Auch am Freitag ist keine bestätigte Infektion mit dem Coronavirus im Kreis Coesfeld hinzugekommen. © picture alliance/dpa (Symbolbild)
Coronavirus

Gesundheitsamt hat das Personal in der Coronakrise verachtfacht

Das Kreisgesundheitsamt in Recklinghausen hat den Personalbestand seit Jahresbeginn mächtig aufgestockt. Im NRW-Landtag kamen jetzt aber noch andere Zahlen auf den Tisch.

Das neuartige Coronavirus hat das Kreisgesundheitsamt in Recklinghausen in den letzten Monaten vor eine ungeahnte Belastungsprobe gestellt. Denn hier mussten alle Fälle aus zehn Kreisstädten – unter anderem also auch aus Dorsten, Haltern am See und Castrop-Rauxel – identifiziert, Maßnahmen angeordnet und Infektionsketten nachverfolgt werden.

Von 14 auf 110 Mitarbeiter

Eine Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD im NRW-Landtag verdeutlicht den Aufwand in Zahlen. Demnach arbeiten regulär 14 Mitarbeiter in der Recklinghäuser Behörde, bis Ende März wurde der Bestand auf 76 Beschäftigte aufgestockt.

Der vorläufige Höchststand war nach Auskunft des NRW-Gesundheitsministeriums am 11. Mai erreicht: 110 Beschäftigte, nahezu achtmal so viele wie regulär. „„Die Aufgaben sind so personalintensiv, dass kaum ein Gesundheitsamt diese ohne massive Personalaufstockung leisten kann“, teilte das Ministerium mit.

Aber wo kommen die Männer und Frauen her, die vorübergehend und manchmal auch nur einige Wochen in der Recklinghäuser Behörde aushelfen? Das Gesundheitsministerium nennt Stammpersonal aus anderen Verwaltungsbereichen, aus anderen Organisationen wie dem Medizinischen Dienst und Krankenkassen sowie Studenten, die als sogenannte „Containment-Scouts“ helfen, Infektionsketten nachzuverfolgen, so wie es das Robert-Koch-Institut verlangt.

Nur eine Quarantäne-Anordnung missachtet

Das ist im Kreisgesundheitsamt Recklinghausen, anders als in vielen anderen Gesundheitsämtern, nach eigenen Angaben offenbar gelungen. 1462 Menschen haben sich (Stand Freitag, 24. Juli) kreisweit mit dem Coronavirus identifiziert, in 4180 Fällen wurde bislang eine häusliche Isolation angeordnet. Lediglich eine Person hat sich nach offiziellen Angaben nicht daran gehalten. Die Konsequenz: „Es wurde Strafantrag gestellt.“

Das NRW-Gesundheitsministerium hatte bei allen 54 Gesundheitsämtern angefragt, ob und inwieweit sie ihren Verpflichtungen in der gegenwärtigen Krisensituation nachkommen können. Von diesen hat mehr als die Hälfte geantwortet. 21 der 33 antwortenden Ämter konnten die Vorgaben demnach nicht erfüllen. „Es gibt einfach zu wenig Mitarbeiter, um alle Infektionsketten wie nötig nachzuverfolgen“, hieß es.

Seit dem 24. April müssen alle Gesundheitsämter in Deutschland dem Robert-Koch-Institut melden, ob bei ihnen „die vollständige Kontaktnachverfolgung gewährleistet, gefährdet oder bereits aktuell nicht mehr möglich ist“.

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Stefan Diebäcker

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