Gastronomen sorgen sich vorm Corona-Winter: Gäste sollen nicht frieren

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Gastwirte sorgen sich vor der Wintersaison. Gäste wollen lieber draußen sitzen und es trotzdem warm und gemütlich haben. Werden Gastronomen in Zukunft umweltschädliche Gas-Heizpilze nutzen?

Dorsten

, 24.09.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tage werden kürzer, die Abende kühler. Die Gastronomen in Dorsten machen sich Gedanken, wie sie ihren Gästen Sicherheit vor Coronaviren und ein gemütliches Ambiente bieten können. Viele Gäste bevorzugen Sitzplätze an der frischen Luft, da ist die Ansteckungsgefahr niedriger als in geschlossenen Räumen.

Ohne Heizstrahler geht es nicht

Stiv Tatouz hat deshalb schon früh Geld in die Hand genommen und seinen Außenbereich aufgerüstet. Im O‘Pazzo am Marktplatz kann er wegen des Abstandgebots drinnen nur noch 60 Prozent der Sitzplätze nutzen. Für den Außenbereich hat er neue Möbel angeschafft. Vor seinem Lokal können nun drei Besuchergruppen auf insgesamt 21 Plätzen das Essen und Getränke genießen.

Auf dem Marktplatz hat er zusätzlich 64 Plätze im Angebot.

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„Die Gäste fühlen sich draußen sicherer“, hat Stiv Tatouz beobachtet. Und er gibt offen zu: Wenn der Außenbereich nicht wäre, müsste er in den Wintermonaten schließen – alles andere wäre unrentabel. „Ich habe bisher 15.000 Euro investiert, damit ich überleben kann“, schildert der Gastronom die Situation.

Damit seine Gäste auch in der kalten Jahreszeit draußen sitzen können, will Tatouz zusätzlich Heizstrahler kaufen. Einen strombetriebenen hat er bereits im Einsatz. 2000 Watt Leistung bringt der und wärme zumindest eine Besuchergruppe. Effektiver sei aber ein Heizpilz, der mit Gas betrieben wird. Damit die Wärme nicht gleich verfliegt, will Stiv Tatouz zusätzlich mehrere tausend Euro in die Hand nehmen, um die Markise vor seinem Lokal zu verlängern.

Sind Heizpilze in Dorsten erlaubt?

Bei den Gastwirten herrscht noch Unklarheit darüber, ob in Dorsten Gas-Heizpilze überhaupt zugelassen sind. Pressesprecher Ludger Böhne gibt aber Entwarnung: In Dorsten gebe es kein Heizpilzverbot. „Allerdings sind bei mit Gas betriebenen Heizpilzen natürlich für den Brandschutz Sicherheitsabstände zu Gebäuden und zum Beispiel Markisen etc. einzuhalten.“

In Dorsten dürfen Gastronomen solche Heizpilze nutzen.

In Dorsten dürfen Gastronomen solche Heizpilze nutzen. © picture-alliance/ dpa

Dass mit Gas betriebene Heizstrahler in der Kritik stehen, weiß Stiv Tatouz. „Die Situation erfordert den Einsatz“, gibt der Gastwirt zu bedenken. Er wolle die Strahler nicht zehn Jahre lang nutzen, sondern nur, um die Wintermonate trotz Corona überstehen zu können.

Klimaschutzmanager Sebastian Cornelius kann die Argumentation nachvollziehen, schließlich gehe es um die wirtschaftliche Existenz der Gastronomen. Trotzdem plädiert er dafür, „zusätzliche Möglichkeiten zum Wärmen in Betracht zu ziehen.“ Cornelius denkt dabei an Decken, Heizkissen und als Grundvoraussetzung natürlich warme Kleidung.

Standort und Öffnungszeiten spielen eine Rolle

Voultsidis Dmitris vom Dili Grill würde ebenfalls gerne Heizpilze einsetzen. „Ich überlege schon, was ich machen soll, wenn es draußen kälter wird und die Fenster geschlossen bleiben. Die Kunden versuchen, draußen zu bleiben“, beschreibt er die Situation. Vier Tische kann er vor seinem Imbiss aufstellen. Da sein Außenbereich offen gestaltet ist, müsste er für jeden zweiten Gast einen Heizstrahler einplanen. Eine praktikable Lösung hat er bisher noch nicht gefunden.

Vielleicht wird Voultsidis Dmitris seinen Gästen Decken anbieten, so macht es das Café „Hardter Café-Tante“. Auf der Terrasse mit Vordach finden 24 Gäste Platz. „Wenn die Sonne scheint, haben wir hier von morgens bis abends Sonne“, schwärmt Barbara Hüttermann. Sie plädiert für warme Kleidung, weiß aber auch, dass diese Strategie nicht bei allen Gastronomen funktionieren kann. „Wir haben keine kalten Nächte, da wir um 18 Uhr schließen. Den Gastronomen, die länger geöffnet haben, bleibt nichts anderes übrig, als Heizstrahler zu nutzen.“

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