geflügels in der Advents- und Weihnachtszeit betrifft. „Das wird gehen“, ist er sich sicher.

Enten- und Gänsezeitsaison hat gerade begonnen

Etwas zurückhaltender äußert sich die Hervester Hofchefin Christa Aldenhoff: „Momentan kann ich noch nicht viel sagen, da die Saison für Gänse- und Entenfleisch gerade erst beginnt.“ Sie sei aber verhalten optimistisch, dass die Dorstener ihren Festtagsbraten nicht missen möchten. Mit Vorbestellungen rechnet sie jetzt noch nicht zwingend: „Viele warten erst einmal ab, was die Zeit nach dem 30. November bringt.“

Bis dahin gelten bekanntermaßen die Lockdown-Bestimmungen mit strikt begrenzten Familienzusammenkünften in den eigenen vier Wänden. „Wie viele Haushalte nach diesem Zeitraum zusammenkommen dürfen, wird bei der Nachfrage sicher den Ausschlag geben“, sagt die Hofchefin. Sie hofft, dass sie alle Gänse vom Hof verkaufen können.

Gut fünf Millionen Gänse essen die Deutschen laut Wirtschaftsressort des Tagesspiegels zur Weihnachtszeit, aber nur ein Bruchteil (knapp 650.000 Tiere) stammt aus Deutschland. Der Rest wird aus Ungarn und Polen importiert - zum Discountpreis. Mit den bekannten Folgen für die Tiere.

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