Gelähmten gnadenlos geschröpft

Dorsten Es war ein abscheulicher Vertrauensbruch. In nur vier Jahren brachte eine 38-Jährige ihren querschnittsgelähmten Schutzbefohlenen um sein ganzes Vermögen: 270 000 Euro. Gestern wurde sie zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

06.09.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Selbstanzeige, tatkräftige Mitwirkung bei der Aufklärung der Vielzahl der getätigten Bankgeschäfte und ein umsichtiger Anwalt verhalfen der Mutter zweier heranwachsender Söhne dennoch nicht zu der von ihr ersehnten Bewährungsstrafe.

Richterin Regine Heinz machte der Angeklagten unmissverständlich klar: "Für gewerbsmäßige Veruntreuung sieht das Strafgesetzbuch sechs Monate bis zu zehn Jahre vor. Ihre 406 Einzeltaten würden sich zusammengenommen sogar auf 23 Jahre Haft summieren!"

Grenzenloses Vertrauen

2002 war die junge Frau zur Betreuerin des Pflegebedürftigen ernannt worden. Wohl mit grenzenlosem Vertrauen ausgestattet überließ der hilflose Mann der jungen Pflegerin sämtliche Bankgeschäfte. 406 Mal bediente sie sich vom Konto. Die geschiedene Mutter zweier Kinder verfügte nämlich nur über ein bescheidenes Einkommen. Als Umschülerin erhielt sie 1000 Euro. Ihre Ausführungen, sie habe das Geld nicht für Luxus verprasst, sondern fürs tägliche Leben gebraucht und vieles davon in den Haushalt ihres Patienten einfließen lassen, ließ das Schöffengericht nicht als strafmildernden Umstand gelten.

Ohne einen Cent

Selbst die Selbstanzeige trug nicht wesentlich zu einer Verkürzung der verhängten Haftstrafe bei. Denn: "Die Veruntreuung des Geldes wäre ohnehin aufgeflogen." Tatsächlich wollte der Schutzbefohlene 2006 bauen und sorgte damit für erheblichen inneren Aufruhr seiner Betreuerin. Sie wusste genau, dass der Kontostand des Mannes die Verwirklichung des Projektes nicht mehr erlauben würde und wandte sich deshalb an einen Anwalt. Der riet zu einem alles umfassenden Geständnis und uneingeschränkter Unterstützung der Ermittlungsbehörden.

Der Pflegebedürftige steht heute ohne einen Cent Rücklagen da. Die hohe Summe war ihm als Entschädigung für seine schwere Behinderung zugesprochen worden. Ob er auch nur Bruchteile seines Vermögens wiederbekommt, ist mehr als fragwürdig, da das Einkommen der Frau gering ist. Auf ihr lastet Zeit ihres Lebens ein zivilrechtlich erwirkter Titel über 270 000 Euro. eng

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