Das Imbissgeschäft leide besonders, sagt Peter Süthold aus Raesfeld. Er bietet schon viele Jahre Produkte von seinem Bauernhof auf dem Dorstener Wochenmarkt an. © Ralf Pieper
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Gekauft wird zum Selberkochen: Rundgang über den Dorstener Wochenmarkt

Der Marktbummel ist in Coronazeiten dem zielgerichteten Einkauf gewichen. Gekauft wird zum Selberkochen. Markthändler in Dorsten machen das Beste draus und werden auch kreativ.

Peter Süthold aus Raesfeld bietet schon seit vielen Jahren Produkte vom eigenen Bauernhof auf dem Dorstener Wochenmarkt an. Derzeit sei deutlich weniger los, sagt er, während er Reibeplätzchen und Würstchen auf dem Grill wendet.

Vor allem das Imbissgeschäft sei stark zurückgegangen, so Süthold. „Die Aufenthaltsqualität, ein Aspekt, der einen Wochenmarkt ausmacht, ist dem Lockdown zum Opfer gefallen. Die verbliebenen Kunden kaufen eher Produkte zum Selberkochen zu Hause.“

Hühnermobil gegen die Supermarkt-Konkurrenz

Um weiter im Geschäft zu bleiben und sich von Mitbewerbern und vor allem Supermärkten abzugrenzen, rief Peter Süthold sein „Hühnermobil“ ins Leben: Ein transportables Hühnergehege, das auf allen Wiesen aufgestellt werden kann. „Bei uns gibt es so Eier von glücklichen Hühnern und das schmeckt man!“

Das gleiche Bild bietet sich an diesem Samstag am Obst- und Gemüsestand nebenan. Auch bei Kamperdick aus Wesel fehlt die Laufkundschaft. „Die Kunden kommen gezielt, um ihre Wochenendeinkäufe zu erledigen und sind zugleich froh, dass sie dies an der frischen Luft und nicht in beengten Supermärkten tun zu können,“ sagt Noel Kamperdick.

Viel los sei an diesem Morgen dennoch nicht: „Viele Menschen bleiben zu Hause, aus Angst sich anzustecken,“ sagt Kamperdick. „Die geschlossenen Geschäfte und Gastronomie machen außerdem den Samstagsbummel durch die Innenstadt unattraktiv.“

Auf die Stammkunden sei Verlass, aber die Laufkundschaft fehlte, sagt Noel Kamperdick vom gleichnamigen Obst- und Gemüsehändler.
Auf die Stammkunden sei Verlass, aber die Laufkundschaft fehlte, sagt Noel Kamperdick vom gleichnamigen Obst- und Gemüsehändler. © Ralf Pieper © Ralf Pieper

Äußerst zielgerichtet gehen die Maskierten am Samstagvormittag durch die Dorstener Innenstadt. Auf die Hygienevorschriften achteten die Marktbesucher sehr gewissenhaft. Masken und ausreichend Abstand – da gibt es fürs Ordnungsamt nichts zu meckern.

Auf Stammkundschaft ist Verlass

„Wir können uns auf unsere treue Stammkundschaft verlassen“, sagt Floristin Sandra Leserer vom Pflanzencenter Grebe. Offenbar hält hier der Trend des Jahres 2020 auch im neuen Jahr an: Wenn man schon nicht rausgehen kann oder darf, macht man es sich zu Hause mit Pflanzen und Blumen schön.

„Ich kaufe gern auf dem Markt ein,“ sagt Sabine Schultz. „Man ist hier an der frischen Luft, sieht andere Menschen und trifft hin und wieder auch Bekannte.“ Trotz aller Einschränkungen sei der Markt ein Stück verbliebene Normalität. „Zwar mache ich mir wegen der Pandemie jeden Tag Sorgen, möchte mich aber nicht von diesen Ängsten beherrschen lassen und mich zu Hause einschließen.

So sei der Marktbesuch eine willkommene Abwechslung“, sagt Sabine Schultz. „Außerdem fühle ich mich hier unter freiem Himmel beim Einkaufen sicherer als im Supermarkt.“

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Freier Mitarbeiter
Es ist die Unterhaltung mit anderen Menschen bei Reportagen, das Einfangen von Stimmungen bei Veranstaltungen und die Teilnahme an verschiedensten kulturellen Events in erster Reihe, die meine Arbeit so vielfältig machen. Nachdem ich als ausgebildeter Fotograf viele Jahre „nur“ für die Bilder zuständig war, empfinde ich heute das Schreiben als zusätzlichen wertvollen Blick „hinter die Kulissen“.
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Ralf Pieper

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